Im Testspiel gegen Drittligist SG Sonnenhof Großaspach (Joseph Claude-Gyau/re.) im Einsatz: Chinas U 21. Foto: Baumann

Rolle rückwärts: Stuttgart ist einer von drei oder vier Regionalligisten, die das umstrittene Projekt ablehnen, gegen Chinas U-20-Auswahl zu spielen.

Stuttgart - Erstens kommt es anders – und zweitens als man denkt. Der im Vorfeld bereits groß gefeierte „China-Plan“ in der Fußball-Regionalliga-Südwest ist zwar nicht gescheitert, mutiert aber zu einer abgespeckten Fassung, einer Light-Version also. Nach der Managertagung der Liga am Dienstagnachmittag in einem Hotel in Walldorf stand fest: Ja, die chinesische U-20-Auswahl wird am Spielbetrieb teilnehmen – aber erst von der Rückrunde Mitte November an; und statt den ursprünglich geplanten 19 Vereinen stehen nur 14 als Gegner bereit, wobei sich der 1. FC Saarbrücken noch eine Bedenkzeit bis zu diesem Mittwoch (16 Uhr) erbeten hat.

Neben dem Vizemeister Waldhof Mannheim, der recht frühzeitig seine Vorbehalte öffentlich gemacht hat, verzichten auch die Tus Koblenz und – überraschend – die Stuttgarter Kickers auf das Gastspiel der Chinesen und das damit verbundene, garantierte Entgelt von 15 000 Euro, wobei bei entsprechenden Mehraufwendungen sogar noch zusätzliche Mittel zur Verfügung stehen. Dabei hatten sich die Blauen – die aktuell noch Daniel Schelhorn (19) von der U 19 des VfR Aalen verpflichtet haben – zunächst durchaus wohlwollend geäußert: „Aus sportlichen Gesichtspunkten würden wir uns dem Vorschlag nicht verschließen, denn es ist an den spielfreien Wochenenden durchaus sinnvoll nach relevanten Testspielgegnern zu suchen, um vor allem Rekonvaleszenten und jungen talentierten Spielern Spielpraxis verschaffen zu können“, hieß es in einer Stellungnahme am 22. Juni, wenige Tage nachdem das Thema erstmals aufgeschlagen ist. Und in der Folge für teilweise hitzige Diskussionen zwischen Fans und Funktionären sorgte, denen Geldgier vorgeworfen wurde.

DFB lockt mit 15 000 Euro

Dem wiederum versuchte der zuständige DFB-Vizepräsident Ronny Zimmermann entgegenzutreten, in dem er nach der Sitzung in Walldorf nochmals betonte: „Der DFB wird daran nichts verdienen.“ Dennoch ist der größte Fußball-Verband der Welt dieses Thema im Nachhinein wohl mit etwas zu wenig Sensibilität angegangen, wobei der Vorwurf des FK Pirmasens (Geschäftsführer Christoph Radtke: „Wir müssen das wohl hinnehmen, aber für mich ist das purer Kapitalismus“) so auch nicht haltbar ist. Der Verein ist als Sechstletzter laut Spielordnung sportlich abgestiegen, da hätte man sich als DFB unglaubwürdig gemacht, wenn man die Liga im Nachhinein aufgestockt hätte. Aber das ist ein anderes Thema, was zeigt, dass die Liga – kein Team steigt automatisch auf – wichtigere Baustellen hat, als den Dauerbrenner mit China.

Zur Begründung für den Sinneswandel schrieben die Kickers auf ihrer Facebook-Seite. „Unsere Zusage stand unter dem Vorbehalt, dass alle Teams mit von der Partie sind. In der jetzigen, abgespeckten Version ist diese Voraussetzung nicht mehr gegeben. Auch der Spielplan war für diese Entscheidung mit ausschlaggebend.“

Der Spielplan muss warten

Demnach wären die Kickers erst am 36. und damit drittletzten Spieltag Ende April 2018 an der Reihe gewesen, wenn sich der Hype um die Chinesen möglicherweise schon gelegt hat und die Mannschaft sich im Schlussspurt der Saison auf die sportlichen Ziele konzentrieren sollte, ein so genanntes Freundschaftsspiel also eher ungelegen käme. Abgesehen davon steht der exakte Terminplan der Saison inzwischen zwar, darf aber noch nicht veröffentlicht werden, weil die Polizeibehörden diesem noch zustimmen müssen. Und wer weiß: Vielleicht hätte es selbst gegen die Gäste aus China erhöhte Sicherheitsvorkehrungen geben müssen, aus Angst vor Protesten.

Stuttgarter Kickers - Regionalliga

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