Keine Scheu vor der großen Bühne: Vanessa Buchmann mit Verkehrsminister Andreas Scheuer (Mitte) und dem Bundestagsabgeordneten Steffen Bilger. Foto: privat

Für das junge Politik-Talent Vanessa Buchmann aus Ludwigsburg hat die CDU ihren Reiz. Die 19-Jährige sympathisierte einst auch mit den Grünen, merkte später aber, dass sie mit einigen Programmpunkten der Partei nicht einverstanden war.

Ludwigsburg - Grün ist sexy, grün ist in, das weiß auch Vanessa Buchmann. Obwohl sie sich als Jugendliche auch zur Öko-Partei hingezogen fühlte, entschied sich die 19-Jährige anders. „Das Wertefundament der CDU vertreten viel mehr Leute als es eigentlich wissen“, glaubt Buchmann. Christ-Sein mit dem Glauben an Gott gleichzusetzen, sei nicht mehr zeitgemäß. „Aber jeden Menschen so zu nehmen, wie er ist, das ist doch vernünftig“, sagt Buchmann. Und mit dem Leistungsprinzip, das in vielen Forderungen der CDU zum Ausdruck komme, könnten sich die meisten Menschen in Deutschland auch identifizieren. Die Themen, die allgemein den Grünen zugeschrieben werden, ließen sich auch in der CDU vertreten: alternative Mobilitätskonzepte, Müllvermeidung, Foodsharing, Klimaschutz, zählt Buchmann auf.

Ein Knackpunkt: Die Schulpolitik

Dass Vanessa Buchmann bei den Christdemokraten gelandet ist, war indes purer Zufall. Als 15-Jährige – das war im Jahr 2015, als besonders viele Geflüchtete nach Deutschland kamen – habe sie angefangen, sich für Politik zu interessieren. „Ein Freund hat damals zu mir gesagt: ‚Vanessa, du diskutierst doch gerne und bist gut in Gemeinschaftskunde. Ich bin Mitglied in einer Organisation, da wird auch viel diskutiert.’“ Der Freund lud Buchmann ein, sie kam mit zu einem Treffen – und bemerkte erst da, dass es sich bei der Organisation um die Junge Union (JU) handelt. Sie blieb trotzdem. Und fand, als sie sich näher mit den Standpunkten der Parteien auseinandersetzte, auch ganz konkrete Gründe, die ihrer Meinung nach für die CDU und gegen die Grünen sprachen: Zuvorderst die Schulpolitik. Gemeinschaftsschulen lehnt die 19-Jährige ab. „Ich bin ganz klar für das dreigliederige Schulsystem“, sagt sie. „So bekommt jeder Schüler das, was zu ihm passt.“

Inzwischen ist Buchmann Beisitzerin im Vorstand der JU im Kreis, bei der vergangenen Gemeinderatswahl in Ludwigsburg kandidierte sie auf Listenplatz 23 der Union und erhielt – auch dank engagiertem Wahlkampf in den sozialen Netzwerken – über 7000 Stimmen. Ein paar mehr und es hätte für ein Mandat gereicht. „Aber das wird irgendwann schon noch was“, sagt die Studentin der Kommunikationswissenschaft.

Mit Kramp-Karrenbauer behält die Partei ihr „Mutti-Design“

Dass es ihr auch sonst nicht an Selbstvertrauen mangelt, hat Buchmann unlängst bei einer Podiumsdiskussion mit dem Bundestagsabgeordneten Steffen Bilger (CDU) und Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) bewiesen. Also geht es irgendwann vielleicht auch in den Bundestag? Noch ist die Politik nur ein Hobby, die Karriere könne man nicht so einfach planen, sagt Buchmann. Wie es für sie weiter gehe, sei auch davon abhängig, wie sich die Partei entwickle. „Es hängt auch immer von den Köpfen ganz oben ab.“ Vor allem bei jungen Wählern habe die CDU immer noch „etwas von gestern“. Das müsse sich ändern. Was mit Annegret Kramp-Karrenbauer an der Spitze schwer sei. Die Partei behalte mit der Saarländerin ihr „Mutti-Design“, sagt Buchmann.

Die Idee: Themen emotional aufladen

Einige der Vorwürfe, die der Union – auch auf kommunaler Ebene – gemacht werden, seien berechtigt, findet die Oßweilerin. Dass die CDU in Ludwigsburg zum Beispiel oft nur mit der Forderung nach mehr Parkplätzen in Verbindung gebracht werde, habe sie nach der Gemeinderatswahl selbst angeprangert. Damit junge Wähler zu gewinnen, sei praktisch unmöglich, so Buchmann.

Anders verhält sich das mit den Forderungen der Fridays for Future-Bewegung. Buchmann glaubt aber, dass viele junge Menschen den Ideen „blind hinterherlaufen“ – und sich nicht richtig informieren. Über Kommilitonen und Freunde, die von „SDP“ (statt SPD) und „Greta Thunfisch“ sprechen, kann die 19-Jährige zwar schmunzeln, findet es aber auch erschreckend. Andererseits zeige das Beispiel Klimaschutz, dass man Themen emotional aufladen und über die „richtigen Kanäle“ – sprich das Internet – transportieren müsse, um junge Menschen für Politik zu begeistern. Beides müsse die CDU noch lernen, so Buchmann. Wie es funktioniert, zeigt eine Partei, mit der die 19-Jährige einst auch sympathisierte: „Die Grünen machen das schon ganz gut.“

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