Das Geschehen in Gefängniszellen bleibt oft im Dunkeln. Foto: dpa

In den Gefängnissen des Landes nehmen die Angriffe auf Justizvollzugsbeamte zu. In Schwäbisch Hall wurden in den letzten Wochen gleich mehrere Beamte von Gefangenen dienstunfähig geprügelt. Öffentlich bekannt werden nur die wenigsten der täglich vorkommenden Fälle.

Stuttgart - Die Zahl der Angriffe auf Justizvollzugsbeamte in Baden-Württemberg hat sich zwischen 2011 und 2015 mehr als verdoppelt. Das geht aus einer Statistik des Justizministeriums hervor, die unserer Zeitung vorliegt.

Wurden vor fünf Jahren gerade einmal zehn gravierende Vorfälle aus den 17 Anstalten im Land gemeldet, so waren es 2015 schon 26. In diesem Jahr könnte die Zahl noch weiter steigen. Bis Anfang September waren schon 21 Vorfälle gemeldet.

Die wenigsten Vergehen werden registriert

Vermerkt wird dabei nur die Spitze des Eisberges. „Körperverletzungen, die keine Dienstunfähigkeit zur Folge haben, sowie Bedrohungen werden nicht erfasst“, heißt es aus dem Justizministerium. „Die Grauzone ist gewaltig“ sagt auch Alexander Schmid, der Landesvorsitzende des Bundes der Strafvollzugsbediensteten (BSBD). Die offiziellen Zahlen drückten nicht ansatzweise die Realität in den Haftanstalten aus.

Zuspruch erhält Schmid von Georg Konrath, dem Hauptpersonalrat des Justizministeriums. „Der Respekt vor der Uniform ist nicht mehr vorhanden. Dass Beamte im Gefängnis bespuckt werden, ist fast schon alltäglich“, sagt Konrath und bemängelt, dass die Personalknappheit mit dazu führt, dass Justizvollzugsbeamte kaum Eigensicherung betreiben können.

Mehrere Beamte sind dienstunfähig

Wie Recherchen unserer Zeitung ergaben, wurden in der Justizvollzugsanstalt Schwäbisch Hall bereits im Juni mehrere Bedienstete von einem Gefangenen zusammengeschlagen. Drei Beamte waren daraufhin dienstunfähig. Im August gab es weitere Vorfälle ähnlicher Art.

Justizminister Guido Wolf (CDU) kündigte an, sich bei den Haushaltsberatungen für 117 neue Stellen im Strafvollzug einzusetzen. „Die Situation im Vollzug ist angespannt, da gibt es nichts zu beschönigen“, sagt Wolf.

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