Robin Rösslein und Verena Vetter haken gewissenhaft jeden Namen im Wählerverzeichnis ab. Foto: Annina Baur

Robin Rösslein macht ein Freiwilliges Soziales Jahr im Bezirksrathaus. Sein wichtigstes Projekt ist der Jugendrat, der zurzeit neu gewählt wird.

Bad Cannstatt - Darf ich auch nur einen wählen?“, fragt eine Schülerin. Robin Rösslein hat die Frage an diesem Tag schon oft gehört, dennoch bleibt er geduldig: „Ja. Du hast maximal 17 Stimmen, kannst aber auch nur eine abgeben.“ Unter 28 Kandidaten können die Jugendlichen in diesem Jahr auswählen, 17 Sitze sind im neuen Cannstatter Jugendrat zu vergeben, der sich in den kommenden zwei Jahren für die Anliegen Jugendlicher einsetzen wird.

Für Robin Rösslein ist der Jugendrat das Hauptprojekt seines Freiwilligen Sozialen Jahrs (FSJ) im Bezirksrathaus. Dabei hat er viel gelernt: „Zuerst habe ich den alten Jugendrat begleitet. Es war schwer, die Jugendlichen in den letzten Wochen ihrer Amtszeit zu motivieren.“ Zeitgleich begann Rösslein die Neuwahlen zu organisieren. Zusammen mit einem Team ist Rösslein in den vergangenen Monaten durch alle Cannstatter Schulen getourt, um die Werbetrommel für das ehrenamtliche politische Engagement zu rühren. Was zäh begann, war in Bad Cannstatt sehr erfolgreich: „Am Anfang hatten wir nur wenige Kandidaten“, sagt Rösslein. Letztlich haben sich in Bad Cannstatt aber 28 Kandidaten aufstellen lassen, 19 wären mindestens nötig gewesen. Nur in elf Stadtbezirken wurden genügend Kandidaten für ein Jugendparlament gefunden.

Die Schüler wählen das erste Mal

Nun klappern Rösslein, seine FSJ-Kollegin Verena Vetter, der stellvertretende Bezirksvorsteher Joachim Kübler und zwei Mitarbeiterinnen des Bezirksrathauses mit der Wahlurne noch einmal die Cannstatter Schulen ab. Gewissenhaft haken sie im Wählerverzeichnis jeden Namen ab und händigen die Wahlzettel samt Umschlag aus. Ab und zu raunen sie den Jugendlichen in der Wahlkabine zu, nicht nur nach dem Aussehen zu entscheiden und ermahnen, keine Beleidigungen auf die Zettel zu notieren.

Davon abgesehen läuft alles ab wie bei Kommunal-, Landtags-, Bundestags- oder Europawahlen. Für die Siebtklässlerinnen Selenia und Funda ist es die erste Wahl ihres Lebens. „Es ist wichtig, wählen zu gehen. Und ich war neugierig, wie alles abläuft“, sagt Selenia. Sie hat drei Stimmen vergeben, ihre Freundin Funda sogar nur eine. „Ich habe mir auf dem Plakat die Ziele der Kandidaten durchgelesen“, sagt Funda. Für ihre Entscheidung war den Mädchen wichtig, dass sich die Kandidaten für einen besseren Dialog zwischen Jugendlichen und Erwachsenen sowie zwischen den verschiedenen Kulturen stark machen.

Klausurtagung zum Kennenlernen

Von Jahr zu Jahr beteiligten sich mehr Jugendliche an den Jugendratswahlen, beobachtet Joachim Kübler. Er hofft auf mehr als 25 Prozent. „Immer mehr Jugendliche wählen per Brief.“ An den Cannstatter Schulen können erstmals auch Jugendliche aus allen anderen Stadtbezirken ihre Stimme abgeben und andersherum.

Bis Ende Januar ist das Wahlteam unterwegs, am 31. Januar wird ausgezählt. Für den Jugendrat und Robin Rösslein geht dann die Arbeit richtig los: „Mitte Februar gibt es für die neuen Jugendräte eine allgemeine Einführungsveranstaltung. Danach fährt der Cannstatter Jugendrat alleine für ein Wochenende nach Tübingen“, sagt Rösslein. Er hat diese Klausurtagung organisiert, bei der sich die Nachwuchspolitiker besser in verschiedenen Seminaren kennenlernen sollen.

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