Rund 1000 Demonstranten gingen gegen den Auftritt der AfD auf die Straße Foto: epd

Erstmals hat das Zentralkomitee der deutschen Katholiken einen AfD-Politiker zum Katholikentag eingeladen. Dagegen protestierten in Münster rund 1000 Personen.

Münster - Einladen oder nicht einladen? Schon vor dem Katholikentag hatte es in Münster heftige Debatten darüber gegeben, ob ein AfD-Politiker zum Katholikentag eingeladen werden sollte. Die Veranstalter entschieden sich dafür, mit den kirchen- /religionspolitischen Sprechern aller im Bundestag vertretenen Parteien darüber zu diskutieren, wie sie es mit der Religion halten. Zu Beginn der Diskussion entrollten Demonstranten ein Transparent vor den rund 800 Zuhörern und riefen „Keine Bühne für die AfD“ und „Nazis raus“.

Die AfD wolle dafür sorgen, dass „Deutschland christlich geprägt bleibt“, sagte der AfD-Abgeordnete Volker Münz aus Uhingen. Alle anderen Parteien hätten so getan, als sei die Aufnahme von Flüchtlingen aus islamischen Ländern eine humanitäre Lösung und seien damit mitverantwortlich „für alle Probleme in Deutschland“. Für problematische Äußerungen anderer AfD-Mitglieder, etwa Björn Höcke oder Andre Poggenburg, wolle er nicht seinen Kopf hinhalten. Den Kirchen warf Münz vor, dass sie sich in die Politik einmischten. Das sei nicht ihre Aufgabe.

„Ausgrenzung ist unchristlich“

Er sei gerade am Grab von Kardinal Clemens August von Galen gewesen, warf Moderator Thomas Arnold ein – der damalige Bischof von Münster hatte während des Nationalsozialismus gegen die Tötung so genannten „lebensunwerten Lebens“ protestiert.

Die Vertreter aller anderen Parteien wandten sich gegen Münz’ Verallgemeinerungen zum Islam. Die große Mehrheit der Muslime lebe friedlich in Deutschland, gegen radikale Kräfte müsse selbstverständlich vorgegangen werden. „Ausgrenzung ist mit dem Christentum nicht vereinbar“, sagte die Grünen-Abgeordnete Bettina Jarasch (Grüne). Der CDU-Abgeordnete Christian Hirte erklärte, wer die Scharia über die freiheitlich-demokratische Grundordnung stelle, „ist hier fehl am Platz“. Die Kirchen seien ein notwendiger Stachel im Fleisch.

Auch Kerstin Griese (SPD) erwartet von den Kirchen, dass sie sich in Politik einmischen und sich für die Armen und Entrechteten einsetzen. „Andernfalls hat sie ihren Auftrag verfehlt.“ Sie warf der AfD vor, „Probleme zu verschärfen, statt nach Lösungen zu suchen“. Christine Buchholz (Linke) forderte, alle Religionen und Weltanschauungen gleichberechtigt zu behandeln. Sie kritisierte, dass Bayerns Ministerpräsident Markus Söder in Behörden Kreuze aufhängen lässt. Er habe nichts dagegen, sagte Karlheinz Busen Busen (FDP). „Die sind aber nicht das Logo der CSU in Bayern.“

Gegen Normalisierung

Vor Beginn der Veranstaltung hatten rund 1000 Menschen gegen den Auftritt des AfD-Abgeordneten protestiert. „Wir wollen klar machen, dass es für die AfD keine Normalisierung geben darf“, sagte Carsten Peters, Sprecher des Bündnisses „Keinen Meter den Nazis“. Die AfD sei die Partei des Rassismus und der Ausgrenzung. Dass sie im Bundestag vertreten sei, ändere daran nichts. Die Initiative forderte die Stadt Münster auf, 370 zusätzliche Flüchtlinge aufzunehmen – als Symbol – für jedes Jahr seit dem Ende des 30-jährigen Krieges.

Beim Evangelischen Kirchentag 2017 in Berlin hatte der Berliner Bischof Markus Dröge mit der damaligen Sprecherin der Vereinigung „Christen in der AfD“, Anette Schultner, diskutiert. Schultner ist inzwischen aus der AfD ausgetreten.

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