Auf einem Campingplatz in der 9500-Einwohner-Gemeinde Lüdge an der Landesgrenze zu Niedersachsen sollen über Jahre hinweg zahlreiche Kinder schwer sexuell missbraucht worden sein. Foto: dpa

Nach den zahlreichen Fällen von Kindesmissbrauch in Lügde in Nordrhein-Westfalen gibt es neue Vorwürfe gegen das Jugendamt im niedersächsischen Hameln-Pyrmont.

Hannover - Die Staatsanwaltschaft Hannover prüft einem Bericht zufolge Hinweise, wonach das Jugendamt nicht auf eine Behördenanzeige aus Nordrhein-Westfalen reagiert habe. „Ermittelt wird gegen zwei Mitarbeiterinnen des Jugendamtes“, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Hannover, Thomas Klinge, dem Politikjournal „Rundblick“. Bei dem Anfangsverdacht gehe es um die Frage, ob durch pflichtwidriges verspätetes Eingreifen körperliche Misshandlungen ermöglicht wurden, sagte Klinge.

Auf dem Campingplatz in Lügde an der Landesgrenze von Nordrhein-Westfalen zu Niedersachsen sollen über Jahre hinweg mehr als 40 Kinder schwer sexuell missbraucht worden sein. Die Anklage wirft einem 56 Jahre alten Hauptverdächtigen 298 Fälle vor. Angeklagt sind zudem ein 34 Jahre alter Komplize sowie ein 49 Jahre alter Mann, der an Webcam-Übertragungen des Kindesmissbrauchs teilgenommen haben soll. Der Prozess soll Ende Juni beginnen.

Polizei und Jugendämter stehen seit Bekannntwerden der Vorgänge in Lüdge in der Kritik. Sie sollen Hinweisen auf den Hauptverdächtigen nicht nachgegangen sein. Auch bei den Ermittlungen gab es Pannen, unter anderem sind Beweismittel verschwunden. Ein mögliches Behördenversagen wird voraussichtlich in einem Untersuchungsausschuss des Landtags untersucht.

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