Joy Denalane trat am Samstagabend im Stuttgarter Wizemann auf. Foto: Lichtgut/Verena Ecker

Joy Denalane erinnert im Wizemann charmant an vergangene Zeiten, bewegt sich aber nur zaghaft in ihre musikalische Zukunft.

Stuttgart - Es ist eine besondere Beziehung zwischen Joy Denalane und der Stadt. Ein paar Jahre nur verbrachte sie in Stuttgart, und es ist schwer zu sagen, wer was mehr beeinflusst hat: sie das popmusikalische Flair im Kessel oder umgekehrt. Sicher ist: Joy Denalane hat einen Freundeskreis hier, und sie hat Spuren hinterlassen. Gut eineinhalb Jahrzehnte liegt das nun zurück, aber wenn die Berliner Sängerin immer mal wieder dorthin zurückkommt, wo ihre Karriere so richtig begann, dann ist das wie die Heimkehr einer verlorenen Tochter, ihr Auftritt mehr als nur ein Konzert, eher schon ein Event, an dem man sich zeigt. Im mit gut 1200 Besuchern quasi ausverkauften Wizemann ist diese Atmosphäre am Samstagabend fast mit Händen zu greifen. Eine aufgekratze, fast schnatterhafte Stimmung herrscht im Saal, der Hipsterfaktor liegt im gehobenen Bereich.

Aus der Tochter von einst ist indes eine erwachsene Bühnenpersönlichkeit geworden, die sich gerne an die Vergangenheit erinnert – im Wizemann explizit auch an einstige „Zapata“-Nächte –, zugleich aber nach Neuland sucht. „Himmel berühren“ zeigt zu Beginn, wie gut der Musik im Idealfall die Elektronik steht, die sich auf dem aktuellen Album „Gleisdreieck“ in die Arrangements mischt. Stylish klingt das und erinnert ein wenig an den Edelsoul von Sade. Apart in synthetischen Klangfarben oszilliert auch „Hologramm“, während die Prince-Hommage „RotSchwarz“ ein etwas zu plakatives Rockgitarrensolo auswalzt.

Doch der Aufbruch zu neuen Ufern bleibt überwiegend halbherzig. Zu oft verharrt die Bühnenversion dieser Musik in wohltemperiertem Wellness-Soul, zu sehr scheut Denalane den Schritt von der nachdenklich-sensitiven Soulsängerin hin zur selbstbewussten Black-Music-Persönlichkeit, die Dringlichkeit statt Betroffenheit zu ihrem Thema macht, HipHop und modernen R&B wirklich anpackt als ihn nur dezent anzuteasern. So liegt eher die Nestwärme, die der Freundeskreis einst spendete, über diesem Auftritt – der Abend wird mehr zur gegenseitigen Rückversicherung zwischen Musikerin und Publikum über eine gemeinsam in der Sorglosigkeit der späten 90er-Jahre verbrachte Stuggi-Zeit als zu einem Konzert, das am Puls der Zeit musiziert.

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