Wenn Wirtschaft und Feuerwehr Hand in Hand gehen, nutzt dies beiden Seiten. Foto: Gottfried Stoppel

Das Projekt „Jugendfeuerwehr trifft Industrie“ ist für den Förderpreis Helfende Hand des Innenministeriums nominiert. Die Wehren kooperieren mit Firmen – und beide Seiten haben davon einen Nutzen.

Rems-Murr-Kreis - Einige Drehungen am kleinen Handrad des Apparats – schon ist die Leine aufgewickelt. Die jungen Feuerwehrleute aus Plüderhausen sind stolz auf das Gerät, das vor ihnen auf dem Tisch steht. Die Wickelvorrichtung für Feuerwehrleinen haben sie mit Lehrlingen der Firma Bahmüller entwickelt und gebaut. „Damit geht das Aufwickeln bestimmt doppelt so schnell wie ohne Maschine“, erklärt Georg Spinner, der Vorsitzende des Kreisfeuerwehrverbands Rems-Murr.

Wie rasch und wie präzise das 30 Meter lange Seil, das jeder Feuerwehrmann und jede Feuerwehrfrau bei sich trägt, gewickelt ist, scheint eine Nebensächlichkeit zu sein. Doch dieses unscheinbare Stück Ausrüstung kann im Ernstfall Leben retten: Die Wehrleute nutzen es, um den Weg aus brennenden Häusern zu finden oder um sich notfalls abzuseilen. Ginge es irgendwo verloren, könnte das übel enden.

Die Ergebnisse der Kooperation können sich sehen lassen

Entstanden ist der Apparat vor zwei Jahren, im Rahmen des Projekts „Jugendfeuerwehr trifft Industrie“. Seit 2014 haben es rund 70 Mitglieder von Jugendfeuerwehren im ganzen Landkreis durchlaufen. Die Kooperation mit der IHK Rems-Murr ist jetzt für den Förderpreis „Helfende Hand“ des Bundesinnenministeriums nominiert.

In Zusammenarbeit mit den Azubis von Firmen aus der Region erarbeiten die Nachwuchsretter nütz­liche Ausrüstungsgegenstände. Neben der Wickelmaschine waren das bisher zum Beispiel Wasserspiele, bei denen die Spieler einen Ball mit dem Strahl aus einem Feuerwehrschlauch durch einen Parcours treiben müssen – ideal, um auf Festen für die Feuerwehr zu begeistern.

Ein anderes Ergebnis sind drei ganz besondere Koffer: Durch Solarpanels gespeist, können die jungen Wehrleute darin auf Freizeiten die Akkus ihrer Smartphones aufladen. Andere Projektgruppen haben Schwenkgrills gebaut – ein Muss für eine gelungene Feuerwehrfreizeit. Eine andere Jugendwehr hat Wagen gefertigt, auf denen sie sämtliche Ausrüstung transportieren kann, die für ihr Jugendabzeichen nötig ist. „Die Ergebnisse begeistern mich richtig“, sagt der Projektleiter Daniel Bahner.

Auch als Azubis sollen die Teilnehmer der Feuerwehr erhalten bleiben

„Das Projekt ist eine Win-Win-Situation für beide Seiten“, sagt der Kreisvorsitzende Georg Spinner. Auch die teilnehmenden Firmen tragen einen Nutzen davon: Sie lernen potenzielle künftige Lehrlinge kennen. Diese können vor den möglichen späteren Chefs zeigen, was sie können – und zwar auch diejenigen, die sich in klassischen Bewerbungssituationen oder bei den Schulnoten sonst weniger hervortun.

Der 16-jährige Sebastian Blessing aus Plüderhausen hat nach dem Projekt mit der Firma Bahmüller dort eine Lehre zum Industriemechaniker begonnen. „Das Projekt mit den Lehrlingen hatte mir einen echten Einblick verschafft“, meint er – sein Beispiel ist nicht das einzige.

Ein Nebeneffekt des Projekts: Die erwachsenen Feuerwehrleute knüpfen Kontakte zu den Abteilungsleitern in den Firmen. Spinner ist überzeugt: „Das Verständnis für die Feuerwehr ist größer geworden.“ Dass die ausgewählten Partnerfirmen immer in den Orten der einzelnen Jugendfeuerwehren ansässig sind, ist kein Zufall: Auch als Lehrlinge sollen die Projektteilnehmer der Wehr erhalten bleiben – und, wenn nötig, zu Einsätzen oder Lehrgängen abberufen werden können.

Hauptpreis: Der Förderpreis des Bundesinnenministeriums ist in verschiedenen Kategorien mit insgesamt 40 000 Euro dotiert. Teilnehmen dürfen nur ehrenamtliche Organisationen des Bevölkerungsschutzes. Die Verleihung ist am 27. November.

Publikumspreis: Das Projekt „Jugendfeuerwehr trifft Industrie“ ist auch für einen Publikumspreis nominiert. Derzeit liegt es klar in Führung. Abgestimmt werden kann im Internet unter der Adresse www.helfende-hand-foerderpreis.de

Projekt: An der Initiative aus dem Rems-Murr-Kreis haben sich bislang die Firmen Kärcher, Stihl, Bahmüller und Erkert beteiligt – viele mehrmals. Neu an Bord ist TRW Automotive aus Alfdorf – mit dieser Firma wird eine Schlauchwickelmaschine gebaut.

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