Judith Holofernes beim Auftritt im Wizemann Foto: Lichtgut - Oliver Willikonsky

Mit viel Indierock, einem Schuss NDW-Pop, etwas Chanson und Kleinkunst: Judith Holofernes ist begleitet von dem Songwriter Teitur am Freitag im Wizemann in Stuttgart aufgetreten.

Stuttgart - Da hat es aber mächtig gefunkt zwischen Judith Holofernes und Teitur Lassen. Nicht nur ihr zweites Soloalbum „Ich bin das Chaos“ komponierte die Sängerin der deutschen Popband Wir sind Helden mit ihrem Kollegen von den Färöer-Inseln, auch auf ihrer aktuellen Tournee spielt er eine tragende Rolle. Ein halbes Stündchen zeigt der bärtige Barde am Freitagabend in der mit 400 Besuchern nicht übermäßig stark bevölkerten Wizemann-Halle seine Qualitäten als unprätentiöser Songpoet; dann assistiert er als Mitglied einer sechsköpfigen Band seiner Chefin – in explizit wechselnder Tonlage. Mit viel Indierock, einem Schuss NDW-Pop, etwas Chanson und Kleinkunst geht es nun durch das Lebensgefühl der Judith Holofornes, eingefangen in sehr speziellen Texten, herausgesungen mit noch speziellerem Organ, das jegliche Stimmschulung konsequent verweigert.

Judith Holofernes kokettiert ständig mit irgendetwas

Lyrik, Poesie, Wortspiele und gestelzte Befindlichkeitsbeschreibungen verwebt Holofernes zu Liedern, die sich der Freiheit auf ein selbstgestaltetes Leben widmen, der Lust, im Ungefähren verweilen zu wollen. Viel mehr als nur Popmusikerin ist die 41-Jährige aus Berlin eben einfach (Lebens-)Künstlerin, die hier einen Blog betreibt, da schriftstellert, dort ein Kinderbuch dichtet und damit das Gefühl von Menschen trifft, die das Funktionieren in einer monochromen Biografie satthaben. Allerdings verfolgt sie ihr Ziel auf merkwürdig geschraubte Art. Ständig kokettiert Holofernes in ihrer Musik mit etwas, kommentiert oder ironisiert die Welt und sich selbst, nimmt Posen ein und manchmal auch Haltungen, betreibt einen immensen Aufwand, um das zu tun, was Teitur weit unkapriziöser gelingt: einfach sich selbst zu sein.

Das Unkapriziöse wirkt wie eine Inszenierung

Dann sieht man am Merchandisingstand das Cover von „Ich bin das Chaos“, und der Widerspruch bekommt ein Gesicht – ihr eigenes: In einem Kleid mit Leopardenmuster posiert Judith Holofernes da für die Kamera, verweigert aber mit weggedrehtem Kopf den Blick in die Linse. Ein Schnappschuss mit Zufallscharakter? Natürlich nicht, sondern der wohlinszenierte Versuch, alles gleichzeitig zu sein: öffentliche und private Person; dazugehörige Unschärfemomente inklusive.

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