Im Zimmer des Mannes hatte die Polizei umfangreiche Beweise gefunden. Foto: dpa/Uwe Zucchi

Er versteckte eine Kamera in der Sporttasche und filmte, wie er sich Kindern in den Umkleiden von Sporthallen in Leutenbach und Waiblingen nackt präsentierte: Ein 29-Jähriger muss deswegen nun ins Gefängnis.

Leutenbach/Waiblingen - Der 29-Jährige kämpft mit den Tränen, als seine Anwältin vorträgt, dass er alles gestehe. Eben hatte seine Verteidigerin beantragt, die Öffentlichkeit auszuschließen – ein Wunsch, dem das Amtsgericht Waiblingen nicht entsprach. Daher musste der Mann aus dem Rems-Murr-Kreis am Freitag öffentlich aussagen. Vorgeworfen wurde ihm sexueller Missbrauch von Kindern.

Dass er auf der Anklagebank landet, war eine Situation, die für den Mann nicht neu war: Erst im November 2018 war er zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden, weil er mehrere Male sein Auto an einem Schulweg abgestellt hatte, sich entblößte, an sich herumspielte und mit offener Autotür darauf wartete, dass Kinder ihn so zu Gesicht bekamen – was auch geschah. Das Geschehen filmte er.

Kamera in Mädchen-Umkleiden geschmuggelt

Wenige Monate nach dem ersten Urteil machte er weiter wie zuvor. Und entwickelte eine neue Masche: In einer Sporttasche schmuggelte er eine Kamera in Mädchenumkleiden und versteckte sich. Sobald Kinder dazukamen, täuschte er vor, sich umzuziehen, um sich nackt zu zeigen. Betroffen waren die Rems-Murr-Halle und die Sporthalle „Ob den Gärten“ in Leutenbach sowie die Gemeinde- und Sporthalle in Waiblingen-Hohenacker. Hier flog der Mann auf, weil Kinder die Begegnungen mit dem teilweise bekleideten Mann ihrer Betreuerin meldeten.

Kurz darauf durchsuchte die Polizei das Zimmer des 29-Jährigen, der noch bei seinen Eltern wohnte. Auf sichergestellten Datenträgern fanden sich die Videos, die er selbst gedreht hatte. Die Clips hatte er so bearbeitet, dass jene Szenen, in denen die meist unbekannten Kinder ihn im Auto erblickten, in Zeitlupe abliefen. So waren die Reaktionen noch deutlicher sichtbar. „Ein Mädchen bekam einen regelrechten Würgereiz“, sagte ein Polizist.

Kinderpornos entdeckt

Doch damit nicht genug: Die Polizei entdeckte auf USB-Sticks mehr als 600 Bilder und Videos mit kinder- und jugendpornografischem Inhalt, die der 29-Jährige sich vermutlich aus dem Internet heruntergeladen hatte. Teilweise war darauf zu sehen, wie Kinder im Vorschulalter auf verschiedene Weisen vergewaltigt werden.

Die Polizei geht davon aus, dass von den Aktionen des 29-Jährigen etwa 50  Kinder direkt betroffen waren. In einem Fall hatte er sich im Auto vor einer Gruppe von gut 20 Kindern entblößt.

Der 29-Jährige selbst hat nie versucht, die Kinder anzufassen, zudem waren die Opfer in seinen eigenen Videos nie nackt zu sehen. Laut einem Polizisten und der Trainingsleiterin hatten zumindest die Kinder aus den Sporthallen den Missbrauch auch nicht als solchen mitbekommen. Damit die Kinder nicht nachträglich traumatisiert würden, luden die Behörden, der betroffene Verein und die Gemeinde die Eltern zu einem Infoabend ein, sobald die Vorfälle bekannt wurden.

Therapie als einziger Weg

„Kinder sind tabu“, redet der Richter Martin Luippold dem 29-Jährigen ins Gewissen. Auch wenn der Mann nie Hand an seine Opfer gelegt habe, sei er mit den Aufnahmen in deren höchstpersönlichen Lebensbereich eingedrungen. Und die Kinder auf den heruntergeladenen Bildern und Videos seien aktiv missbraucht worden: „Solche Aufnahmen entstehen, weil es einen Markt dafür gibt.“ Da der Mann seine Bewährung gebrochen hat, muss er nun für vier Jahre ins Gefängnis. „Viel höher kann ein Amtsgericht nicht gehen“, betont Luippold. Eine Therapie sei der einzige Weg für den Mann – und eine Chance auf vorzeitige Entlassung.

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