Ein junger Zauberer: Finn Bollheimer Foto: Ines Rudel/Ines Rudel

Finn Bollheimer aus Birkach arbeitet seit Jahren nun schon unermüdlich an seiner Zaubererkarriere. Mit nur 17 Jahren tritt er schon bei Galaabenden auf und räumt einige Meistertitel ab.

Stuttgart - Erst lächelt Finn Bollheimer schüchtern, dann verschmitzt, dann breit grinsend. „Es ist die Vier“, sagt er triumphierend. Mist! Wie macht er das bloß? Hat er es an einer Zuckung der Mundwinkel erkannt, einer gehobenen Augenbraue? Die Augenzahl des Würfels im kleinen Lederbecher kann doch nur sein Gegenüber sehen. Preisgeben wird Finn Bollheimer nicht, wie die Zaubernummer funktioniert, aber seine Augen leuchten. So, wie sich eben ein 17-Jähriger freut, wenn er einen Erwachsenen so richtig ausgetrickst hat.

Erfolgreicher Nachwuchs-Magier

Finn Bollheimer aus Birkach gehört zu den bundesweit erfolgreichsten Nachwuchsmagiern. Bei den deutschen Jugendmeisterschaften hat er jüngst in den Kategorien Mental- und allgemeine Magie den Sieg heimgebracht. An seiner ungewöhnlichen Karriere arbeitet er schon viel länger. Mit sechs bereits experimentiert er mit dem Zauberkasten, hält jedem seinen Zauberstab unter die Nase und lässt ihn zu einer Rose werden. „So was benutze ich heute nicht mehr“, sagt der angehende Abiturient. Mit 15 wurde Finn Bollheimer in den Magischen Zirkel von Deutschland aufgenommen, mit knapp 3000 Mitgliedern größte Zaubervereinigung in Europa – als jüngstes Mitglied. Heute stellt er ganze Shows auf die Beine, lässt Requisiten anfertigen, entwirft Kostüme, Bühnenbilder und Geschichten, in die er seinen Hokuspokus verpackt. „Man kann Tricks kaufen, aber es ist wichtig, dass man was eigenes hat.“ Finn Bollheimer hat bereits ein Kleingewerbe angemeldet, wird für Galas und private Feiern gebucht.

Schauspiel ist die zweite Leidenschaft

Wenn der Jugendliche mit der Zahnspange seine Illusionen zeigt, ist er ein anderer. Wie von Zauberhand. Plötzlich steht da der Profi, der die ausladenden Gesten und die Show-Mimik beherrscht. Er spricht deutlich und mit ausdrucksstarker Mimik. „Die Präsentation ist genauso wichtig wie der Trick“, sagt er. Dafür übt er viel vor dem Spiegel und mit Gleichgesinnten. Das Schauspiel ist Finn Bollheimers zweite Leidenschaft. Am Wirtschaftsgymnasium widmet er sich in der Theater-AG der Regieassistenz. Sollte es später mit dem Hauptberuf Magier nicht klappen, ist das sein Plan B, wie er sagt.

Eberhard Riese nickt dazu. Der 68-Jährige aus Filderstadt-Bernhausen ist der Präsident des Magischen Zirkels von Deutschland – und so was wie der Zauberer-Papa der Region. Der ehemalige Lehrer leitet bis heute die Zauber-AG am Plieninger Paracelsus-Gymnasium. Die Schule ist eine echte Magier-Schmiede.

Hier haben die Großen der Szene gelernt

Etliche Szenegrößen haben hier gelernt: Julius Frack etwa, Fisselspecht oder Jojo. Der bekannteste ist Topas, der mit seiner Frau Roxanne, eine Mitschülerin, auch große Hallen füllt. Ist das Abrakadabra heute, wo junge Leute Influencer und Hip-Hopper werden wollen, nicht irgendwie aus der Zeit gefallen? Eberhard Riese schüttelt den Kopf: „Das kommt hervorragend an.“ Vor allem Waldorfschüler kämen in die Nachwuchsgruppe der Zaubervereinigung.

Auch in Finn Bollheimer erkennt Eberhard Riese Starqualitäten. Die zwei jüngsten Titel wertet er als deutliches Signal, dass da mehr Begabung und Interesse da ist.

Premiere im Cusanus-Haus

Und der Bursche will noch mehr. Aktuell arbeitet er an einem neuen 30-Minuten-Programm zum Thema Afrika. Zeigen will er es wohl bei einer Gala, die im Frühjahr im Birkacher Nikolaus-Cusanus-Haus stattfinden soll. Ja, und dann muss sich auch ein Zauberer ganz irdischen Themen widmen. Finn Bollheimer: „Bisher habe ich das Zaubern hauptsächlich und die Schule nebenbei gemacht. Das werde ich fürs Abi umdrehen“, sagt er. Da hilft dann auch keine Magie mehr.

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