Die Kinderbetreuung (hier eine Gruppe im Rathaus-Innenhof) wird teurer – oder auch nicht. Foto: Patricia Sigerist

Diverse Meinungsäußerungen kurz vor der entscheidenden Gemeinderatssitzung zeigen allerdings, dass im Gegensatz zum Gesamtelternbeirat etliche Mütter und Väter durchaus Verständnis für eine angemessene Erhöhung haben.

Fellbach - Im in der Regel gut klimatisierten Großen Saal des Fellbacher Rathauses dürften am nächsten Dienstagabend doch etwas erhöhte Temperaturen herrschen. Der Grund ist nur in zweiter Linie die für kommende Woche angekündigte Hitzeperiode mit deutlich mehr als 35 Grad Außentemperatur. Vielmehr lässt die Mammutsitzung (Beobachter rechnen bis kurz vor Mitternacht) einige heiße Punkte und volle Besucherränge erwarten.

Die von der Stadtverwaltung präsentierte Orientierung an den Landesrichtsätzen sei wenig sinnvoll

Dies liegt vor allem an jenem Thema, der im Sinne des öffentlichen Interesses ziemlich an den Anfang gesetzt wurde: die geplante Erhöhung der Kinderbetreuungsgebühren. Während die Verwaltung dank ausgiebiger Argumentationsketten auf wohlwollende Kenntnisnahme samt Verabschiedung der Vorschläge hofft, weht ihr mittlerweile eine ziemlich steife Brise entgegen. Erkennbar wird dies in einem Satz, der die Position des Gesamtelternbeirats der Kindertagesstätten auf den Punkt bringt: „Die Fellbacher Elternschaft lehnt eine erneute Erhöhung der Betreuungsgebühren strikt ab.“

Um diese Haltung klarzumachen, sollen am Dienstagabend „alle Eltern, auch zukünftige Eltern, Großeltern und weitere Unterstützer eines familienfreundlichen Fellbach“ in die Gemeinderatssitzung kommen. Der Appell des Gesamtelternbeirats: „Der ganze Saal, am besten das ganze Rathaus, muss voll sein.“ Als Eltern müsse man dem Gemeinderat zeigen, dass dieses Thema „jeder Mutter und jedem Vater am Herzen liegt“.

Stattdessen sollten in Fellbach zusätzliche Ausgaben in anderen Bereichen zugunsten der Kinderbetreuung zurückgefahren werden

Die Reaktion ist die Folge eines Treffens mit Vertretern der Stadt Anfang Juni, in dem es um die vorgesehene Anhebung der Betreuungsgebühren ab Oktober dieses Jahres geht. Entsprechend der Info des Gesamtelternbeirats geht es etwa bei Kindern bis drei Jahren beispielsweise bei 30 Betreuungsstunden um 36 Euro zusätzlich im Monat, bei 50 Stunden um 75 Euro. Bei den älteren Kindern sind es plus 18 Euro beziehungsweise plus 37 Euro. Auch die Gebühren für die Schülerhortbetreuung sollen ansteigen.

In ihrem Statement weist der Gesamtelternbeirat auch die von OB Gabriele Zull und Sozialdezernent Johannes Berner formulierten Begründungen für die vorgesehene Gebührenerhöhung zurück. Die von der Stadtverwaltung präsentierte Orientierung an den Landesrichtsätzen sei wenig sinnvoll, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf werde durch diese „geplante drastische Steigerung der Beiträge“ nicht ausreichend unterstützt, eine Gebührenerhöhung sei „gesellschaftlich und politisch rückwärtsgerichtet“. Stattdessen sollten in Fellbach zusätzliche Ausgaben in anderen Bereichen zugunsten der Kinderbetreuung zurückgefahren werden.

Eine komplette Ablehnung der Verwaltungsvorschläge sei nicht gerechtfertigt

Die vermeintliche eindeutige Haltung des Fellbacher Gesamtelternbeirats ist allerdings nicht ganz so einheitlich wie gedacht. Etliche Mütter und Väter in Fellbach nehmen nämlich Abstand von der „sehr einseitigen Sichtweise“ des Elternbeirats. Aus ihrer Sicht „existieren noch andere Meinungen in Fellbach“. Allerdings habe beim Treffen des Gesamtelternbeirats mit der Verwaltung eine „negative Stimmung“ geherrscht, „andere Meinungen wurden nicht gutgeheißen“.

In ihrer Erklärung loben diese Eltern stattdessen die „sehr anschauliche Präsentation“ der Verwaltung, wodurch der „horrende Anstieg der Kinderbetreuungskosten in den letzten Jahren und die daraus resultierende Belastung für den Gesamthaushalt der Stadt“ deutlich geworden sei. „Viele Eltern haben dadurch erkannt, dass diese Zahlen nicht zu ignorieren sind“, heißt es in dem Schreiben, das von Sabine Heß und weiteren acht Müttern unterschrieben wurde.

Aus diesem Grund zeigten diese Eltern Verständnis für die Argumentation der Stadt zur Gebührenerhöhung in den Kitas. Eine komplette Ablehnung der Verwaltungsvorschläge sei nicht gerechtfertigt, viele Eltern seien bereit, „eine angemessene Gebührenerhöhung mitzutragen“. Schließlich seien viele Eltern mit der Situation der Kinderbetreuung in Fellbach „sehr zufrieden, da diese sich in den letzten Jahren kontinuierlich verbessert hat“.

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