Der Rettungsdienst musste einen betagten Autofahrer versorgen und ins Krankenhaus bringen. (Symbolfoto) Foto: 7aktuell.de/ Gruber

Es ist ein klassischer Unfall gewesen – Überforderung. Das Schicksal eines 85-jährigen Autofahrers wirft die Frage auf, wann man seinen Führerschein abgeben sollte.

Stuttgart - Wie lange ist man noch fit fürs Autofahren? Wie schnell ist man womöglich völlig überfordert? Erneut hat es in Stuttgart einen Verkehrsunfall mit einem betagten Menschen am Steuer gegeben – mit einer geradezu klassischen Unfallursache. Der Betroffene verwechselte im Automatikauto Gas- und Bremspedal und verlor die Kontrolle. Der 85-Jährige erlitt erhebliche Blessuren, musste stationär ins Krankenhaus. Wieder hat es einen betagten Autofahrer getroffen. Die Zahl der Schwerverletzten steigt.

Nach Angaben der Polizei spielte sich der Unfall am Montag gegen 16.50 Uhr im Stadtteil Büsnau ab. Der 85-Jährige war auf dem Kundenparkplatz des Bonus-Markts am Büsnauer Platz auf der Suche nach einem freien Stellplatz – und steuerte eine Stelle an, an der ein anderer Autofahrer gerade ausparkte. „Der Betroffene ließ den anderen raus und wollte dann mit seinem VW in die Parklücke fahren“, sagt Polizeisprecherin Ilona Bonn.

Dann erwischt er das falsche Pedal

Und dann passierte das, was besonders bei Automatikautos fatal enden kann – weil es keine Kupplung gibt, mit der sich die Kraftübertragung unterbrechen lässt. Der 85-Jährige drückte nicht das Bremspedal, sondern das Gaspedal voll durch. Der VW rammte die Fassade. Der betagte Fahrer erlitt beim Aufprall schwere Verletzungen und musste vom Rettungsdienst in ein Krankenhaus gebracht werden. Der Schaden wird von der Polizei mit mehreren Zehntausend Euro angegeben.

Erst eine Woche zuvor hatte sich in Münster ein ähnlicher Unfall mit schweren Folgen ereignet. Ein 90-jähriger Mercedes-Fahrer wollte in der Austraße vor einer Gaststätte einparken. Dazu ließ er seine 77-jährige Beifahrerin aussteigen und sich von einem Mitarbeiter des Lokals einweisen. Dabei gab er plötzlich unkontrolliert Vollgas und erfasste die 77-Jährige. Der Wagen rammte noch ein Verkehrszeichen und einen Baum, ehe er zum Stillstand kam. Die Frau musste schwer verletzt in ein Krankenhaus eingeliefert werden.

Helfen regelmäßige medizinische Checks?

Eine 79-Jährige rammte am 11. Oktober in der Grazer Straße in Feuerbach die Glasfront eines Bürogebäudes, als sie dort einparken wollte. Laut Polizei hatte die VW-Fahrerin hat auch in diesem Fall offenbar Gas- und Bremspedal verwechselt. Ihr Auto blieb im Treppenhaus des leer stehenden Gebäudes liegen, die Frau kam mit dem Schrecken davon. Auch hier gab es über 10 000 Euro Schaden.

Schon seit langem gibt es Diskussionen darüber, dass Senioren regelmäßige medizinische Kontrollen absolvieren oder gar ihren Führerschein freiwillig abgeben sollten. Im Kreis Ludwigsburg können Senioren ihren Führerschein gegen ein VVS-Jahresticket einlösen. Die Frage, ob man den Führerschein im Alter abgeben soll, ist bisher aber stets eine Einzelfallentscheidung. Denn mit einem allgemeinen Gesetz würden automatisch Personen diskriminiert, die durchaus fahrtauglich sind – und, bezogen auf ihren Anteil an der Bevölkerung, weitaus weniger in Unfälle verwickelt sind als junge Autofahrer.

In Stuttgart hat es im vergangenen Jahr 1370 Unfälle mit Verkehrsteilnehmern über 65 gegeben. Dabei war vor allem eines für die Polizei alarmierend: Die Zahl der Schwerverletzten unter den Senioren im Straßenverkehr stieg von 31 auf 51 Betroffene.

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