Ein Flugzeug und einen Sack voll Waffen zum Schmuggeln – mehr braucht Barry Seal (Tom Cruise) nicht, um glücklich zu sein. Foto: Universal

Tom Cruise spielt mal wieder einen netten Schurken. Im Kinoneustart verkörpert er den Piloten Barry Seal, der des reinen Nervenkitzels wegen Drogen für ein Kartell und Waffen für die CIA schmuggelt. Das alles basiert auf einer wahren Geschichte.

Stuttgart - Dass sich Barry Seal langweilt in seinem Job als TWA-Pilot, ist unschwer zu erkennen: Als während eines ruhigen Langstreckenflugs fast alle Passagiere schlafen, provoziert er kurz mal eine Turbulenz. Barry freut sich diebisch über das Erschrecken. Bald gestaltet er seine Arbeit durch den Schmuggel kubanischer Zigarren spannender. Das fällt der CIA auf, die Straffreiheit bietet, falls Barry aus der Luft die Standorte der Sandinisten in Nicaragua fotografiert.

Doug Liman („Die Bourne-Identität“, „Edge of Tomorrow“) hat diese irrwitzige wahre Geschichte nun in „Barry Seal – Only in America“ aufbereitet, in seiner zweiten Zusammenarbeit mit Tom Cruise, der sich erneut augenzwinkernd als zwiespältiger Held versucht. Nicht, dass Barry unsympathisch wäre - er verfügt über großen Charme und liebt seine Familie. Allerdings scheint ihm jede Moral abzugehen, wenn er für das Medellin-Kartell um Pablo Escobar Drogen in die USA schmuggelt und für die CIA Geld und Waffen nach Lateinamerika. Nie ist sein Antrieb Gier oder Bosheit. Der Adrenalinjunkie hat nur den Ehrgeiz, auch schwierige Jobs gut zu erledigen. Er ist „der Gringo, der liefert“.

Mehr Geld als die Banken fassen

Barry liefert vom Ende der siebziger bis Mitte der achtziger Jahre und wird einer der reichsten Männer der USA. Das Geld hortet er bei fünf Banken, aber auch bar in Koffern, Hutschachteln, Taschen und vergraben im Garten seines Hauses im ländlichen Arkansas. Es passiert immer wieder, dass beim Öffnen eines Schranks die Banknoten nur so auf ihn herniederregnen. Und da es noch keine Handys gibt, muss Barry seine Tätigkeiten an drei Münzfernsprechern zugleich koordinieren.

Sehen Sie hier den Trailer zum Film:

In der Synthese aus absurder Komik sowie Action- und Thrillerelementen ähnelt Limans Werk „American Hustle“: Die Fimemacher wollen selbstverständlich kritisch mit der amerikanischen Geo-Politik der jüngeren Vergangenheit, den undurchsichtigen Aktivitäten der US-Regierung während Ronald Reagans achtjähriger Amtszeit umgehen, speziell der Iran-Contra-Affäre, aber das Ganze soll auch unterhaltsam sein. Das ist es auch. Einschübe filmischer Zeitdokumente wie Interviews oder Fernsehberichte, der tolle Soundtrack und die Retro-Farbdramaturgie beglaubigen das Geschehen. Dennoch bleibt ein zwiespältiges Gefühl. Immerhin gilt Barry Seal bis heute als einer der erfolgreichsten Drogenschmuggler überhaupt. Wenn sich am Ende CIA, die US-Drogenbehörde DEA, die State Police, das FBI und die Kartelle darum zanken, Barrys habhaft zu werden, hat man einige Illusionen verloren.

Barry Seal - Only in America. USA 2017, Regie: Doug Liman. Mit Tom Cruise, Sarah Wright, Domhnall Gleeson. 120 Minuten. Ab 12 Jahren.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: