Gerade mal zwei Schüler sind an der Karl-Mauch-Schule angemeldet worden. Foto: Sigerist

Kaum Nachfrage nach der Werkrealschule: Nur zwei Schüler haben sich an der Stettener Karl-Mauch-Schule für die fünfte Klasse angemeldet.

Kernen im Remstal - Die Abkehr von der Hauptschule hat in Kernen ein Ausmaß angenommen, sodass dieses weiterführende Angebot im nächsten Schuljahr nicht aufrecht zu erhalten ist. Gerade mal zwei künftige Fünfklässler sind am Mittwoch und Donnerstag in Stetten an der Karl-Mauch-Schule angemeldet worden, obwohl diese dank einer Kooperation wieder den Titel Werkrealschule tragen darf und zum Mittlere-Reife-Abschluss führt.

Die Untergrenze für eine Klasse liegt bei 16 Schülern

Eine fünfte Klasse wird es in Stetten bei dieser schwachen Nachfrage nicht geben. Die Untergrenze für eine Klasse liegt in Baden-Württemberg bei 16 Schülern. Rektor Karl Bühr wollte auf Anfrage unserer Zeitung die enttäuschende Zahl der Anmeldungen nicht kommentieren und äußerte sich nicht zur Zukunft der Schule. Ob die beiden neuen Schüler in einer jahrgangsübergreifenden Klasse gemeinsam mit den derzeit 14 künftigen Sechstklässlern unterrichtet werden, oder zu einer anderen Schule wechseln, muss daher offen bleiben.

Gibt es keine Kehrtwende zeichnet sich das Aus in Stetten ab

Wenn sich der Trend weg von Haupt- und Werkrealschule nicht wieder umkehrt, zeichnet sich nach diesem Anmeldeergebnis binnen der nächsten fünf Jahre das Aus für das bisherige weiterführende Schulangebot in Stetten ab. Die Grundschule mit den Klassen 1 bis 4 besteht dagegen weiter.

Eltern bekamen keine verbindliche Grundschulempfehlung

Erstmalig hielten die Eltern bei der Anmeldung für die weiterführende Schule in diesem Jahr keine verbindliche Grundschulempfehlung mehr in Händen, sondern konnten dank einer Gesetzesänderung der grün-roten Landesregierung die künftige Schulart frei wählen. Sie entschieden sich in Kernen dazu, ihre Kinder, wenn schon nicht ins Gymnasium nach Fellbach oder Waiblingen, vor allem in die Realschule zu schicken. Die Rektorin der Rumold-Realschule, Ingeborg Nagl-Kranzinger, verzeichnete am Freitag steigende Anmeldungszahlen, mehr als die 46 im laufenden Schuljahr. Die genaue Zahl wollte sie auf Anfrage noch nicht nennen, da sich die Real­schul-Rektoren erst noch treffen und sich über Anmeldungen und Lehrerzuweisungen absprechen wollen. Im Schuljahr 2011/12 werden an der zwei- bis dreizügigen Rumold-Realschule 351 Schüler unterrichtet.

Offensichtlich hat es der Karl-Mauch-Schule für das kommende Schuljahr nichts mehr genutzt, vor kurzem eine Kooperation mit der Staufer-Grund- und Werkrealschule in Waiblingen abgeschlossen zu haben. Dorthin können die Mauchschüler nach dem Hauptschulabschluss am Ende der 9. Klasse ohne Umstände in die zehnte Klasse wechseln und die Mittlere-Reife-Prüfung ablegen. Ein durchgängiger Bildungsplan bereitet sie darauf vor.

Karl-Mauch kann nicht volles Werkrealschul-Angebot bieten

Allerdings kann die Karl-Mauch-Schule in Stetten nicht das volle Angebot der Werkrealschule ab der 8. Klasse anbieten. In dieser Schulart wählen die Schüler am Ende der 7. Klasse ein Wahlpflichtfach, das in der 8. und 9. Klasse besucht wird. Die Schüler haben die Wahl zwischen den drei Profilfächern Natur und Technik (NuT), Wirtschaft und Informationstechnik (WuI) sowie Gesundheit und Soziales (GuS). Um für die Wahlpflichtfächer genügend Schüler zu haben, sollten deshalb Werkrealschulen zwei Klassen pro Klassenstufe haben. Die Karl-Mauch-Schule kann für ihre kleinen Klassen im allgemeinen keine drei Wahlpflichtfächer mehr anbieten, was auch für die künftigen Eltern absehbar ist und das schulische Angebot weniger attraktiv macht.

Im dicht besiedelten Raum um Stuttgart gibt es dagegen attraktive Busverbindungen zu Realschulen, aber auch zu mehrzügigen Werkrealschulen in Fellbach wie in Waiblingen. Insbesondere Schüler aus Rommelshausen haben dorthin nur unwesentlich längere Wege als nach Stetten.

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