Anlässlich einer Gerichtsverhandlung halten vor dem Justizgebäude Aktivistinnen Bilder des Multimillionärs Jeffrey Epstein hoch. Foto: AFP

Nach dem mutmaßlichen Selbstmord des einstigen Investmentbankers Jeffrey Epstein kommen immer mehr Details zu den Vorwürfen gegen ihn ans Licht. Demnach hat er andere junge Frauen als Lockvogel bezahlt.

New York - Der Multimillionär Jeffrey Epstein war unter anderem mit Donald Trump und Bill Clinton befreundet - und hütete jahrelang ein dunkles Geheimnis. Der 66-Jährige, der am Samstag tot in seiner Gefängniszelle gefunden wurde, soll dutzende Mädchen missbraucht und zum Sex mit anderen Männern gezwungen haben. Trump sagte 2002 über seinen damaligen Freund Epstein, dass der Banker „schöne Frauen“ möge und viele von ihnen „jünger“ seien. Heute ist klar, dass Epsteins Opfer nicht „jünger“, sondern minderjährig waren.

2002 galt Epstein noch als genialer Investmentbanker, der nicht nur reich, sondern auch extrem gut vernetzt war. Er lud aber nicht nur Politiker und Prominente in seine Luxus-Wohnsitze in Palm Beach und New York ein: Dutzende Frauen werfen dem gebürtigen Brooklyner vor, sie als Schülerinnen oder Studentinnen in seinem „Massage“-Salon missbraucht zu haben - teilweise mehrmals am Tag.

Wirtschaftlich benachteiligte Minderjährige als Opfer

Um die Mädchen anzuwerben, heuerte Epstein andere junge Frauen an, die oft nicht viel älter waren als sie selbst, und die den ehemaligen Mathematik-Lehrer als Wohltäter priesen. Die damals 14-jährige Jennifer Araoz wurde vor ihrer New Yorker Schule von einer jungen Frau angesprochen, wie Araoz im Sender NBC berichtete. „Er hat mir geholfen“, sagte die junge Frau über Epstein und stellte der Schülerin einen Job in der Unterhaltungsindustrie in Aussicht.

Epsteins Opfer seinen vor allem „wirtschaftlich benachteiligte, minderjährige Mädchen“ gewesen, bestätigte der Staatsanwaltschaft Geoffrey Berman aus Manhattan. Wie die Zeitung „Miami Herald“ berichtete, führte Epstein ein „kleines schwarzes Buch“, in dem am Ende die Namen von mehr als hundert Mädchen standen.

Angebliche zahlreiche Helferinnen

Termine mit den Mädchen wurden übereinstimmenden Angaben zufolge von Anwerberinnen, Haushaltsgehilfen und Epsteins Sekretärin geführt. Sie kümmerten sich auch um die Anreise - oft mit Epsteins Privatjet - und die Bezahlung - üblicherweise 200 bis 300 Dollar pro Besuch. Bei den Treffen sollen die Mädchen immer nackt gewesen sein, meist kam es zum Sex.

Mehrere Frauen haben ausgesagt, dass sie vergeblich versuchten, Epstein zurückzuweisen. „Ich hatte große Angst und ich habe ihm gesagt, dass er aufhören soll“, sagte Araoz über ein Treffen, bei dem sie nach eigenen Angaben von Epstein vergewaltigt wurde. „Er hat nicht aufgehört.“

Trump und Clinton weisen Unterstellungen zurück

Virginia Roberts, ein weiteres mutmaßliches Opfer, sagte vor Gericht, sie habe sich „sehr“ vor Epstein gefürchtet. „Wenn ich ihn verlassen hätte, hätte er mich töten oder entführen lassen können. Ich war mir immer sicher, dass er dazu imstande gewesen wäre“.

Roberts und andere Frauen haben angegeben, dass Epstein auch Freunde und Bekannte mit jungen Frauen versorgte. Epstein habe ihr gesagt, dass die anderen Männer ihm dann etwas „schuldig“ seien, dass er sie „in der Tasche“ habe, berichtete Roberts. Trump und Clinton haben bestritten, sexuelle Dienstleistungen der Mädchen in Anspruch genommen zu haben. Clinton erklärte, er habe nichts von den „schrecklichen Verbrechen“ gewusst.

Epstein wurde bereits 2008 wegen der Prostitution junger Frauen zu 13 Monaten Gefängnis verurteilt. Die Ermittlungen wurden wieder aufgenommen, als der „Miami Herald“ die fragwürdigen Umstände aufdeckte, unter denen damals eine Vereinbarung mit der Staatsanwaltschaft zu Stande gekommen war. Im Juli wurde Epstein erneut festgenommen, im Falle einer Verurteilung hätten ihm nun bis zu 45 Jahre Haft gedroht.

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