Diese Stadtbahn hat nun eine eindeutige Botschaft. Foto: Lichtgut/Oliver Willikonsky

Im Rahmen der Kampagne „Tu was“ werben Polizei und SSB darum, im Alltag Zivilcourage zu beweisen. Ein Rat ist eindeutig: Lieber einmal zu viel die Polizei rufen als zu wenig.

Stuttgart - Der Polizeipräsident von Stuttgart, Franz Lutz, ist zufrieden. „Vielleicht fahre ich ja mal morgens in einer der Stadtbahnen in die Arbeit“, freut er sich. Am Donnerstag hat er zusammen mit der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) zwei Stadtbahnzüge vorgestellt, auf deren Außenseiten für eine ungewöhnliche Botschaft geworben wird: Mit sechs einfachen Tipps werden die Fahrgäste zu mehr Zivilcourage angehalten. „Bitte andere um Mithilfe“ steht da zum Beispiel, und: „Kümmer dich um Opfer.“ Diese Hinweise sollen erklären, wie man sich am besten verhält, wenn man im Alltag Zeuge von Gewalttaten, Vandalismus, Belästigung oder Diskriminierung wird. Sie sind Teil der Kampagne „Tu was“, mit der die Polizei für mehr Zivilcourage wirbt.

Das Thema geht alle an

Die Wagen mit den Verhaltenstipps werden nun im gesamten Netz der SSB eingesetzt, die jeden Tag etwa 500 000 Menschen befördert. Ungefähr 100 000 Kilometer Strecke legt einer der Wagen im Jahr auf den Schienen zurück. „Damit erzielen wir eine Außenwirkung, die mit anderen Medien so nicht möglich wäre“, sagt der Vorstandssprecher der SSB, Thomas Moser.

„Das Thema Zivilcourage geht uns alle an“, erklärt der Vorsitzende der Kriminalprävention, Gerhard Klotter, bei der Präsentation der Züge. Für die meisten Menschen sind Situationen, in denen man eingreifen, helfen, oder als Zeuge aussagen muss, aber eine Ausnahmesituation. Deswegen sind die Botschaften auf den Waggons kurz und unkompliziert gehalten.

Auch im Zweifelsfall die Polizei anrufen

„Was wir aber nicht wollen, ist falsches Heldentum“, betont Klotter. Daher lautet der erste Hinweis auch: „Hilf, aber bring Dich nicht in Gefahr!“ Stattdessen soll man die Polizei anrufen, andere Menschen um Hilfe bitten und sich für eine spätere Zeugenaussage merken, wie die Täter aussehen. „Rufen Sie – auch im Zweifelsfall – die Polizei lieber einmal zu viel als zu wenig“, appelliert Polizeipräsident Lutz. Sollte doch mal etwas passieren ist man trotzdem auf der sicheren Seite, erklärt Klotter. Denn jeder, der sich für die Allgemeinheit einsetzt, ist dabei gesetzlich unfallversichert.

Die Polizei könne nicht rund um die Uhr überall präsent sein und sei auf Hinweise und Hilfe aus der Bevölkerung angewiesen, erklärt Lutz. Das sei aber kein Grund zur Sorge. „Allen Bürgerumfragen zufolge ist die Sicherheit in Stuttgart sehr hoch“, erklärt der Polizeipräsident. „Die Menschen fühlen sich hier also so sicher, wie schon seit Jahren nicht mehr.“

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