Der Fachkräftemangel ist ein Grund, warum nicht alle Kinder einen Betreuungsplatz bekommen. Die Stadt versucht, dem mit verschiedenen Maßnahmen zu begegnen. Foto: P. Sigerist

Die Stadt will die Betreuung für Kinder von null bis sechs Jahren ausbauen. In den Filderbezirken sollen insgesamt 688 neue Plätze für Kleinkinder und 268 Plätze für Kinder von drei bis sechs Jahren geschaffen werden.

Filder - Auf dem Papier sehen die Zahlen gut aus. Für die 445 in Degerloch lebenden Kinder zwischen drei und sechs Jahren stehen in der Theorie 535 Plätze zur Verfügung, das entspricht einer Versorgungsquote von 120 Prozent. Für die 694 Drei- bis Sechsjährigen in Sillenbuch gibt es 841 Plätze (121 Prozent). Die Versorgungsquote bei den Drei- bis Sechsjährigen liegt in Möhringen bei 112 Prozent, auf die 886 Kinder entfallen 996 Plätze. Damit liegen die Bezirke noch über dem stadtweiten Durchschnitt von 104,8 Prozent.

Rein rechnerisch stehen also mehr Betreuungsplätze zur Verfügung als es Kinder gibt. Das ist dem Sachstandsbericht Kindertagesbetreuung in Stuttgart 2016 des Referats Jugend und Bildung zu entnehmen. Es beinhaltet die Zahlen der Kinder zum Stand 31. Dezember 2015 und die Zahlen der Betreuungsplätze zum Stand 1. März 2016. Aktuellere Zahlen werden derzeit erfasst und in den anstehenden Jahresbericht eingearbeitet.

Fachkräftemangel plagt die Kinderbetreuung

Doch in der Realität steigt die Nachfrage nach Betreuungsplätzen für die Altersgruppe der Drei- bis Sechsjährigen, vor allem aufgrund des Zuzugs von Flüchtlingsfamilien und weil nicht alle Plätze tatsächlich betreut werden können. „Es fehlt an Fachkräften“, erklärt Heinrich Korn, der stellvertretende Leiter des Jugendamts. Zudem können manche Einrichtungen aufgrund von Baumaßnahmen derzeit nicht alle Plätze belegen.

In Vaihingen lebten zum Stichtag 1255 Kinder zwischen drei und sechs Jahren, für sie standen in der Theorie 1266 Betreuungsplätze zur Verfügung, das entspricht noch einer Quote von 101 Prozent. In Birkach und Plieningen sind die Zahlen etwas schlechter. Für die 355 Kinder von drei bis sechs stehen in Plieningen 316 Plätze zur Verfügung (89 Prozent). Bei den Drei- bis Sechsjährigen in Birkach stehen für 81 Prozent der 207 Kinder Betreuungsplätze zur Verfügung, das sind 168 Plätze.

Zu wenige Plätze für Kleinkinder

Bei den Null- bis Dreijährigen ist die Betreuungsquote dagegen deutlich niedriger. Die Filderbezirke liegen in der Altersgruppe noch unter dem städtischen Durchschnitt von 42,6 Prozent. Für die 1184 Kinder unter drei Jahren gibt es in Vaihingen 484 Betreuungsplätze, das entspricht einer Quote von 41 Prozent. Den 926 Kindern von null bis drei stehen in Möhringen 364 Betreuungsplätze gegenüber (39 Prozent). Ebenfalls 39 Prozent der Kleinkinder in Degerloch haben auf dem Papier einen Betreuungsplatz, auf die 451 Kinder entfallen 175 Plätze. In Sillenbuch gibt es 622 Kinder zwischen null und drei Jahren. Für 205 von ihnen stehen Betreuungsplätze zur Verfügung (33 Prozent). In Birkach sind es 43 Plätze für 138 Kinder (31 Prozent).

Das Schlusslicht auf den Fildern ist Plieningen. Dort stehen lediglich für 29 Prozent der Kinder von null bis drei Betreuungsplätze zur Verfügung. Dort leben 332 Kleinkinder, auf die lediglich 96 Plätze entfallen. Das Versorgungsziel der Stadt sind allerdings 61 Prozent. „Im Kleinkindbereich hinken wir hinterher“, sagt Korn. Auch hier ist der Fachkräftemangel ein großes Problem. „Wir versuchen, diesem mit einer Reihe an Personalgewinnungsmaßnahmen zu begegnen“, sagt Korn. Dazu zählen mehr als 100 Ausbildungsplätze, die die Stadt geschaffen hat, sowie das Anwerben von Fachkräften aus dem Ausland. „Damit haben wir nur gute Erfahrungen gemacht. Wir haben hoch motivierte und gut ausgebildete Leute bekommen“, so Korn.

956 neue Plätze für die Filderbezirke geplant

Mit der Umsetzung der Haushaltsbeschlüsse von 2010/11 bis 2016/17 und einer aktuellen Gemeinderatsvorlage werden die Betreuungsangebote in Stuttgart angepasst. Sowohl freie als auch städtische Träger haben entsprechende Anträge gestellt. Einige Vorhaben sind bereits beschlossen und sollen in den kommenden Jahren umgesetzt werden. In den Filderbezirken sind insgesamt 688 Plätze für Kinder unter drei Jahren und 268 Plätze für Kinder zwischen drei und sechs Jahren bereits beschlossen.

Spitzenreiter ist Vaihingen. Dort werden allein 288 Plätze für die Unter-Dreijährigen und 228 Plätze für die Drei- bis Sechsjährigen realisiert. In Sillenbuch und Möhringen werden dagegen insgesamt 33 Plätze im Bereich der Drei- bis Sechsjährigen abgebaut, entweder wegen der Umstellung auf den Ganztagsbetrieb, oder weil sie in die dringend benötigten Kleinkindplätze umgewandelt werden.

Einrichtungen bauen ihr Angebot aus

Die katholische Kirchengemeinde Mariä Himmelfahrt an der Reutlinger Straße in Degerloch etwa wird im kommenden Jahr 20 statt bislang zehn Kinder von drei bis sechs Jahren betreuen. Fünf Plätze für Unter-Dreijährige entfallen dafür. Fünf neue Plätze für Kinder von null bis drei Jahren wird es dafür im evangelischen Kindergarten an der Wurmlinger Straße geben. Die städtische Einrichtung an der Großen Falterstraße nimmt künftig zehn Kinder unter drei und 40 Kinder von drei bis sechs Jahren auf.

Die städtische Kita an der Krehlstraße in Vaihingen wird künftig insgesamt 60 Kinder zwischen drei und sechs betreuen. Dafür entfallen zehn Plätze bei den Unter-Dreijährigen. Die Johanniter-Unfall-Hilfe wird im kommenden Jahr in Möhringen an der Trochtelfinger Straße eine weitere Gruppe mit neun Plätzen für Null- bis Dreijährige schaffen. Bei der Betreuung für Drei- bis Sechsjährige kommen zehn Plätze dazu. Das katholische Stadtdekanat bekommt für seine Einrichtung an der Fanny-Leicht-Straße in Vaihingen eine weitere Gruppe für Null- bis Dreijährige mit zehn Plätzen.

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