Im baden-württembergischen Hüfingen ziehen Trachtenträgerinnen an Fronleichnam 2017 während der Prozession an einem prächtig geschmückten Blumenteppich vorbei. Foto: Patrick Seeger/dpa

Fronleichnam ist in Baden-Württemberg und einigen anderen Bundesländern ein gesetzlicher Feiertag. Der Hintergrund dieses Hochfestes im Kirchenjahr der katholischen Kirche ist den meisten aber kaum noch bekannt.

Stuttgart - Da Fronleichnam immer am 60. Tag nach dem Ostersonntag stattfindet, variiert das Datum dieses Feiertags. Das Hochfest der katholischen Kirche fällt aber immer auf einen Donnerstag – in diesem Jahr auf den 31. Mai. In einigen Bundesländern wie Baden-Württemberg ist Fronleichnam ein gesetzlicher Feiertag. Im Mittelpunkt dieses Hochfestes zehn Tage nach Pfingsten steht das Abendmahl – auch Eucharistie oder Kommunion genannt.

Gegenwart Christi in den Gestalten von Brot und Wein

An Fronleichnam feiern die katholischen Christen die Gegenwart von Jesus Christus in den Gestalten von Brot und Wein in besonderer Weise gefeiert, indem eine in einem Gottesdienst geweihte Hostie in einer Monstranz (einem gottesdienstlichen Schaugefäß) in einer Prozession durch die Straßen getragen wird.

Entlang des Prozessionsweges werden Straßen und Häuser festlich geschmückt, an manchen Orten wie im Schwarzwald kennt man die Tradition großer Blumenteppiche. Die Prozession macht Station an geschmückten Altären, wo aus den Evangelien vorgelesen, Fürbitte gehalten und mit dem eucharistischen Brot der Segen erteilt wird.

Fron-Lichnam – lebendiger Leib

Das Wort Fronleichnam stammt aus dem Mittelhochdeutschen – „Fron“ bedeutet „Herr“, „Lichnam“ meint den lebendigen Leib. Die Einführung des Festes geht auf eine Vision der Augustinernonne Juliane von Lüttich (um 1191 bis 1258) zurück. Im Traum sah sie der Überlieferung zufolge den Mond, der einen sichtbaren dunklen Fleck aufwies. Sie deutete dies als Zeichen dafür, dass der Kirche ein Fest zu Ehren der Eucharistie fehle.

Bischof Robert von Lüttich führte das Fest für sein Bistum im Jahr 1246 ein. Im Jahr 1264 legte Papst Urban IV. fest, Fronleichnam am zweiten Donnerstag nach Pfingsten zu feiern. Papst Johannes XXII. (1316-1334) sorgte dafür, dass das Fest in der gesamten abendländischen Kirche gefeiert wird. Die Prozessionen entstanden in Deutschland. 1279 gilt als das Jahr der ersten Fronleichnamsprozession, die in Köln stattfand.

Fronleichnam und Protestanten

Die Protestanten empfanden das Fest lange als „gegenreformatorische Machtdemonstration“. Vor allem in konfessionell gemischten Gebieten kam es immer wieder zu Spannungen.

Seit es christliche Gemeinden gibt, wird das Abendmahl gefeiert. Als Danksagung (von griechisch „eucharistéo“) ist es eine der grundlegenden Ausdrucksformen des christlichen Glaubens. Alle Kirchen sehen in ihm eine Erinnerungsfeier an das letzte Mahl Jesu mit seinen Jüngern vor seiner Verhaftung und Kreuzigung. Allerdings wird das, was im Abendmahl geschieht, und die Weise, wie Christus gegenwärtig ist, theologisch sehr unterschiedlich gedeutet.

Gemeinschaft im Abendmahl

Die Katholische Kirche spricht von der Eucharistie, in der die Gläubigen die Kommunion empfangen (von lateinisch „communio“, Gemeinschaft). Durch die Einsetzungsworte des Priesters im Hochgebet wird das Brot zum Leib und der Wein zum Blut Christi gewandelt (die sogenannte Transsubstantiation, lateinisch für Wesensverwandlung).

Martin Luther war der Auffassung, dass Christus in Brot und Wein körperlich zugegen ist (die sogenannte Realpräsenz). Nach reformiertem Verständnis (Hulderych Zwingli, Jean Calvin) ist das Abendmahl nur ein Zeichen (Symbol) für die Gegenwart Gottes.

Die evangelischen Kirchen sprechen statt von Eucharistie von Abendmahl, um den Zusammenhang der Feier mit dem letzten Mahl Jesu deutlich zu machen. Während in der Katholischen Kirche die Eucharistie fester Bestandteil eines jeden Gottesdienstes ist, feiern Protestanten das Mahl weniger häufig, aber wenigstens einmal im Monat.

„Ich bin das Brot des Lebens“

In der Bibel wird das Brot als symbolische Nahrung verstanden, die nicht nur den Leib, sondern auch die Seele nährt und stärkt. „Ego sum panis vitae“(„Ich bin das Brot des Lebens“) sagt Jesus von sich im Neuen Testament (Johannesevangelium 6, 35). Christus, der Gesalbte, ist der Mittler zwischen Himmel und Erde, Schöpfer und Mensch, der inkarnierte Sohn Gottes, der als lebendiges Brot vom Himmel kommt.

Seinen Höhepunkt hat diese Brot-Symbolik im christlichen Abendmahl, in dem das Brot den Leib des auferstandenen Christus, das heißt seine reale Gegenwart in der Welt und die Gemeinschaft mit ihm im Abendmahl darstellt.

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