Jugendpfarrer Jörg Widmann und Stefan Bamesberger sind froh, dass es das YouCh gibt. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Das Youch startet offiziell – mit Pizza, Spielen und Gottes Segen. Am Samstag, 10. Oktober, wird das Jugendpastorale Zentrum der katholischen Kirche eröffnet. Wie will die katholische Kirche die Jugendlichen erreichen? Wir waren vorab vor Ort.

Stuttgart - Viele katholische Gemeinden tun sich schwer, Jugendliche für Kirche zu begeistern. Gerade in der Großstadt ist die Konkurrenz groß. Klassische Jugendarbeit funktioniere oft gar nicht mehr, sagt der katholische Stadtdekan Christian Hermes. Zum einen gibt es weniger junge Gemeindemitglieder als früher, um auf große Fahrten zu gehen, zum anderen sind diese meist auch nachmittags mit der Schule ausgelastet. Die jungen Leute hätten gar keine Zeit mehr. Hinzu komme der Mangel an Jugendgruppenleitern, eine Folge von G8, wie Hermes berichtet. Um eine Jugendgruppe leiten zu können, müsse man volljährig sein, die heutigen Abiturienten sind aber in der Regel 17. Hermes hat schon vor einigen Jahren erkannt, dass Handlungsbedarf besteht. Das Ergebnis ist das Youch, ein jugendpastorales Zentrum, das am Samstag, 10. September, offiziell eröffnet wird (siehe Infokasten).

Es ist das erste sichtbare Ergebnis im Rahmen der Neuordnung der Katholischen Kirche unter der Überschrift „Aufbrechen“. Spätestens 2019 soll zudem ein spirituelles Zentrum folgen in St. Fidelis im Westen. Der Name Youch kommt von den Jugendlichen – eine Kombination der englischen Wörter Youth (Jugend) und Church (Kirche). „Das Youch steht nicht in Konkurrenz zu den Gemeinden. Die Jugendarbeit in den Gemeinden wird weiterlaufen“, betont Hermes. Niemandem werde etwas weggenommen. Doch zusätzlich bekämen die Jugendlichen eine zentrale Anlaufstelle in der Stadt, die auch personell entsprechend ausgestattet ist: mit drei vollen Stellen.

Kein Erwartungsdruck, kein Leistungsdruck

Stefan Bamesberger, der bereits im Youch aktiv ist, glaubt, dass die Entscheidung richtig ist. „Wer fährt denn heute noch bei Jugendfahrten der katholischen Kirche mit, weil es die katholische Kirche ist?“, sagt der 18-Jährige. Er glaubt, dass immer die Menschen wichtig sind. „Wer zu uns kommt, merkt, dass da tolle, coole Leute sind.“ Was Bamesberger besonders anspricht: Im Youch sei jeder willkommen. Egal, wie man aussieht, welche Klamotten man trägt, wie gut man in der Schule ist. Man müsse nicht einmal katholisch sein. Und was ihm auch gefällt: „Ich kann auch mal eine Zeit lang nicht kommen. Da gibt es keinen Druck.“

Die Jugendlichen nicht mit Erwartungen, die sie nicht einhalten können, belasten – das ist auch dem Jugendpfarrer Jörg Widmann wichtig, der nun im Youch in der Landhausstraße 67 im Stuttgarter Osten sein Büro hat. „Wir nehmen die Jugendlichen,wie sie sind“, sagt der 49-jährige Ordensmann. Die Räume in der Landhausstraße, die ursprünglich eine Mesnerwohnung war, haben die Jugendlichen renoviert: Sie haben die Wände grün und weiß gestrichen, die Technik installiert, die Möbel gesucht, den Tischkicker aufgebaut. „Das ist unser Baby hier“, sagt Stefan Bamesberger. Der Abiturient hat, wie alle Jugendlichen, die sich im Youch schon länger engagieren, sogar einen Schlüssel. In einen Onlinekalender können sie eintragen, wenn sie den Raum brauchen. Partys gehen aber nicht wegen der Nachbarschaft. Samstags wird gemeinsam Fußballbundesliga geguckt, das Abo ist schon abgeschlossen.

„Wir wollen darauf antworten, was Jugendliche wollen, was ihre Bedürfnisse sind“, sagt Pater Widmann, der dem Salesianerorden angehört. Als Jugendpfarrer ist Widmann in den verschiedenen Gemeinden unterwegs und kann so auf das neue Zentrum aufmerksam machen. Er glaubt, dass es den Jugendlichen wichtig sei, zu spüren, dass hier jemand ist, der für sie da sei und Zeit für sie habe. Kürzlich hat ihn eine Jugendliche am Sonntagnachmittag angerufen: „Kann ich Dich etwas fragen zu Jesus Christus?“ Ja klar, habe er geantwortet. Und dann hätten sie über Jesus gesprochen.

„Kann ich Dich etwas fragen zu Jesus Christus?“

„Meinen Gemeindepfarrer würde ich sonntags nie anrufen, aber beim Jugendseelsorger ist das anders. Jörg kann ich immer sprechen“, sagt Bamesberger. Geplant ist, dass die drei Salesianer, die momentan noch in Obertürkheim wohnen, langfristig ins jugendpastorale Zentrum umziehen.

Zudem soll das Youch in Zukunft größer werden: Als nächstes steht die Renovierung und Umgestaltung der Kirche St. Nikolaus an, die zur Jugendkirche umgestaltet werden soll. Beide sollen sich in die Konzeption einbringen: die Gemeinde und die Jugendlichen. Stadtdekan Hermes ist gespannt auf die Vorstellungen der Jugendlichen, wie ein spiritueller Raum gestaltet sein sollte. Wahrscheinlich stehen dort am Schluss weniger Bänke. Aber Hermes ist Leben in der Kirche lieber als leere Bänke.

Adresse und Programm

Programm:
Die Eröffnung beginnt am Samstag um 15 Uhr mit einem Gottesdienst in der Kirche St. Nikolaus, Werastraße 120, den Stadtdekan Christian Hermes hält. Danach wird auf dem Kirchenvorplatz gefeiert. Die christliche Band Spotlight tritt unter anderen auf. Rund 200 Jugendliche verschiedener katholischer Verbände und Jugendorganisationen gestalten das Programm. Dazu gibt es Pizza aus dem Ofen.

Adresse:
Das Youch liegt oberhalb von der Kirche St. Nikolaus an der Landhausstraße 67. Das Jugendreferat des Stadtdekanats, der Bund der katholischen Jugend und eine Fachstelle für interkulturelle Jugendarbeit sind ebenfalls in der ehemaligen Wohnung untergebracht.

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