So bleibt er in Erinnerung: Justus Pankau mit Backenbart und Kamera ist 93 Jahre alt geworden. Foto: SWR

In der Nacht zum Samstag ist der Kameramann Justus Pankau, der über Jahrzehnte Fernsehgeschichte geschrieben hat, mit 93 Jahren in einem Krankenhaus in Ludwigsburg gestorben. Seine Weggefährten verneigen sich vor ihm.

Stuttgart/Ludwigsburg - Sein letzter Wunsch erfüllte sich nicht: Der schwer erkrankte Justus Pankau, eine Legende des deutschen Fernsehens, wollte unbedingt am vergangenen Donnerstagabend in die Scala in Ludwigsburg kommen, wo Freunde und Weggefährten eine bewegende Hommage an sein Lebenswerk veranstaltet haben. Im Rollstuhl sollte man ihn zu der Feier fahren. Doch dann musste der „Mann in Gelb“ in die Intensivstation einer Klinik in Ludwigsburg, wo er in der Nacht zum Samstag gestorben ist.

„Die Veranstaltung hätte ihm sehr gut gefallen“, sagte Rainer Bosch am Samstag gegenüber unserer Zeitung, der jahrzehntelang der Ton-Kollege des Kameramanns war. Es wurden Ausschnitte eines großartigen Filmschaffens gezeigt. Der frühere SDR-Regisseur Theo Mezger, mit dem Pankau etwa 30 Fernsehfilme gedreht hat, sprach auf der Scala-Bühne über seine Freundschaft mit dem Kameramann, dessen Markenzeichen der Backenbart und die gelbe Kleidung waren. „Mit Justus Pankau haben wir nicht nur einen Freund, Kollegen und Weggefährten verloren, sondern einen ganz besonderen Menschen“, sagte Mezger am Samstag. Erst kürzlich hatte Pankau seine Wohnung beim Stuttgarter Olgaeck aufgeben und in ein Pflegeheim ziehen müssen. Sein Auto spende er über die Kinderhilfe Sighisoara an das Behindertenheim Haus des Lichtsnach Weisskirch (Albesti) in Siebenbürgen/Rumänien.

Seine Tochter und seine Frau sind vor ihm gestorben

Der Regisseur Peter Lilientahl würdigte am Samstag den Verstorbenen: „Wir waren Brüder im Geiste, verstanden uns sofort und hatten beide einen Hang zu anarchistischen Zügen. Dies zeigt auch unser erster gemeinsamer Film ,Maltesta’. Justus wird uns unwahrscheinlich fehlen!“

Justus Pankau, der nach dem Tod seiner Frau und seiner Tochter allein lebte, besuchte bis ins hohe Alter regelmäßig das Friedrichsbau Varieté, dessen Fan er war. Wenn man ihm fragte, wie es ihm gehe, antwortete er etwa: „Gut – aber man ist halt keine 85 mehr.“

Geboren ist er im Westpreußischen als Sohn eines Schreiners und aufgewachsen in Dortmund, wo er in seiner Freizeit Fußball spielte und bei Borussia im Tor stand, was seine gelbe Kleidung erklärt. Seine Karriere hat Pankau als Kamerassistent im kriegszerstörten Hamburg begonnen. Er arbeitete bei der Neuen Deutschen Wochenschau, dort war er Kameramann und Reporter in Personalunion. 1954 kam er zum Süddeutschen Rundfunk nach Stuttgart. Pankau ist Mitbegründer der legendären Stuttgarter Schule, die von Professor Walter Jens als „Meisterwerk visueller Rhetorik“ bezeichnet worden ist. Für den Spielfilm „Malatesta“ (Regie: Peter Lilienthal) bekam er den Bundesfilmpreis in Gold (1970), später auch den Grimme-Preis für den Dokumentarfilm „Die Borussen kommen“.

Kameramann von „Christiane F.“

„Es gab wohl keinen Kameramann, der gleichzeitig so erfolgreich Dokumentationen sowie auch Spiel-und Fernsehfilme drehte“, sagte am Samstag Gert Jüttner von der Presseabteilung des SWR, ein langjähriger Freund von Pankau. Der „Mann im Gelb“ wurde von Produzent Bernd Eichinger bei dessen ersten Film verpflichtet, als dieser für „Christiane F.-Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ Pankau engagierte. „Christiane F.“ wurde 1981 mit der Goldenen Leinwand ausgezeichnet, ein Preis für Filme, die in Deutschland kommerziell am erfolgreichsten sind.

Von 1972 bis 2001 filmte Pankau mehrere „Tatorte“ und andere Produktionen (nicht nur für den SDR, sondern auch für andere ARD-Sender), dazu hatte er auch noch eine Lehrtätigkeit bei der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin und der Hochschule für Film-und Fernsehen München. Er ist Mitbegründer der Filmakademie Baden-Württemberg, wo er im Studienfach Kamera tätig war und zum Professor ernannt wurde.

Mit der Kamera die Wahrheit gesucht

Ein Leben lang hat er mit der Kamera die Wahrheit gesucht. Oft verstecke sich die Wahrheit hinter inszenierter Scheinwelt, sagte er. Pankau legte bloß, wollte aus besonderen Blickwinkeln Szenen so zeigen, dass man Menschen erkennen konnte.

Als das Fernsehen laufen lernte, waren Stuttgarter die Schrittmacher eines kritischen Journalismus. Der Euphorie des Wirtschaftswunders und den patriotischen Emotionen der Wochenschau widersetzte sich der SDR mit entlarvenden Beiträgen in der Reihe „Zeichen der Zeit“. Mit Kameramann Justus Pankau prägte der SDR einen Stil, der sich als „Stuttgarter Schule“ einen Namen gemacht hat. Am 27. Dezember wäre er 94 Jahre alt geworden.

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