Erst eine Hundemarke macht Bello zum legalen Hund. Foto: Sigerist

In der Gemeinde Kernen werden erstmals die Hunde gezählt. Die Bestandsaufnahme soll für mehr Steuergerechtigkeit sorgen. Denn erst eine Hundemarke macht Rex und Fifi zum legalen Hund.

Kernen - Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Bürgermeister Stefan Altenberger ausging, dass alle Hunde-Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die aller erste und geschah zur Zeit, da Marianne Rapp das Ordnungsamt in Kernen leitete, während in Syrien ein heftiger Krieg tobte. Und jeder Hund ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeder ins Haus seines Herrchens oder Frauchens, in seine Hütte oder sein Körbchen...

Die Zähler klingeln an den Haustüren

Hier muss die schon etwas bemühte Parallele zwischen der Erzählung im Lukas-Evangelium und der ersten Hundebestandsaufnahme der Gemeinde Kernen enden. Diese hat für den Vierbeiner und seine Besitzer keine Wanderungen an den Geburtsort zur Folge, sondern die Zähler klingeln mit einem sichtbar getragenen Ausweis ausgerüstet ab nächster Woche an allen Haus- und Wohnungstüren in Kernen. Die Firma hat sich aber ursprünglich von Norddeutschland aufgemacht, aus der Stadt, die da heißt Düren. Die Firma Springer kommunale Dienste GmbH ist nach der Kenntnis im Rathaus die einzige, die solche Bestandsaufnahmen vornimmt.

Niemand muss die Beauftragten in die Wohnung lassen

Dem Lukas-Evangelium ist nicht zu entnehmen, wie die Volkszählung im Römischen Reich um den Beginn unserer Zeitrechnung herum genau erfolgte. Laut Hauptamtsleiter Bernhard Bühler muss jedenfalls in Kernen niemand die Beauftragten in die Wohnung lassen. „Die Mitarbeiter werden den Haushaltsvorstand oder eine andere volljährige Person befragen, ob Hunde gehalten werden, wenn ja seit wann, in welcher Zahl und aus welcher Rasse“, sagt Marianne Rapp. Einen Fragebogen gibt es auch: Wenn niemand zuhause ist, wird ein Informationsschreiben eingeworfen, mit Erläuterungen zur Hundesteuer und einem Formular zur Hundesteueranmeldung.

Denn um die Hundesteuer geht es: „Viele Menschen wissen gar nicht, dass Hunde bei der Gemeinde angemeldet werden müssen“, ist die Erfahrung von Marianne Rapp. Derzeit sind etwa 500 Hunde bei der Steuerabteilung registriert. „Auch in Kernen dürfte es eine Zahl von Hundehaltern geben, die ihre Vierbeiner unversteuert mitlaufen lassen“, sagt Bühler. Während früherer Bestandsaufnahmen in Weinstadt und Remshalden seien 10 bis 20 Prozent der Hunde neu angemeldet worden.

Große Zusatzeinnahmen werden nicht erwartet

Große Zusatzeinnahmen erwarten die Beamten nicht. „Dass für alle Hunde auch Steuer bezahlt werden sollte, ist für die Gemeindeverwaltung schlichtweg eine Frage der Gerechtigkeit“, sagt Bühler. Die Hundesteuer beträgt in Kernen zwischen 108 und 216 Euro pro Tier und Jahr. 550 Euro sind für so genannte Kampfhunde fällig.

Ums Geld geht es weniger, die Hundebesteuerung soll vielmehr ein Steuerungselement sein, so sagt Bühler: „Ein Hund ist für den Besitzer eine Freude, für die Allgemeinheit eher eine Last.“ Im ersten Jahr bringt die Bestandsaufnahme gar keine Zusatzeinnahmen ein. Die Zählerfirma wird nach der Zahl der neu gemeldeten Hunde bezahlt. Sie erhält ungefähr so viel, wie die erste Jahressteuer ausmacht.

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