Das Haus am Eugensplatz bietet viel Raum für Eltern und Kinder. Foto: Lichtgut/Willikonsky

Das Kinderschutz-Zentrum hat sich enorm vergrößert: Es ist an den Eugensplatz in ein komplett saniertes, denkmalgeschütztes Gebäude umgezogen. Hinter dem Haus wird demnächst ein Therpiegarten angelegt.

Stuttgart - Eltern und Kinder wissen das Gebäude am Eugensplatz zu schätzen: „So ein schönes Haus. Das hören wir jetzt oft“, freut sich die Karin Gäbel-Jazdi, die geschäftsführende Leiterin des Kinderschutzzentrums. Anfang November zog das Team mit 20 Hauptamtlichen sowie weiteren Honorarkräften aus den viel zu eng gewordenen Räumen in der Pfarrstraße in das neue, denkmalgeschützte Domizil in der Alexanderstraße 2 um. Am 9. März war die feierliche Eröffnung, bei der sich die Gäste auch über die Geschichte des liebevoll gestalteten Gebäudes informieren konnten. Auf drei Stockwerken können Kinder und Eltern nun das breit gefächerte Beratungs- und Therapieprogramm in freundlichen Räumen nutzen.

Helfen statt strafen

Schon die Allerkleinsten gehören zur Klientel. Sie haben eine Matrazenlandschaft mit Babyspielzeug erhalten. Dort werden Mütter beraten, die vom Jugendamt oder einem der freien Träger der Kinder- und Jugendhilfe überwiesen wurden, weil der Verdacht besteht, dass der Säugling vernachlässigt wird. Unter der Prämisse „helfen statt strafen“ werden Eltern gestärkt, damit sie Verständnis für ihre Kinder entwickeln und diese gewaltfrei aufziehen können. „Unser Ziel ist die Sicherung des Kindeswohles“, betont Karin Gäbel-Jazdi. „Das erreichen wir, indem wir dazu beitragen, dass die Kinder ihre nächsten physischen und psychischen Entwicklungsschritte gehen können.“ Hierfür finden sich im gesamten Haus Handpuppen, einfache Musikinstrumente, jede Menge Schleich-Tierfiguren und eine Malwerk­statt – allesamt Hilfsmittel, mit denen es den Kindern gelingen kann, ihre Probleme auszudrücken.

Die Aufgaben des Kinderschutzzentrums seien seit seiner Gründung 1989 enorm gestiegen, bekräftigte die Geschäftsführerin. Dass es jetzt an so prominenter Stelle in das 600 Quadratmeter große Mehrfamilienhaus mit angrenzendem Garten einziehen konnte, war nur möglich, weil sich neben der Stadt als Eigentümerin zahlreiche Stiftungen und private Geldgeber beteiligt hatten. Die Renovierung hat stolze 3,7 Millionen Euro gekostet.

„Es war eine Bruchbude“, anders könne sie es nicht ausdrücken, sagte die Bürgermeisterin für Jugend und Bildung, Isabel Fezer. „Es hat einem in der Seele weh getan, was in diesem Haus an Schätzen kaputt gemacht wurde.“ Das Mietshaus war 1888 bei der Gestaltung des Eugensplatzes von den Architekten Adolf und Carl Eckert für den Weinhändler Heinrich Schindler gebaut worden. Seit den 1980er Jahren war es an Wohngemeinschaften und an den Körperbehindertenverein vermietet gewesen. 2013 hatte die Suche nach einer Bleibe für das Kinderschutzzentrum begonnen, und der damalige Leiter des Jugendamtes und Stiftungsratsvorsitzende der Stiftung Kinderschutzzentrum, Bruno Pfeifle, hatte sich engagiert dafür eingesetzt, dass dieses Gebäude seine jetzige Bestimmung erhalten solle. „Ihm gebührt der größte Dank“, betonte Karin Gäbel-Jazdi.

Kinderschutz bekommt neue Herausforderungen

Pfeifles Nachfolgerin beim Jugendamt und somit auch als Vorsitzende des Stiftungsrates ist Susanne Heynen. Sie sieht die neuen Räume in verkehrsgünstiger Lage an der Haltestelle Eugensplatz als Basis für eine gute Kinderschutz-Arbeit. In den 29 Jahren seit der Gründung seien zum Schutz der Kinder zahlreiche Partnerschaften mit anderen Einrichtungen geschlossen worden: in der Hilfe bei häuslicher Gewalt, bei den frühen Hilfen, bei der therapeutischen Frühintervention sowie bei der Fachberatung und Supervision. Der Geschäftsführer der Bundesarbeitsgemeinschaft der Kinderschutzzentren, Arthur Kröhnert, verwies auf neue Herausforderungen durch die digitalen Medien. Sie bewirkten eine steigende Kommunikations- und Beziehungslosigkeit. Eine weitere Gefahr bestehe darin, dass Daten von Kindern gesammelt würden: „Kinderschutz geht nicht ohne Datenschutz.“

Das 1000 Quadratmeter große Grundstück hinter dem Gebäude wird demnächst als Kindertherapie-Garten gestaltet. Isabel Fezer würdigte den neuen Ort für das Kinderschutzzentrum auch als Zeichen der Wertschätzung seitens der Stadt: „Besser“, sagte die Bürgermeisterin, „ geht es nicht.“

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