Ab jetzt zieht Wir-sind-Helden-Sängerin Judith Holofernes allein in die Welt. Ihre Waffe ist „Ein leichtes Schwert“. Am Ende war ihr der Helden-Harnisch ein wenig schwer geworden.

Ab jetzt zieht Wir-sind-Helden-Sängerin Judith Holofernes allein in die Welt. Ihre Waffe ist „Ein leichtes Schwert“. Am Ende war ihr der Helden-Harnisch ein wenig schwer geworden.

Berlin - „Ich muss wieder ein leichteres Schwert führen.“ Zu dieser Einsicht kommt Judith Holofernes, als die Popband Wir sind Helden vor mehr als zwei Jahren ihr vorläufiges Ende beschließt. Das heißt für die Ex-Frontfrau aber nicht, sich in die Hängematte fallen zu lassen. Am Freitag erscheint mit „Ein leichtes Schwert“ das erste Solo-Album der Berlinerin.

„Die Plattenaufnahmen waren unanständig leicht und unkompliziert, schnell und spontan“, sagt Holofernes der Nachrichtenagentur dpa. Die Helden seien, obwohl es sehr viel Spaß gemacht habe, „immer eine umständliche Band“ gewesen. Damit meint sie den basisdemokratischen Ansatz, dass jedes der vier Mitglieder über alles mitbestimmte.

Pola Roy: "Den hatte ich zu Hause"

Für ihre neue Scheibe macht die Heldin a. D. das meiste allein: Songs texten, komponieren, Instrumente einspielen. „Es war sehr schön nach langer Zeit mal eine Platte zu machen, bei der ich mich mit niemandem absprechen musste.“ Nur Ehemann Pola Roy - selbst Schlagzeuger bei den Helden - ist mit von der Partie. „Das war naheliegend, weil ich den schon zu Hause hatte“, witzelt sie.

Auf „Ein leichtes Schwert“ soll nichts mehr schwer sein. Denn: Schwer war es am Ende mit den Helden. Auf Tour hatte das Paar Holofernes-Roy die beiden Kinder dabei. Manchmal ging es direkt von der Bühne zum Stillen. Mit der letzten Platte „Bring mich nach Hause“ (2010) war nach zwölf Jahren die Helden-Geschichte vorerst auserzählt.

"Hummeln im Hintern"

Danach beginnt Holofernes zu schreiben: Es entstehen ein Blog und Gedichte. Die Auszeit von der Musik aber dauert nicht lang. „Ich bin jemand, der ordentlich Hummeln im Hintern hat“, sagt sie. Kein Hausmütterchen, das es sich gemütlich macht. Sie findet ihre Balance zwischen Familie und Beruf, „zwischen Autos auf dem Teppich hin und her schieben und Gitarre spielen“. Als der Druck raus ist, fließen auch wieder die Ideen. Und die Muße rückt in den Fokus.

„Nichtstun und Müßiggang sind Themen, die mich schon lange begleiten“, sagt sie. So beginnt dieses klassische Pop-Album aus Country- und Rockabilly-Anleihen denn auch mit „Nichtsnutz“, einem wortreichen Plädoyer für die Freizeit. In „Liebe Teil 2 - Jetzt erst recht“ geht es um eine Beziehung, in welcher der Alltag eingezogen ist: „Du sagst, ich sehe doch toll aus, ich sag, Mann, lass mich in Ruhe.“ Es ist ein träumerisches Liebeslied für die Zeit, in der mit dem Nachwuchs die Romantik in den Hintergrund getreten ist.

Nicht mehr ganz so wortgewaltig

Schade ist, dass die Texte der 37-jährigen Wortakrobatin nicht mehr ganz so geistreich und witzig federn wie früher. Heute besingt sie meist nur alltägliche Kinkerlitzchen. Die besseren Songs klingen nach dem Helden-Debüt „Die Reklamation“ (2003) - wie zum Beispiel das titelgebende „Ein leichtes Schwert“. In den schwächeren Momenten nervt Holofernes ein wenig mit ihren arg gewollten Plappereien.

Sie hat einmal verraten, dass sie früher recht dünnhäutig auf Kritik reagiert habe. Das sei jetzt aber anders: „Anstatt zu warten, was die Welt sagt, bin ich im Kopf schon wieder längst bei den Sachen, die ich als nächstes machen will“, sagt sie. Die Zeit bis dahin kann man mit „Ein leichtes Schwert“ gut überbrücken. Oder man greift etwas wehmütig ins Plattenregal und zieht ein altes Helden-Album hervor.

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