Vor dem Unterricht ist Evarlyne Foto: dpa

In Kenia ist es nicht selbstverständlich, dass Mädchen zur Schule gehen

Nairobi - W ie schön es doch wäre, wenn ich nicht in die Schule müsste!“ So hast du vielleicht auch schon mal gedacht, wenn du gerade gar keine Lust auf Unterricht hattest. Evarlyne kämen solche Gedanken wahrscheinlich komisch vor, denn das 15-jährige Mädchen aus Kenia ist froh, dass sie überhaupt zur Schule gehen kann. In ihrem Land, das im Osten von Afrika liegt, ist das alles andere als selbstverständlich. Die meisten Kenianer sind sehr arm. Oft können sie sich die Schulgebühren für ihre Kinder nicht leisten. In Deutschland, wo die Leute viel mehr Geld haben, sind staatliche Schulen für alle kostenlos.

Außerdem gibt es in Kenia nur wenige Schulen – besonders auf dem Land. „Ich muss ungefähr eine Stunde laufen, um die Schule zu erreichen“, erzählt Evarlyne. Eng gedrängt sitzt die Achtklässlerin mit anderen Schülern auf einer Bank. Auf dem kleinen Tisch ist kaum Platz für Schulbücher. Außer einer Kreidetafel an der Wand ist das Klassenzimmer karg eingerichtet. Wie es in Kenia üblich ist, trägt sie eine Schuluniform: ein blaues Kleid mit einem karierten Kragen und Flip-Flops, denn in Kenia ist es meistens heiß.

Oft übernachtet Evarlyne mit anderen Schülern in der Schule, damit sie nicht im Dunkeln heimlaufen muss. Das findet das Mädchen aber gar nicht so schlecht, denn zu Hause gibt es keinen Strom – und damit auch kein elektrisches Licht, um die Hausaufgaben zu machen. Evarlyne gehört den Massai an. Das ist eine Volksgruppe in Afrika, die vor allem im Süden Kenias lebt. Viele Massai leben noch sehr traditionell. Sie halten Rinder und wohnen in Lehmhütten. Noch immer ist es unüblich, dass Massai studieren oder Jobs außerhalb ihres Dorfes haben. Und Mädchen müssen meist sehr früh heiraten. Trotz dieser Hürden geht Evarlyne sehr gerne in die Schule, denn das Mädchen hat große Ziele: „Ich will Anwältin werden, damit ich Menschen helfen kann“, erklärt sie. Ob sie das schaffen wird, ist aber nicht sicher, denn eine weiterführende Schule ist teuer – und ihre Familie hat nur wenig Geld.

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