Ein architektonisches Kleinod ist die Kirche Sankt Konrad in Plochingen. Sie wurde im Jahr 1929 errichtet. Foto: Horst Rudel

Sechs Kommunen schließen sich zu einer Kirchengemeinde mit Sitz in Plochingen zusammen. Damit wollen es sich vor allem die Ehrenamtlichen leichter machen. Denn die Zahl der Katholiken im Mittleren Neckarraum nimmt zu.

Plochingen - Fusionen in katholischen Kirchengemeinden sind selten. Seit dem Jahr 2002 hat es in der Diözese Rottenburg/Stuttgart nur zehn davon gegeben.

Dass die Kirchengemeinden Altbach/Deizisau und Reichenbach/Hochdorf/Lichtenwald zusammen mit Plochingen zur Gesamtkirchengemeinde von St. Konrad fusionieren, liegt daran, dass es die Gemeinde Altbach/Deizisau nicht mehr geschafft hat, einen Kirchengemeinderat aufzustellen. Vom 1. Januar an werden die drei Kirchengemeinden der sechs Kommunen als Kirchengemeinde St. Konrad Plochingen firmieren. Der Dekan Paul Magino und Bischof Gebhard Fürst haben der Fusion bereits zugestimmt.

An der Zahl der Pfarrer ändert sich allerdings nichts. Auch werden die Pfarrhäuser der Kirchengemeinden weiter betrieben und fungieren als Dienstsitz von Pastoralreferenten und als Pfarrbüros. Das bedeutet, dass anders als beispielsweise im Wirtschaftsleben, diese Fusion nicht den Zweck hat, Personal einzusparen. Um eine Vereinfachung geht es aber doch, durch die Fusion werden die Haupt- und vor allem auch die Ehrenamtlichen in der Seelsorgeeinheit entlastet.

Obwohl die Anzahl der Katholiken im Land leicht abnimmt, ist der demografische Wandel kein Grund für diese Fusion. Wie der Dekan Paul Magino berichtet, nehme die Zahl der Katholiken im Mittleren Neckarraum eher zu, wegen der „Zuwanderung vor allem aus Spanien und Polen“, zwei traditionell katholische Länder.

Wie Manuela Pfann, Pressesprecherin der Diözese Rottenburg/Stuttgart, sagt, gebe es in der katholischen Kirche keinen direkten Zusammenhang zwischen der Entwicklung der Priesterzahlen und der Vereinigung von Kirchengemeinden. Die letzte große Reform des Stellenplans erlebte die Diözese im Jahr 2000. „Dort wurde die demografische Entwicklung gleich mitbedacht“, sagt Manuela Pfann, und die Zahl der Pfarrstellen sei daran ausgerichtet.

Zur Zeit gibt es in der Diözese 1025 Kirchengemeinden, die 273 Seelsorgeneinheiten bilden. Diese Einheiten können alle mit einem leitenden Pfarrer besetzt werden. Insgesamt beschäftigt die Diözese knapp tausend Pfarrer.

300 aktive Pfarrer sind bereits im Ruhestand

Wobei unter den tausend Pfarrern etwas mehr als 300 Pfarrer bereits im Ruhestand sind. Sie sind trotzdem noch für die Kirche tätig, um die Seelsorge aufrecht zu erhalten. Dem Nachwuchsmangel begegnet die Diözese, indem sie die Seelsorge in den Gemeinden für neue Berufsgruppen öffnet. Sozialpädagogen, Kirchenmusiker oder Religionslehrer können eine Gemeindepastoral übernehmen.

Die 273 Seelsorgeeinheiten sind in 25 Dekanate zusammengefasst, die sich mit den Landkreisen decken, wobei die Diözese Rottenburg/Stuttgart in etwa auf dem Territorium des ehemaligen Königreichs Württemberg liegt. Die Diözese Rottenburg/Stuttgart ist relativ jung, sie ging aus der Diözese Konstanz hervor, die 1821 wegen Unbotmäßigkeit von Papst Pius VII. zerschlagen wurde.

Wiewohl der Mittlere Neckarraum als protestantisches Kerngebiet für die Katholiken zur Diaspora zählt, hat die Diözese mit dem Jugendhaus St. Antonius in Wernau doch eine ihrer zentralen Einrichtungen im Kreis Esslingen untergebracht.

Auch die alte Kirchengemeinde St. Konrad ist im traditionell evangelischen Plochingen fest verankert. Die sehenswerte Kirche St. Konrad ist übrigens ein wenig bekanntes architektonisches Kleinod. Sie gilt als erste Kirche der Welt, die mit Holzleimbindern gebaut wurde. Die Stadt Plochingen wurde zur Fusion auch gehört, immerhin betreibt die katholische Kirche fünf Kindergartengruppen dort. Die Stadt hat die Fusion der Kirchengemeinden zustimmend zur Kenntnis genommen.

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