Bei diesem Festtagsgeschirr haben die Hersteller nicht am Gold gespart. Foto: Gottfried Stoppel

Um alles, was man zur Kaffee- und Teezubereitung braucht, dreht sich die aktuelle Ausstellung im Museum im Hirsch in Remshalden. Einen Schwerpunkt legt „Volle Kanne – Kaffee oder Tee?“ aber auf Gefäße, aus denen diese Getränke ausgeschenkt werden.

Remshalden - Die Schöpfer dieses Geschirrs haben es so richtig krachen lassen: Kaffeekanne, Zuckerdose und Milchkännchen schillern in Pink und Orange, mit goldverzierten Ranken und einem Schriftzug in goldenen Lettern. „Zum frohen Feste“ steht auf dem Porzellan, das vermutlich nur in der Weihnachtszeit auf den Tisch kam. Dieses Festtagsgeschirr, das nach Einschätzung von Christel Fezer vom Heimatverein Buoch aus der Zeit der jüngsten Jahrhundertwende stammt, hat in der aktuellen Sonderausstellung im Museum im Hirsch ebenso einen Platz gefunden, wie Exemplare aus Emaille und Steingut, aus Silber, Zinn und Kupfer.

Denn schließlich dreht sich im Buocher Museum bis Ende Februar alles um Gefäße und Utensilien, die für Kaffee, Tee und deren Zubereitung gedacht sind. Eigentlich habe man eine Ausstellung über Spielzeugautos geplant, erzählt die Vereinsvorsitzende Christel Fezer: „Aber der Hauptleihgeber ist erkrankt.“ So hat der Verein mit „Volle Kanne – Kaffee oder Tee?“ eine Idee umgesetzt, die schon länger auf der Liste stand. Die Exponate stammen allesamt von Vereinsmitgliedern, knapp 20 haben mitgemacht. „Wir hatten fast nichts doppelt“, berichtet Christel Fezer über die Sammelaktion: „Die Vielfalt ist enorm.“

Ein Extratisch für Schorndorfer Porzellan

Das zeigt sich auch bei einem Rundgang durch die Ausstellung. Da steht die gestreifte, betont schlicht gestaltete Kanne Isolde von Seltmann Weiden neben Behältnissen mit üppigem Blütendekor, prallem Obst, mit Ausgießern in Form eines Drachenkopfs oder Motiven aus Brambly Hedge, einer illustrierten Kinderbuchserie aus England.

Gleich am Eingang entdecken Besucher ein Geschirr der Württembergischen Porzellanmanufaktur Schorndorf auf dem gedeckten Tisch. Knapp 30 Jahre hat das Unternehmen Geschirr produziert, Anfang der 1930er-Jahre war Schluss. Ein längeres Leben war der einst ebenfalls berühmten Schramberger Majolika, der ersten Steingutfabrik im Königreich Württemberg, vergönnt: von 1820 bis 1989 existierte das Unternehmen, aus dessen Produktion ebenfalls Beispiele zu sehen sind. So wie Exemplare anderer bekannter Firmen: von Hutschenreuther über Rosenthal und Villeroy + Boch bis hin zu Wedgwood reicht die Auswahl. So dürfte beim Rundgang wohl fast jeder alte Bekannte treffen, die einst auf dem Esstisch der Großeltern, Eltern oder auf dem eigenen Kaffeetisch standen.

Blümchen, Obst, Bordüren

Wie Blümchen, Obst und Bordüren aufs Porzellan kamen, zeigen im Siebdruckverfahren bedruckte Dekorbögen, etwa mit Motiven der französischen Firma Hermès. Die Muster der Bögen wurden aufs Geschirr geklebt und dann eingebrannt. „Braune Farbe wurde beim Brennen zu Gold“, erklärt Christel Fezer.

Breite und schlanke, große und kleine Kannen aus aller Herren Länder, von England bis China, sind in Buoch ausgestellt. Sehr klein sind die aus dem Jemen stammenden Kaffeekännchen, in die gerade mal ein Tässchen Mokka passen dürfte. Letzterer trägt seinen Namen dank der Stadt, die einst der wichtigste Aus­fuhr­ha­­fen des Jemen für Kaffee war. Die grünen Bohnen röstete man lange Zeit auf dem heimischen Herd, und zwar in einer speziellen Pfanne, die auch in Buoch zu sehen ist. Christel Fezer erinnert sich: „Meine Mutter hat noch selbst geröstet. Wenn es zu heiß wurde, hat der Kaffee bitter geschmeckt.“ Bohnenkaffee kam ohnehin nur an Festtagen auf den Tisch – im Alltag gab es Muckefuck, also Ersatzkaffee.

Mehr zur Ausstellung

Ausstellung:
„Volle Kanne – Kaffee oder Tee?“ ist bis zum 23. Februar im Museum im Hirsch, Eduard-Hiller-Straße 6, in Remshalden-Buoch zu sehen. Die Ausstellung des Heimatvereins Buoch ist immer samstags von 14 bis 16 Uhr, an Sonn- und Feiertagen von 10 bis 12 und von 14 bis 16 Uhr geöffnet. An Heiligabend ist das Museum geschlossen.

Rahmenprogramm:
Am 12. Januar und am 2. Februar bietet der Heimatverein jeweils von 15 Uhr an eine Führung durch die Ausstellung. Im Anschluss gibt es, passend zum Thema, Kaffee und Kuchen. Die Teilnahme kostet fünf Euro pro Person. Anmelden kann man sich telefonisch (0 71 51/717 84) oder per E-Mail an die Adresse cw@fezers.de. Für Gruppen gibt es Termine nach Absprache.

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