So makellos bleiben Kinderzähne später nur, wenn sie von kleinauf gepflegt werden Foto: dpa

Die gesündesten Zähne haben Kinder aus Botnang, Degerloch und Birkach. Das belegt der Kindergesundheitsbericht der Stadt. Und er zeigt auf, in welchen Stadtteilen noch viel für das Gedeihen von Kindern getan werden muss.

Stuttgart - Stadträten liegt Kritik normalerweise näher als Zuspruch, doch im Sozialausschuss waren sie des Lobes voll. „Hervorragend“, „gut“, „sehr hilfreich“ waren gängige Attribute, mit denen der Kindergesundheitsbericht 2015 bedacht wurde. Er führt erstmals Daten zur Gesundheit, sozialen Lage und medizinischen Versorgung von Kindern in Stuttgart in einem Atlas zusammen und erlaubt einen Vergleich. Er soll der Verwaltung künftig als „Nachschlagewerk“ bei Planungen im Stadtteil dienen.

Die Basisdaten hat das Gesundheitsamt bei 24 448 Kindern und fünf Jahrgängen bei der Einschulungsuntersuchung ermittelt. Sie ist laut Schulgesetz des Landes Baden-Württemberg für alle Kinder verpflichtend, die bis zum 30. September das vierte Lebensjahr vollendet haben.

Einem Viertel fehlen Vorsorgeuntersuchungen

Folgende Indikatoren für Kindergesundheit wurden dokumentiert: die Vollständigkeit der Vorsorgeuntersuchungen, das Gewicht, die Vollständigkeit der Impfungen, die Zahngesundheit, die Sprachentwicklung, die grobmotorische Entwicklung und die Möglichkeiten, die zur Bewegung gegeben sind. Die Arbeitsgruppe Sozialmonitoring lieferte zudem Daten zur sozialen Lage der Kinder.

Erstaunlich ist beispielsweise, dass rund ein Viertel aller Vierjährigen nicht bei allen Früherkennungsuntersuchungen (U 2 bis U 8) waren. In manchen Stadtteilen lag der Anteil der vollständig ausgefüllten Vorsorgeheftchen bei unter der Hälfte bis hin zu lediglich 37 Prozent. Dazu gehören Quartiere wie die Neckarvorstadt, das Gebiet Veielbrunnen, Berg, Heilbronner Straße und das Gebiet rund ums Rathaus. Absolut vorbildlich verhalten sich hingegen Eltern aus Rohr, Vaihingen-Mitte, Vaihingen-Höhenrand, Heerstraße, Dachswald, Weinsteige und Feuerbach-Lemberg/Föhrich.

Das Übergewicht bei Kindern schon im Kita-Alter hingegen scheint zu schmelzen: von ehemals 10,5 Prozent an Übergewichtigen zum Zeitpunkt der Einschulungsuntersuchung sank die Rate seit 2009 auf 8,6 Prozent im Jahr 2014. Dennoch gibt es Stadtbezirke, in denen zu dicke Kinder noch deutlich öfter zu finden sind: Neckarvorstadt, Berg, Veielbrunnen, Botnang-Nord und Rot.

Etliche Familien sind lärmgeplagt

Sowohl beim Übergewicht als auch bei den lückenhaften Früherkennungsuntersuchungen ist erkennbar, dass die Problemgebiete in Quartieren liegen, die als soziale Brennpunkte bekannt sind oder als Wohngebiete von Sozialhilfeempfängern oder Alleinerziehenden. Als besonderer Punkt kommt hinzu, dass in dem Atlas die Lärmbelastung aufgeführt ist. Auch dort gibt es Überschneidungen mit Daten zu Wohnorten von Familien: In Hedelfingen beispielsweise müssen 15 bis 28 Prozent der Einwohner einen Lärm größer als 55 Dezibel bei Nacht ertragen; dort leben in rund 5,5 Prozent der Haushalte Familien mit Kindern zwischen drei und sechs Jahren. Auch die Neckarvorstadt mit überdurchschnittlich vielen Familien mit Kindern dieses Alters (15 Prozent), ist überdurchschnittlich lärmgeplagt.

Als Kostenfaktor späterer Jahre gilt ein schlechtes Gebiss. Deshalb wurde auch dokumentiert, wie viele Sechs- bis Siebenjährige ein sogenanntes „naturgesundes Gebiss“ haben, also keine zerstörten, fehlenden oder gefüllten Zähne. Die Stadtbezirke Degerloch, Birkach und Botnang liegen deutlich über dem Mittelwert (57,4 Prozent), während Wangen am schlechtesten abschneidet (41,3 Prozent).

Die Stadträte im Sozialausschuss haben quer durch alle Fraktionen angeregt, den Atlas auch in anderen Ausschüssen, vor allem in dem für Umwelt und Technik, zu Rate zu ziehen. Außerdem bedauerten alle Fraktionen, dass die Datensammlung nicht fortgeführt wird bis ins Jugendalter. Nur, wenn man die Daten der Kinder über Jahre verfolge, könne man eine Wirkungsanalyse wagen. Dafür hatte der Gemeinderat bisher nur einmal Geld bereit gestellt, seither nicht mehr.

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