Cool bleiben: Der Trend geht zu besonderen Fragen im Jobinterview. (Symbolbild) Foto: imago/Westend61/Bartek Szewczyk

Personaler konfrontieren Jobsuchende gern mit unkonventionellen Fragen, um sie besser kennenzulernen. Wir verraten Ihnen, auf welche Fragen Bewerber gefasst sein sollten.

Hamburg/Stuttgart - Mal ehrlich, wer macht sich Gedanken, wie der Titel der eigenen Biografie lauten könnte? Die wenigsten vermutlich. Jobsuchende sollten sich damit befassen, denn Personaler konfrontieren sie immer öfter mit ungewöhnlichen Fragen. Branchenfremde Themen sollen den Bewerber überraschen, damit er zeigen kann: Bin ich spontan, bin ich flexibel? Wie reagiere ich in unerwarteten Situationen? „Die Frage, was sind Ihre Stärken und Schwächen ist von gestern“, gibt das Hamburger Unternehmen Glaspool bekannt, das Recruiting und Jobsuche spezialisiert ist und drei Jahre lang dazu recherchiert hat.

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Die gute Nachricht der Umfrage, die das Unternehmen in einem Zeitraum von drei Jahren mit rund 8000 Personen durchgeführt hat: Jobsuchende können sich vorbereiten. Glaspool hat 20 außergewöhnliche Fragen aus den geführten Interviews zusammengetragen und ordnet sie auch den Unternehmen zu, die sie gestellt haben. Zudem gibt das Unternehmen Tipps, die Bewerber beherzigen können.

So lauten die 20 ausgewöhnlichsten Fragen, unterteilt in drei verschiedene Kategorien:

Persönlichkeitsfragen:

1. Was wäre der Titel Ihrer Autobiografie? (Boston Consulting)

2. Wenn Sie ein Tier wären, welches wären Sie und warum? (Stollwerck)

3. Arbeitest du, um zu leben, oder lebst du, um zu arbeiten? (Veeva Systems)

4. Halten Sie Ihren Job für eine Kunst oder eine Wissenschaft? (Contentful)

5. Mit welchen Spielzeugen haben Sie als Kind gespielt? (Fele)

6. Was wäre ein Grund, aus dem wir Sie nicht nehmen sollten? (Bertelsmann)

7. Was würde Ihre Freundin an Ihnen ändern wollen? (Agap2)

8. Wo sehen Sie sich in 30 Jahren? (Airbus)

9. Welchen Rat würden Sie ihrem 15-Jährigen Ich geben? (Hays)

10. Was wäre Ihr Traumjob, wenn Sie irgendeinen aussuchen könnten? (PwC)

Schätzfragen – auch Brainteaser genannt:

11. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Menschheit auf außerirdisches Leben stößt? (AppNexus)

12. Wie viele Grad liegen zwischen dem Minuten- und Stundenzeiger, wenn es 15.15 Uhr ist? (Altran)

13. Wie viel Umsatz wird in Japan jährlich mit wieder verwendbaren Stäbchen gemacht? (Bain & Company)

14. Wie viele Schmuckstücke liegen am Strand von Nizza vergraben? (Deloitte)

15. Wie können Sie bei geschlossener Tür testen, ob ein automatisches Licht im Bad tatsächlich ausgeht? (Daimler)

Verhaltensfragen:

16. Was ist wichtiger? Dissens oder Konsens? (BMW)

17. Würdest du dich als spontan und humorvoll einschätzen? (Antwort: “Ja”) Dann erzähle doch einen Witz. (JAM! Reisen)

18. Was würden Sie tun, wenn Sie vor dem Kino versetzt werden, aber schon die Tickets gekauft haben? (BMW)

19. Wenn Sie an einem freien Tag Fehler am Produkt entdecken, würden Sie den Chef anrufen? (Asana Rebel)

20. Was ist das Verrückteste, das du jemals gemacht hast? (EF Education First)

Tipps zur Vorbereitung:

1. Schätzfragen beinhalten häufig ein sogenanntes Fermi-Problem. Es wird in der Regel verlangt, eine quantitative Abschätzung ohne eine vorhandene Datenbasis abzugeben. Nur selten gibt es eine richtige oder falsche Antwort. Viel wichtiger ist es, die Gesprächspartner Schritt für Schritt durch den eigenen Denkprozess zu führen und die Annahmen zu nennen, die zum Ergebnis führen.

2. Bei den Fragen zur eigenen Persönlichkeit und Verhaltensweisen ist es wichtig, authentisch und ehrlich zu sein. Die spielerischen Fragen sind letztlich verkappte Fragen nach Stärken und Schwächen. Sie werden von Personalern gestellt, weil sie häufig auf die direkte Frage danach keine authentischen Antworten erhalten. Indem Jobsuchende in Gedankenspiele verwickelt werden, verlässt das Gespräch die vorgefertigten Pfade. Darauf dürfen Jobsuchende sich gerne einlassen.

3. Es gilt bei Fragen nach Persönlichkeit und Verhaltensmustern einen Spagat zu absolvieren. Einerseits sollte man Persönlichkeit zeigen und gerne auch Humor und Kreativität unter Beweis stellen. Denn genau das ist erwünscht. Andererseits sollten sich Jobsuchende bewusst sein, dass sie sich weiterhin in einer professionellen Bewerbungssituation befinden und nicht allzu privat und geschwätzig werden.

4. Selbst auf Fragen wie “Arbeitest du, um zu leben, oder lebst du, um zu arbeiten?” ist die gewünschte Antwort heutzutage nicht mehr eindeutig. In Zeiten von “New Work” und Achtsamkeit können Jobsuchende durchaus klar sagen, dass ihnen das Leben wichtiger ist. Sie zeigen damit selbstbewusst, wo ihre Prioritäten liegen. Solange sie verdeutlichen, dass sie motiviert sind, sich im Job reinzuhängen, ist das kein KO-Kriterium mehr.

5. Wer sich durch unerwartete Fragen herausgefordert fühlt, kann das als gutes Zeichen werten. Je schwieriger Jobsuchende Bewerbungsverfahren wahrnehmen, desto zufriedener sind sie später im Job. Eine ebenfalls vom Unternehmen Glassdoor durchgeführte Analyse kam zu dem Schluss, dass der optimale Schwierigkeitsgrad für ein Bewerbungsverfahren bei ungefähr 4,0 („schwer”) auf einer 5-Punkte-Skala liegt.