Ein junger Grizzlybär am Beaver Lake im Yellowstone National Park (US-Bundesstaat Wyoming). Foto: AP

Ein franko-kanadischer Profimusiker macht mit seiner Freundin Urlaub in der kanadischen Wildnis. Doch die Traumreise wird zum Horrortrip. Ein Grizzlybär greift sie an, während sie im Zelt schlafen. Der Mann wird in den Wald geschleppt und dort vom Raubtier getötet.

Montreal - Ein Mann ist beim Zelten in einem entlegenen Gebiet im Norden Kanadas von einem Grizzlybären getötet worden. Der franko-kanadische Profimusiker Julien Gauthier wurde im Schlaf in seinem Zelt am Ufer des Flusses Mackenzie von dem Tier angefallen, wie seine Begleiterin der französischen Tageszeitung „Le Parisien“ berichtete. Der Bär habe ihn am Hals und an der Schulter gepackt und in den Wald geschleppt.

Der 44-jährige Gauthier war Komponist und Tonmeister des Sinfonieorchesters der Bretagne. Die kanadische Polizei bestätigte, dass ein Mann tot aufgefunden worden sei, der „einem Bären begegnet“ sei. Zur Identität des Toten äußerte sich die Polizei nicht, da eine Obduktion noch ausstehe. Ein Sprecher des Orchesters erklärte bei Facebook, Gauthier sei gestorben.

Reise in die Wildnis kostet Komponisten das Leben

Der Vorfall hatte sich bereits vergangene Woche in der Nacht zu Donnerstag ereignet. Gauthiers Begleiterin alarmierte eine Gruppe von Paddlern, die am Donnerstagmorgen einen Notruf absetzten. Mit einem Hubschrauber holte die Polizei die Gruppe aus dem Gebiet und suchte nach dem Mann. Am Freitagnachmittag wurden seine Überreste gefunden.

Gauthier und seine Freundin wollten mit dem Kanu auf dem Fluss Mackenzie von Fort Providence bis nach Inuvik fahren. Auf einer Spendenplattform hatten sie Geld für die rund 1500 Kilometer lange Reise gesammelt, die rund 30 Tage dauern sollte. „Er hat sich so sehr für diese Reise begeistert. Leider hat sie ihn das Leben gekostet“, sagte seine Begleiterin.

2018 drei Menschen durch Grizzlys in Kanada getötet

Vergangenes Jahr wurden in ganz Kanada drei Menschen durch Bären getötet. Ein Inuit-Jäger starb im August in Nunavut an der Hudson Bay durch einen Eisbären.

Im November tötete ein Grizzlybär im Yukon-Territorium eine Frau und ihr zehn Monate altes Baby. Die beiden seien für einige Stunden in ihrer Hütte in der westlichen Provinz Yukon zurückgeblieben, teilten die zuständigen Behörden damals mit. Im Juni 2016 hatte ein Grizzly-Bär im US-Bundesstaat Montana einen Mitarbeiter der Forstbehörde, der mit dem Mountainbike unterwegs war, angefallen und getötet.

Rund 30 000 Grizzlys in Nordamerika

Der Grizzlybär ist eine Unterart der Braunbären. Diese sind von den acht Bärenarten am weitesten verbreitet und zählen zu den größten Landraubtieren der Welt. Grizzlys können zwischen eineinhalb bis drei Meter lang werden und von 180 bis 680 Kilogramm wiegen. Trotz ihres Gewichts können sie bis zu 55 Stundenkilometer schnell rennen.

In der Regel ist der Grizzly ein Einzelgänger, sein Lebensraum sind die Steppen der Tundra, Wiesen und Wälder. Zwar gehört er zu den Fleischfressern, doch seine Nahrung ist zu rund drei Vierteln pflanzlich.

Heute leben mehr als 30 000 Grizzlybären im Norden der USA, in Kanada und Alaska. Nach Angaben der Umweltstiftung WWF gibt es weltweit noch etwa 200 000 Braunbären.

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