Im Februar gab es zweimal Bombenalarm auf der Daimler-Baustelle. Foto: 7aktuell.de

Am Sonntag rücken die Experten an. 550 Menschen müssen für einen Tag ihre Häuser verlassen.

Schönaich - Schon wieder müssen die Bombenentschärfer anrücken. Am kommenden Sonntag wird im Wald zwischen Böblingen und Schönaich nahe der Panzerkaserne eine Bombe geborgen. 550 Menschen müssen dafür in Schönaich für einen Tag ihre Häuser verlassen. Es ist die vierte Evakuierung wegen eines Bombenalarms in diesem Jahr im Kreis Böblingen. Anfang des Jahres hatte es kurz hintereinander dreimal einen Großeinsatz der Kampfmittelbeseitigungsexperten gegeben, zweimal auf der Daimler-Baustelle, einmal auf der anderen Seite des Flugfelds in Böblingen.

Spaziergänger entdeckt die Bombe

Anders als bei diesen Bomben, die bei Bauarbeiten entdeckt wurden, hat dieses Mal ein Spaziergänger den Kampfmittelbeseitigungsdienst auf das im Waldboden vergrabene Objekt aufmerksam gemacht. „Der Mann hat eine Kuhle im Boden entdeckt. Wir haben daraufhin diese Kuhle mit unseren Geräten vermessen“, sagt Mathias Peterle, der stellvertretende Chef des Kampfmittelbeseitigungsdienstes, der im Sindelfinger Wald seinen Sitz hat. Das Gerät messe das elektromagnetische Feld. Aufgrund dieser Daten sei man sich ziemlich sicher, dass im Boden in zweieinhalb bis drei Meter Tiefe eine 250-Kilogramm-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg liege, die mit einem Langzeitzünder versehen ist. Dieser Zünder sei eine besondere Herausforderung für die Experten: „Der Zünder hat eine Sperre, damit man ihn nicht einfach entfernen kann.“ Zudem dürfe die Bombe nicht bewegt werden. „Sonst explodiert sie.“

Deshalb werden am kommenden Sonntag nicht nur sechs Experten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes vor Ort sein, sondern auch Hunderte von Feuerwehrleuten, Polizisten und Rettungskräften sowie Mitarbeiter des Katastrophenschutzes vom Landratsamt. Bereits um 8 Uhr sollen die Evakuierungen im Radius von 750 Meter rund um die Bombenfundstelle beginnen. Betroffen sind davon neun Straßen in Schönaich. „Gegen 9.30 Uhr werden dann Polizei und Feuerwehr nachschauen, ob auch alle Leute aus den Häusern raus sind“, Mathias Bethge vom Schönaicher Ordnungsamt. Gegen 11 Uhr werde dann damit begonnen, die Bombe im Waldboden freizulegen. Erst danach könnten die Experten das Objekt anschauen. Ob die Bombe entschärft werden kann oder kontrolliert gesprengt werden muss, werden die Fachleute dann entscheiden.

Gemeindehalle bietet Asyl

Wie lange das Ganze dauert, kann Mathias Peterle noch nicht sagen. Momentan geht das Team davon aus, dass gegen 16 Uhr alles abgeschlossen ist und die Leute zurück in ihre Häuser können. „Doch das kann sich auch um Stunden verzögern“, warnt Mathias Peterle vor.

Alle Bewohner der von der Evakuierung betroffenen Häuser, die am Sonntag nicht anderweitig unterkommen, finden in der Schönaicher Gemeindehalle einen Unterschlupf. Betroffen ist auch das Areal der angrenzenden Panzerkaserne der US-Armee. Deren Pressesprecherin Carola Meusel, geht nicht davon aus, das Gebäude geräumt werden müssen. Die Housing Area, wo einige Soldatenfamilien wohnen, sei nicht im Radius der Evakuierung. „Und die Schule hat ja sonntags eh geschlossen. Lediglich unser Fitness-Center müssen wir am Sonntag schließen.“

Die Bombe liegt vermutlich seit mehr als 80 Jahren dort im Wald. Peterle vermutet, dass die Alliierten am Ende des Zweiten Weltkriegs den Militärstandort der Panzerkaserne treffen wollten. Der gehörte damals der Wehrmacht.

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