Buddhistische Mönche in Thailand: Erst durch Entsagung, Meditation und gute Werke befreit man sich vom Leiden, so dass das Rad des Lebens erlischt. Foto:  

Immer nur ein Schwein zu sein, andere zu triezen und an seinen eigenen Vorteil zu denken, kann böse enden. Wenn die Lebensbilanz besonders schlecht ausfällt, droht ein böses Erwachen im Jenseits oder bei der Wiedergeburt.

Stuttgart - Die Welt ist nicht gerecht. Dass das Gute am Ende immer siegt, ist eine Hoffnung, die das Leben nicht bestätigt. Allzu oft haben Egoisten und Misanthropen mehr vom Leben als Gerechte und Gute. „Es ist so schön ein Schwein zu sein“, sang einst der österreichische Liedermacher Georg Danzer. Und in Johann Wolfgang von Goethes Tragödie „Faust“ gibt Mephistoteles kund: „Ich bin ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft.“

Ist dem tatsächlich so oder gibt es eine tief in jedem Menschen verborgene Stimme, die mahnt Gutes zu tun, auch wenn man Böses bezweckt?

Ins Karma investieren

„Investing in Karma“ – ins Karma investieren – nennen amerikanische Psychologen ein Phänomen, das häufiger als man denkt zu beobachten ist: Da vollbringt jemand gute Taten in der Absicht, damit seine Lebensbilanz aufzubessern. „Pimp your Karma“ – frei übersetzt: Motz Deine Bestimmung auf – könnte man dieses Verhalten auch nennen. Seltsamerweise treibt der Wunsch Gutes zu tun, um noch zu Lebzeiten oder am Ende seines irdischen Daseins davon zu profitieren, selbst jene an, die nicht besonders gläubig sind.

Die US-Forscher haben nachgewiesen, dass Menschen gezielt ihr Karma-Konto aufstocken. Sie tun dies mit der impliziten Erwartung, dass sich ihre guten Werke positiv für sie auszahlen und hoffen zugleich, dadurch das Universum, das Schicksal, Gott oder die Götter günstig und milde zu stimmen. Man weiß ja nie, wofür es gut ist, einer älteren Dame über die Straße zu helfen, in der U-Bahn Schwächeren gegen Schläger beizustehen oder anderen hilfreich unter die Arme zu greifen. Vielleicht liegen die Religionen mit ihren Lehren vom Weltgericht und von der Wiedergeburt, von Himmel und Hölle doch nicht so ganz falsch.

Karma: Nichts bleibt folgenlos

Was meint eigentlich Karma? Dahinter verbirgt sich die spirituelle Vorstellung, dass jede Handlung – physisch wie geistig – unweigerlich Folgen hat. Diese Folgen müssen nicht unbedingt in diesem Leben wirksam werden, sondern können sich möglicherweise erst in einem zukünftigen Leben auszahlen. Im Hinduismus und Buddhismus ist die Lehre vom Karma eng mit der Idee vom Kreislauf des Lebens und der Wiedergeburten verbunden. Jede Tat und jeder Gedanke, jedes Nicht-Tun und jedes Nicht-Daran-Denken hat Rückwirkungen auf den Verursacher. Karma ist eine unveränderliche Gesetzmäßigkeit im Universum und wird nicht durch einen Weltenrichter oder Gott beeinflusst.

Es geht beim Karma nicht um Gnade oder Strafe. Schlechtes Karma nährt den Kreislauf der Wiedergeburten, während man mit gutem Karma die Chance erhält, diesen Kreislauf zu durchbrechen und irgendwann im Nirwana zu landen. Buddhisten glauben, dass der Mensch sich selbst erlösen kann durch Entsagung, Meditation und gute Werke. Alles Leben ist Leiden. Erst mit der Beseitigung seiner Ursachen erlischt das Rad des Lebens und man wird endgültig frei von allem Leiden.

„Eine Hand wäscht die andere“

Das ist purer Aberglaube, wird mancher jetzt sagen. Wenn man sowieso an nichts glaubt und der Überzeugung ist, dass mit dem Tod alles aufhört, warum sollte man dann den barmherzigen Samariter mimen und für andere statt nur für sich selbst da tun? Andererseits heißt es aber: „Eine Hand wäscht die andere.“ Ein gegenseitiges Geben und Nehmen ist für die eigene Psychohygiene und das zwischenmenschliche Miteinander allemal besser als Dauer-Egotrips und ständig Schneisen der Verwüstung zu hinterlassen. Und sich dabei auch noch toll vorzukommen.

Guten widerfährt Gutes. Stimmt das?

Die Neigung Gutes zu tun ist nach den Erkenntnissen der US-Wissenschaftler umso größer, je mehr sich der Einzelne Gedanken über sich und sein Leben macht. Gerade wer Positives erlebt und optimistisch in die Zukunft blickt, ist mit guten Werken und Worten oft freigiebiger als derjenige, der sich vom Leben gebeutelt fühlt. „Auch wenn die Leute nicht wirklich an ein Karma glauben, spüren sie doch intuitiv, dass gute Dinge guten Menschen widerfahren.“

Das Gute liegt in den menschlichen Genen

Gutes zu tun und moralisch zu handeln, liegt dem Menschen in den Genen. Dafür muss man nicht religiös sein. Selbst der übelste Egomane kann sich nicht frei machen von der Furcht, dass sein schäbiges Tun und seine üblen Gedanken irgendwann auf ihn zurückfallen könnten. Wenn es einem gut geht und man Erfolg hat, ist es nicht schwer zu glauben, man sei der unbezwingbare Held. Doch bekanntlich kommt Hochmut vor dem Fall. Spätestens dann, wenn es einem dreckig geht und das letzte Stündlein geschlagen hat, überfällt einen die existenzielle Sorge, was wohl passieren könnte, wenn man wirklich wiedergeboren würde oder vor Gottes Richterstuhl treten soll.

„Es ist besser, Gutes zu tun anstatt Böses“

Irgendwann holt jeden das schlechte Gewissen ein. Dann ist es aber zu spät für eine Kurskorrektur, für Reue und Selbstanklagen. „Hätte ich doch nur Gutes getan! Wäre ich doch ein besserer Mensch gewesen! Hätte ich doch nicht so oft den Fiesling raushängen lassen.“ Pech gehabt! Die Lebensuhr kann man nicht zurückstellen. Deshalb ist es ratsam, schon zu Lebzeiten und bei klarem Verstand an der Bilanz seiner guten Werken zu arbeiten.

Wie sagt Winnetou in Karl Mays Wild-West-Roman „Der Schatz im Silbersee“: „Es ist besser, Gutes tun anstatt Böses.“

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