Das Kinderheim in der Kernerstraße gleicht einer Büroimmobilie. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Kleine Kinder sind im städtischen Notaufnahmeheim nicht so gut geschützt wie gewünscht. Der Warnung aus zwei Ämtern sollte die Stadtverwaltung Gehör schenken, meint Redakteurin Barbara Czimmer

Stuttgart - Wenn ein Kind Schutz braucht, ist die Stadt zum Handeln verpflichtet. Doch wohin mit den Schützlingen, wenn keine Pflegefamilie mehr Kapazitäten hat? Oder sich den Herausforderungen nicht stellen kann, die ein behindertes oder chronisch krankes Kind mit sich bringt? Das Jugendamt bringt Kleinkinder im Heim in der Kernerstraße nur im Notfall unter – doch die häufen sich.

Ursache sind nicht nur die wachsende Zahl an Kindeswohlgefährdungen und die damit einhergehenden steigenden Schutzmaßnahmen. Ein Paradigmenwechsel in der Jugendhilfe vor zwölf Jahren führte zudem zum heutigen Engpass. Damals wurde das Eduard-Pfeiffer-Haus in der Geißeichstraße verkauft, weil der Bedarf gesunken war und man mehr als bisher mit freien Trägern kooperieren wollte, die Kinder in ihrem Sozialraum begleiten und betreuen sollten. Heute sind die Probleme allerdings oft so komplex, dass es keine Alternative zur Inobhutnahme gibt.

Auf Hilferuf hören

Zeitgleich warb das Jugendamt um neue Pflegefamilien, wurde damals aber kaum erhört – auf knappen Wohnflächen sind Familien eben kaum flexibel.

Dem Warnruf der Abteilungsleiter aus dem Jugend- und Gesundheitsamt muss die Stadt dankbar sein und ihm folgen, bevor Kinder aus dem Notaufnahmeheim selbst zum Kinderschutzfall werden. Um die Renovierung des Gartens mussten die Mitarbeiter jahrelang bitteln und betteln. Auf den Hilferuf des Jugendamts reagiert die Stadt nun hoffentlich schneller.

barbara.czimmer@stzn.de

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