Dieses Bild kennt man: Männer werden zu Priestern geweiht. Die Mehrheit der Deutschen wünscht sich aber, dass dies auch Frauen widerfährt. Foto: dpa

Mehr als zwei Drittel der Deutschen wollen laut einer aktuellen Umfrage, dass Frauen zu Priestern geweiht werden. Ein frommer Wunsch, der nicht in Erfüllung gehen wird.

Stuttgart - Die Deutschen wünschen sich – quer über alle Konfessionsgrenzen hinweg – tief greifende Veränderungen in der Katholischen Kirche. Das belegen immer wieder Umfragen – wie jetzt die des Meinungsforschungsinstituts YouGov. „Sollten ihrer Meinung nach Frauen katholische Priester werden können?“ Auf diese Frage antworten 67 Prozent der Katholiken und 71 Prozent aller 1161 befragten erwachsenen Bundesbürger mit Ja. 20 Prozent der katholisch Getauften antworten mit Nein, was von allen Befragten nur zwölf Prozent tun.

Das Letzte Abendmahl war eine Männerrunde

Die Stichprobe ist laut YouGov repräsentativ und spiegelt die Meinung im Land wieder. Nun ist Deutschland nicht der Nabel der katholischen Welt. Papst Franziskus kann das Votum also getrost übergehen. Im übrigen würde er das auch dann tun, wenn sich eine riesige Mehrheit der rund 1,2 Milliarden Katholiken für die Ordination von Frauen aussprechen würde. Der Grund: Die Entscheidung, ob das Priestertum einen femininen Anstrich vertragen könnte, liegt nach kirchlicher Lehre nicht in der Hand eines Papstes, in der von Bischöfen und schon gar von Gläubigen, sondern ist der Kirche sprichwörtlich in die Wiege gelegt.

In den Evangelien ist zu lesen, dass Jesus zum Letzten Abendmahl nur seine Jünger geladen hatte, die allesamt männlichen Geschlechts waren. Frauen trugen vielleicht Brot und Wein herbei und säuberten danach die gute Stube. Schon die frühe Kirche sah in der Zwölferrunde einen unumstößlichen Beleg dafür, dass nur Männer zum Priester berufen seien. Dass Maria als Apostelin unter Aposteln fungierte, war dabei unerheblich.

Priesterweihe ist „ausschließlich Männern vorbehalten“

Damit hatte sich das Thema Frauenpriestertum gleich zu Beginn der Kirchengeschichte von selbst erledigt. Damit dies für alle Zukunft so bleibt, verkündete Papst Johannes Paul II. (1920-2005) 1994 in seinem Apostolischen Schreiben „Ordinatio sacerdotalis“ (lateinisch für Priesterweihe): „Die Priesterweihe, durch welche das von Christus seinen Aposteln anvertraute Amt übertragen wird, die Gläubigen zu lehren, zu heiligen und zu leiten, war in der katholischen Kirche von Anfang an ausschließlich Männern vorbehalten.“

Der Pontifex schließt mit dem Satz: „Damit also jeder Zweifel bezüglich der bedeutenden Angelegenheit, die die göttliche Verfassung der Kirche selbst betrifft, beseitigt wird, erkläre ich kraft meines Amtes, die Brüder zu stärken, dass die Kirche keinerlei Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden, und dass sich alle Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben.“

Um auch noch die letzten Zweifler zum Verstummen zu bringen, legte die vatikanische Kongregation für die Glaubenslehre unter ihrem damaligen Präfekten Joseph Ratzinger (dem späteren Papst Benedikt XVI.) 1995 in einem Schreiben nach: „Diese Lehre fordert eine endgültige Zustimmung, weil sie, auf dem geschriebenen Wort Gottes gegründet und in der Überlieferung der Kirche von Anfang an beständig bewahrt und angewandt, vom ordentlichen und universalen Lehramt unfehlbar vorgetragen worden ist.“

Widerstand ist zwecklos

Dass sich 2002 sieben Frauen von einem abtrünnigen Bischof auf einem Donauschiff bei Passau zu „römisch-katholischen Priesterinnen“ weihen ließen und den Verein „Roman Catholic Women Priests“ gründeten, ist genauso eine Randnotiz der Kirchengeschichte geblieben wie das von 2011 von 240 katholischen Theologieprofessoren unterzeichnete „Memorandum Kirche“. Darin fordern die Gelehrten eine tief greifende Reform der Kirche – inklusive Ende des Zölibats und Priesterweihe von Frauen.

Franziskus rüttelt nicht am Dogma

Auch Papst Franziskus rüttelt nicht am kirchlichen Dogma. In einem Interview im August 2013 erklärte er: „Zur Frauenordination hat sich die Kirche bereits geäußert und sagt: ‚Nein‘. Dieses Thema ist beendet, also jene Tür ist zu.“ Johannes Paul II. (1978-2005) habe diese Frage in „definitiver Form“ entschieden.

Das Dogmatische an Dogmen – den grundlegenden, normativen Lehraussagen der Katholischen Kirche – ist, dass ihr Wahrheitsanspruch unumstößlich feststeht. Einmal beschlossen und in der Tradition verankert, kann nichts und niemand an ihnen rütteln. Anders als beim Zölibat sind es nicht rechtliche oder organisatorische Gründe, die für ein Verbot sprechen. Die priesterliche Ehelosigkeit hat sich im Laufe der Kirchengeschichte eingebürgert und ist seit dem Mittelalter vorgeschrieben. Der Papst könnte, wenn er denn wollte, den Zölibat per Dekret abschaffen.

Beim Frauenpriestertum liegt die Sache hingegen vollkommen anders. Dass Jesus nur Männer zu Aposteln berief, hat laut kirchlicher Lehre nichts mit soziologischen oder kulturellen Motiven der damaligen Zeit zu tun. Papst Paul VI. (1897-1978) zufolge liegt „der wahre Grund darin, dass Christus es so festgelegt hat, als er die Kirche mit ihrer grundlegenden Verfassung und ihrer theologischen Anthropologie ausstattete, der dann in der Folge die Tradition der Kirche stets gefolgt ist.“

Die Bibelwissenschaft sagt etwas anderes

Und daraus folgt: Männer können aufgrund ihres Mann-Seins Priester werden – Frauen dürfen es wegen ihres Frau-Seins nicht. Nun ist es nicht so, als ob Kritiker der bisherigen Lehre keine vernünftigen Argumente für das Frauenpriestertum ins Feld führen würden. So hat die moderne Bibelwissenschaft gezeigt, dass die Wahl der Apostel eine Frage der Symbolik und nichts des Geschlechts war. Die zwölf Apostel repräsentieren die zwölf Stämme Israels und untermaueren den Anspruch Jesus, sich an das ganze Volk der Juden zu wenden.

Außerdem macht nicht die Weihe einen Menschen zum Christen und Teilhaber am Priestertum aller Gläubigen, sondern die Taufe. Sie ist der grundlegende Akt, durch den Frauen und Männer die gleichen Rechte und Pflichten erhalten. Folglich ist der Umstand, dass nur Männer geweiht werden, als Verstoß gegen die Gleichberechtigung aller Christenmenschen anzusehen.

„Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass eine Frau Priester wird.“

Doch was sollen alle Forschungen, Proteste und Umfragen, wenn die Oberhirten nicht mit sich reden lassen und die Sache für sie ein für alle mal als erledigt ist. Frei nach dem Markus-Evangelium (Kapitel 10, Vers 25): „Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass eine Frau in den Kreis der Priester gelangt.“

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: