Jeder der zehn Schauspieler hat zwei Rollen: eine deutsche und eine indische. Foto: factum/Weise

Die Böblinger Kunstschule kooperiert mit einer Theaterpädagogin aus Indien. Das Ergebnis: eine Premiere.

Böblingen - Weg, nur weg – das wollen zehn Kinder. Ein Mädchen hat Probleme, weil sich seine Eltern trennen. Es soll entscheiden, ob es künftig bei der Mutter oder dem Vater leben möchte. Ein Junge hat sein Handy verloren. Teuer war es, und die Eltern haben es sich vom Mund angespart. Nun traut er sich nicht mehr nach Hause. Die Lösung: abhauen.

Am Bahnhof haben sich die Ausreißer verabredet und diskutieren, wohin die Reise gehen soll. Dort treffen sie auf eine seltsame Frau, die sie einlädt, mit nach Bangalore zu reisen. Aber ohne Rückfahrkarte.

Ein eigenwilliges Theaterstück dieses Inhalts haben die elf- bis 13-jährigen Mitglieder der Jugendgruppe  I der Böblinger Kunstschule entwickelt. Gemeinsam mit ihrer Leiterin Prisca Maier-Nieden und Samta Shikhar. Diese ist Theaterpädagogin in Indien. Im Mai war sie für einen Monat auf Einladung der Stadt in Böblingen. Es war ihr zweiter Besuch, denn die Böblinger Kunstschule pflegt einen Austausch mit einer Theaterschule in Bangalore. Samta Shikhar kam nicht mit leeren Händen. Sie brachte einen 2000 Jahre alten, in ihrer Heimat sehr bekannten Mythos mit. „Ramayana“ ist eine Geschichte vom Verlassen und Verlassenwerden, von drei jungen Leuten, die in den Dschungel ziehen.

Verständigung mit Händen und Füßen

Intensiv beschäftigten sich die Böblinger Kinder mit dem Mythos. Bei einem viertägigen Workshop im Mai in einem Seminarhaus tauchten sie unter der Anleitung der indischen Theaterpädagogin tief ein in die indische Kultur. „Wir haben auch zusammen indisch gekocht und getanzt“; berichtet Meier-Nieden. Mit Shikhar und deren Mann und Tochter verständigten sie sich auf Englisch und „mit Händen und Füßen.“ Und sie verknüpften den Mythos mit ihrem eigenen Leben. „Wir haben zunächst viel improvisiert. In den Sommerferien habe ich aus diesen Improvisationen und Ideen dann ein Skript gemacht“, berichtet die Theaterchefin. „One way ticket to Bangalore“ heißt das Stück.

Die Premiere ist am Freitag um 18 Uhr im Städtischen Feierraum, Pestalozzistraße 9. Ausnahmsweise ist der Eintritt frei, ebenso bei der zweiten Vorstellung am 7. Oktober. Denn das Stück wird während der Böblinger Aktionswoche für Vielfalt gespielt. Für die weiteren drei Vorstellungen muss man sich aber ein Ticket kaufen, am besten online über die Adresse www. kunstschule-boeblingen.de.

Die indische Theaterfrau kann nicht zur Premiere kommen

Die Ideengeberin Shikhar ist längst wieder in Indien. Zur Premiere kann sie nicht extra anreisen. „Schade“ finden das die jungen Schauspieler. Doch sie werden die Aufführung für Shikhar filmen. Die Kooperation mit der indischen Theaterpädagogin möchte Prisca Meier-Nieden gerne fortführen. Interessant sei, dass trotz aller kultureller Unterschiede auch ihre indische Kollegin Wert darauf lege, Theater stets mit dem eigenen Leben zu verknüpfen.

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