Vergangenes Wochenende hat die Gruppe in einem Schullandheim geprobt. Foto: z

Der Akkordeon- und Handharmonika-Club Sielmingen veranstaltet ein Theaterstück, bei dem Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam auf der Bühne stehen.

Sielmingen - Das Kindertheaterstück des Akkordeon- und Handharmonika-Clubs Sielmingen (AHC) hat eine lange Tradition. Die diesjährige Aufführung ist für die Veranstalter aber etwas ganz besonderes. Es ist ihr erstes integratives Theaterstück. Menschen mit und ohne Behinderung werden am nächsten Wochenende gemeinsam auf der Bühne stehen.

„Wir sind eine Gruppe, in der keiner eine Extrawurst bekommt“, erzählt Nadine Kraiß. Alle Teilnehmer werden gleich behandelt, jeder wird akzeptiert, wie er ist. Damit setzt der AHC das um, was laut UN-Menschenrechtskonvention eigentlich in allen Lebensbereichen umgesetzt werden soll: Inklusion, die selbstverständliche Teilhabe von Menschen mit Behinderung.

Nemo hat selbst eine kleine Behinderung

Nadine Kraiß kennt sich mit dem Thema aus. Sie studiert Sonderschulpädagogik an der Pädagogischen Hochschule in Ludwigsburg und Reutlingen. Die 23-Jährige hat selbst viele Jahre im AHC Akkordeon gespielt und bei den Kindertheaterstücken mitgewirkt. In diesem Jahr ist sie Regisseurin des Theaters, bei dem 24 Schauspieler, davon sechs mit Behinderung, mitwirken. Die jüngste Teilnehmerin geht in die zweite Klasse, die älteste ist 49.

Als Kraiß das Skript für „Findet Nemo“, ein Stück nach dem gleichnamigen Disney-Film, schrieb, hatte sie die Idee, neben Kindern und Jugendlichen aus dem Verein auch Menschen mit Handicap aus Filderstadt und Umgebung als Teilnehmer zu integrieren. Es passt zur Geschichte, denn die Hauptfigur, der Clownfisch Nemo, hat selbst eine kleine Behinderung: eine schwächere rechte Flosse.

„Wir haben einen Teilnehmer, der spricht nicht so deutlich“, berichtet Kraiß, „er wurde aber nie ausgelacht.“ Als die Gruppe im Oktober mit den Proben begann, wurde deutlich, dass manche Hilfe brauchen. Doch die Teilnehmer helfen sich gegenseitig. Das hat die Studentin auch vergangenes Wochenende erfahren, als die ganze Gruppe zum Proben in ein Schullandheim gefahren ist. „Die Behinderungen wurden nie thematisiert“, sagt sie.

Regisseurinnen schreiben Abschlussarbeit über das Projekt

Unterstützung bei der Vorbereitung hat Kraiß von Stephanie Schuhmacher bekommen, die dasselbe Fach studiert. Die beiden schreiben über das außerschulische Projekt sogar ihre wissenschaftliche Abschlussarbeit. Ihr Schwerpunkt ist eine Wirkungsanalyse: Sie untersuchen, wie der Verein das Projekt einordnet, was die Schauspieler am Anfang gedacht und was die Menschen mit Behinderung für einen Eindruck gehabt haben.

Die Regisseurinnen sind nach dem Probenwochenende begeistert, bei den Schauspielern steigt das Lampenfieber. Die spannende Geschichte vom neugierigen Nemo, der von einem Menschen gefangen wird, woraufhin sich der besorgte Vater auf die Suche durch die Weiten des Ozeans begibt, wird mit selbst gebastelten Kulissen und Kostümen farbenfroh inszeniert. Trotz hohem Zeitaufwand hat Nadine Kraiß bei der Vorbereitung viel Spaß gehabt. Schon vor der Premiere sagt sie: „Es würde sich lohnen, so etwas wieder einmal zu machen.“

Vorhang auf Das integrative Theaterstück „Findet Nemo“ wird am Samstag, 10., und Sonntag, 11. März, jeweils um 15 Uhr in der Gemeindehalle Sielmingen, Wielandstraße 4, aufgeführt. Saalöffnung ist um 14 Uhr. Eintritt ist frei, um Spenden für die Vereinsjugend wird gebeten.
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