Krug und Leiter sind feste Utensilien des Esslinger Kandelmarschs. Foto: Ines Rudel

Die Absolventen der Hochschule Esslingen sind zum Abschluss ihres Studium durch die Stadt gezogen und haben traditionell mit dem Kandelmarsch lautstark Ade gesagt.

Esslingen - Die Leiter unter dem rechten Arm und den Bierkrug in der linken Hand – mit diesem vertrauten Bild haben sich die Absolventinnen und Absolventen am Freitagnachmittag von der Hochschule Esslingen verabschiedet. Der Kandelmarsch ist nicht nur ein fester Termin im Hochschulkalender, sondern gehört im Sommer auch untrennbar zum öffentlichen Leben in Esslingen. Mit Musik und Wagen führt die Umzugsstrecke mitten durch die Innenstadt.

592 junge Männer und Frauen haben es geschafft

Insgesamt haben am Freitag 592 junge Frauen und Männer ihre Zeugnisse überreicht bekommen. Beim Festakt im Neckar Forum beglückwünschte der Rektor Christian Maercker die ehemaligen Studenten: „Die Absolventinnen und Absolventen lassen nun einen Lebensabschnitt zurück, der sie mehr geprägt hat, als ihnen bewusst gewesen ist.“ Der Rektor weiter: „Ich hoffe, dass Sie nicht nur Studieninhalte, sondern auch viel für Ihre persönliche Entwicklung mitgenommen haben und Sie beides einsetzen bei Ihrem Beitrag für unsere gemeinsame gesellschaftliche Zukunft.“

Der Kandelmarsch führte unter anderem über die Innere Brücke. Den Anfang und das Ende des Umzugs durch die Fußgängerzone bildete jeweils ein Streifenwagen, eine Musikkapelle führte die von Pferden gezogenen Wagen an. Die männlichen Absolventen trugen traditionell weiße Hemden, Anzughose und Zylinder. Gestärkt hatten sich die Teilnehmer des Kandelmarschs und ihre Verwandten, die ebenfalls zur Abschlussfeier gekommen waren, zuvor auf dem Campus Innenstadt mit Speisen und Getränken.

Der Prüfungsstress schweiß die Studenten zusammen

Sebastian Reinhold, der sein Bachelorzeugnis im Fach Maschinenbau erhalten hat, warf in seiner Ansprache stellvertretend für die Absolventen einen Blick zurück auf den Studienalltag der vergangenen Jahre: „Im Studium gibt es viele schöne und stressige Momente, aber letztendlich schweißt der Prüfungsstress alle zusammen“, sagte Sebastian Reinhold.

Auch die Stadt Esslingen würdigte den Abschluss der Hochschulabsolventen. „Unsere Welt ist immer im Wandel“, sagte der Kulturbürgermeister Markus Raab. „Die Absolventinnen und Absolventen müssen deshalb ab jetzt Verantwortung übernehmen und über den Tellerrand hinausblicken“, gab Markus Raab den jungen Menschen mit auf den Weg.

Seit 1922 wird „gekandelt“

Entstehungsgeschichte
Das „Kandeln“ entstand im Jahr 1922, als zwölf Studierende nach einem Fest vom Zollberg kamen. Unterwegs nahmen sie eine Sprossenleiter mit. Auf der Pliensaubrücke trugen sie die Leiter auf den Schultern – der Fußweg war damals sehr schmal. Beim Esslinger Pliensautor hielt sie ein Polizist an und forderte sie auf, die Straße freizuhalten und ihren Heimweg auf dem Bürgersteig fortzusetzen.

Geistesblitz
Die Studenten kamen der Bitte nach. Doch auf ihrem weiteren Weg stießen sie dann auf der Inneren Brücke auf einen zweiten Polizisten. Dieser wiederum befahl ihnen, auf der Straße zu marschieren. Was tun? In ihrem studentischen Gehorsam fanden die jungen Leute schließlich einen ziemlich klugen Kompromiss und gingen einfach mit einem Fuß auf dem Gehsteig und mit dem zweiten auf der Straße. Aus dem Ulk ist dann eine Esslinger Tradition geworden.

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