Junge Leute, die mitbestimmen möchten, können sich für einen Posten in einem der Stuttgarter Jugendräte bewerben. Die Gremien sind nach Bezirken aufgeteilt. Foto: Stadt Stuttgart

Wer für die neuen Jugendräte kandidieren möchte, kann sich nun melden. In den Bezirken unterm Fernsehturm werden sich vermutlich genügend Freiwillige für die Gremien finden. Das gilt nicht für alle Teile der Stadt.

Filder - Die Bundestagswahl war etwas für Erwachsene. Anfang 2014 sind die Jugendlichen dran. In den 23 Bezirken der Stadt werden neue Jugendräte gewählt, sie vertreten die Interessen der jungen Stuttgarter. Seit vergangener Woche gilt es nun, Jugendliche für eine Kandidatur zu begeistern. Und das ist offenbar kein Selbstläufer. An manchen Orten in Stuttgart fanden sich vor zwei Jahren nicht genügend Kandidaten.

Anders in den Bezirken unterm Fernsehturm. In Degerloch, Birkach, Plieningen und Sillenbuch haben sich 2011 ausreichend junge Leute gemeldet. Damit dies nun wieder glückt, engagiert sich die Stadt. „Wir werden alle Hebel in Bewegung setzen und alle Möglichkeiten nutzen, um dieses Mal überall genügend Jugendliche zu finden“, sagt Roland Kelm von der Koordinierungsstelle für Jugendbeteiligung. Er ist davon überzeugt, dass es sich lohnt, wenn sich Jugendliche für ihre Belange in einem politischen Gremium einsetzen. „Das ist von unschätzbarem Wert. Das zeigen auch einige Erfolge aus der Vergangenheit.“

Degerloch sucht elf Kandidaten

13 Bewerber werden gesucht

Für elf Jugendliche gibt es in den nächsten zwei Jahren einen Sitz im Jugendrat Degerloch. Um eine gültige Wahl abhalten zu können, werden 13 Bewerber gesucht. „Vor zwei Jahren war es eine ziemlich knappe Nummer, aber diesmal bin ich hoffnungsvoll, dass wir auf jeden Fall genügend Kandidaten haben“, sagt Katharina Ditte. Ditte hat ihren Posten als Sprecherin des Degerlocher Gremiums sowie den als Sprecherin des gesamtstädtischen Jugendrats wegen ihrer Ausbildung erst kürzlich abgegeben.

„Wir waren eine sehr gemischte Truppe mit Leuten aus der Fritz-Leonhardt-Realschule, dem Wilhelms-Gymnasium und anderen Schulen aus der Stadt“, erzählt Ditte. In ihren Jahren als Sprecherin haben sie und der Jugendrat Degerloch eine ehrenamtliche Nachhilfe für Lernbedürftige Schüler auf die Beine gestellt und mit dem gesamtstädtischen Gremium den Nachtbusverkehr verbessert. Letzteres ist Ditte besonders wichtig: „Wenn sich da niemand weiter drum kümmert, werden der Donnerstagnachtbus und die Nachtbuslinie über Hoffeld wieder abgeschafft.“ Wer dies auf keinen Fall zulassen will, sollte sich als Kandidat aufstellen lassen.

Katharina Ditte versucht Interessierten die Angst vor den Aufgaben zu nehmen. „Man muss keine politischen Vorkenntnisse oder Ähnliches haben“, sagt sie. Es sei kein Problem, die Schule und das politische Ehrenamt nebeneinander zu stemmen. „Es macht riesigen Spaß, und man macht tolle Erfahrungen“, sagt sie.

Sillenbuch hat bisher drei Bewerber

Optimismus hinsichtlich der Kandidatensuche

In Sillenbuch gibt man sich optimistisch hinsichtlich der Kandidatensuche – obwohl es bisher nur drei Bewerber gibt. „Das hat noch nichts zu sagen. Erfahrungsgemäß melden sich die meisten Jugendlichen kurz vor Anmeldeschluss“, sagt der stellvertretende Bezirksvorsteher von Sillenbuch, Hans Peter Klein. In der vergangenen Woche haben die örtlichen Jugendräte bei Schülern für die anstehende Wahl geworben. Zusammen mit Hans Peter Klein tingelten die Nachwuchspolitiker im Geschwister-Scholl-Gymnasium, in der Birken-Realschule und in der Werkrealschule Heumaden durch die Klassenzimmer.

