Nicht nur in Stuttgart herrscht in den Kitas Personalmangel. Foto: Patricia Sigerist

Betreuung in der Kita ist selbst für diejenigen, die einen Platz ergattert haben nicht mehr sicher. Redakteurin Barbara Czimmer fordert von der Stadt einen offenen Umgang mit dieser Wahrheit.

Stuttgart - Es ist ein Hase-und-Igel-Spiel: Der Gemeinderat gibt alles, doch am Ende hinkt die Stadt den Ansprüchen hinterher. 53,6 Millionen Euro investiert die Stadt bis zum Jahr 2022 in den Aus- und Umbau der Kita-Plätze. Mehr war noch nie, und doch verharrt die Zahl der Kinder ohne Kita-Platz auf hohem Niveau.

Die Stadt kämpft im Gegenwind. Eine Ausbildung ohne Vergütung, hohe Lebenshaltungskosten und niedrige Einkommen halten viele Erzieherinnen davon ab, in dieser Stadt zu arbeiten. In der Folge stehen Kitas leer, Eltern müssen mit eingeschränkten Öffnungszeiten zurecht kommen. Sie sind Leidtragende einer seit Jahren verfehlten Politik.

Betreuung aufteilen

Welch Luxus war das doch, als sich Eltern und Politiker noch wegen der Qualität der Kinderbetreuung die Köpfe heiß redeten! Heute ist es Luxus, als Berufstätige(r) rechtzeitig zu wissen, erstens, ob und wann man rechtzeitig einen Kita-Platz bekommt, und zweitens, ob das Kind wirklich bis nach Feierabend dort bleiben kann.

Gewiss, die Stadt hat den Personalmangel nicht verursacht, aber sie sollte offensiver mit der Wahrheit umgehen. Sie muss jungen Familien deutlich machen, dass die Betreuungssituation und die Vereinbarkeit zwischen Beruf und Familie instabil geworden sind. Sie sollte sie nicht in der trügerischen Sicherheit wiegen, dass ein ergatterter Platz mit verlässlicher Betreuung gleichzusetzen ist.

Dann hätten die Eltern auch die Chance, die Betreuung ihrer Kinder auf mehrere Schultern zu verteilen. Und die Väter und Mütter ergreifen vielleicht eher die ausgestreckte Hand der Stadtverwaltung und stimmen der vorübergehenden Betreuung mit weniger Fachkräften zu. Es soll ja nicht für immer so bleiben.

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