„Der Austausch zwischen den Schulen funktioniert in unserem Bezirk hervorragend“, sagt Hans Peter Klein und verweist auf den bisherigen Jugendrat, bei dem die Mitglieder aus verschiedensten Gruppen kamen. Neben kleineren Projekten – wie einem Jugendtreff oder einer Party – war der gewünschte Skatepark das größte Projekt des jungen Gremiums. Ob daraus etwas wird und die Stadt aus dem anstehenden Doppelhaushalt 2014 und 2015 Geld dafür gibt, entscheidet der Gemeinderat im Dezember. Wie auch immer die Entscheidung ausfällt, der Skatepark wird den nächsten Jugendrat auf jeden Fall beschäftigen. „Es ist unmöglich, ein Großprojekt wie den Skatepark in einer Amtsperiode durchzubringen“, sagt Lukas Klenk, der bisherige Sprecher des Sillenbucher Jugendrats; wegen seines Studiums hat er das Amt vor Kurzem an seine jüngere Schwester Charlotte weitergegeben.

Klenk ist froh, dass er für den Jugendrat aktiv war: „Ich habe am Anfang nicht daran geglaubt, dass der Jugendrat irgendwelchen Einfluss hat, aber ich habe gesehen, dass man was bewegen kann.“ Er hofft auf viele Kandidaten, weiß aber auch, dass sich manche wegen der Verpflichtung sorgen. Er selbst habe das nie so empfunden, im Gegenteil. Er habe sehr viel Spaß gehabt.

Birkach und Plieningen

Das amtierende Gremium für die Stadtbezirke Birkach und Plieningen hat einerseits Projekte seiner Vorgänger weitergeführt, andererseits aber auch neue Ideen auf den Weg gebracht, so zum Beispiel mehrere Fußballturniere und die Teilnahme beim Markttag zum Advent in Plieningen. Außerdem gibt es am Samstag, 26. Oktober, eine Graffiti-Aktion am Grillplatz im Wolfer, bei der die Schmierereien Unbekannter an den Wänden künstlerisch übersprüht werden.

„Jeder kann selbst entscheiden, wie sehr er sich beteiligt“

Im Januar gibt es ein Konzert, bei dem der neue Jugendrat vorgestellt wird. „Das Konzert ist das erste Projekt, das die neuen Kandidaten mit Unterstützung des alten Jugendrats erarbeiten werden“, sagt Andrea Lindel, die neue Bezirksvorsteherin von Plieningen und Birkach. Andere Projekte musste der Jugendrat derweil aufgeben. So wünschten sich viele Jugendliche ein Eiscafé im Bezirk. „Man hat gemerkt, dass ein Projekt wie dieses außerhalb der Möglichkeiten des Jugendrates liegt“, erklärt die Sprecherin Isabelle Wörner.

Ob Anfang 2014 mit genügend Kandidaten zu rechnen ist, möchte momentan niemand einschätzen: „Die Jugendlichen melden sich immer erst um fünf vor zwölf an“, sagt Lindel. Um die Wahl publik zu machen, werden Anfang November Infoblätter an alle Wahlberechtigten versandt. Zudem sind Besuche an den Schulen geplant. In diesem Jahr soll vor allem um Kandidaten aus der Körschtalschule geworben werden. Denn im örtlichen Jugendrat waren seit seiner Einführung im Jahr 2008 fast ausschließlich Schüler des Paracelsus-Gymnasiums Hohenheim. „Wir versuchen dieses Jahr mit Hilfe der mobilen Jugendarbeit Schüler der Körschtalschule für die Kandidatur zu gewinnen“, sagt die Sprecherin Isabelle Wörner.

Den Aufwand im Jugendrat sieht die Schülerin übrigens ebenso gelassen wie ihre Amtskollegen in Degerloch und Sillenbuch: „Jeder kann selbst entscheiden, wie sehr er sich beteiligt“, sagt sie. Bei aller Freiheit: Isabelle Wörner erwartet von den neuen Jugendräten trotzdem, dass sie ihr Amt nicht zu locker nehmen.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: