Angreifbar und verletzbar: Daniel Craig schuf einen ganz neuen James Bond. Foto: AP

Daniel Craig spielt auch den nächsten James Bond. Ist das wichtig? Ja, findet unser Kommentator Tim Schleider.

Stuttgart - An dieser Stelle werden jeden Tag zentrale Ereignisse des Weltgeschehens kommentiert. Es wird nun viele Menschen geben, die sagen, die Nachricht, Daniel Craig spiele auch im nächsten James-Bond-Film wieder 007, den Agenten Ihrer Majestät mit der Lizenz zum Töten, zähle nicht zu den zentralen Ereignissen. Noch dazu komme der Film eh erst im November 2019 ins Kino. Aber offen gestanden: Wir sind ganz anderer Meinung. Die James Bond-Filme begleiten uns seit frühester Kindheit. Irgendwann waren wir alt genug, das Frühwerk von „Dr. No“ bis „Man lebt nur zweimal“ im Fernsehen zu studieren, und irgendwann waren wir dann noch einen Tick älter und konnten zu „Moonraker“ ganz offiziell ins Kino.

Verschärfend kommt hinzu, dass seit dem Erscheinen des britischen Schauspielers Daniel Craig in der Hauptrolle (2006 in „Casino Royale“) die Filmreihe neue Qualität erlangt hat. Zuvor waren die Bond-Filme ja (was auch seinen Reiz hatte) mehr so knallbunt-scheppernde Agenten-Kindergeburtstage mit begrenzter Logik, aber dafür vielen technischen Gimmicks und auf ihren High Heels vom Pool zum Bett stolzierenden Bikini-Bomben. Dank Craig wurden die Bonds nun gut komponierte, auch psychologisch abgründige Thriller. Der Brite schuf einen Null-Null-Sieben, der auch angreifbar und verletzbar ist, der in jeder Folge tatsächlich scheitern kann. Und wie als Sahnehäubchen obendrauf wurden die Bond-Filme mit ihm auch ein Kommentar zur Zeit, zu den Ängsten und Alpträumen des zusehends von Terror und Autokraten bedrohten Westens. Mithin Popcorn-Kino, wie es besser nicht sein kann.

Macht Christoph Waltz als Bösewicht weiter?

Nachdem die Fans nun wissen, dass Craig wieder im Boot ist, kommt natürlich die nächste spannende Frage: Bleibt auch beim Bösewicht alles beim Alten? Man munkelt in Fachkreisen, Christoph Waltz habe schon vor zwei Jahren einen Vor-Vertrag unterschrieben, darin aber selbst eine Bedingung gestellt: Er sei nur dabei, wenn Daniel Craig wieder sein Antipode werde. Was ja nun geklärt ist. Kommt es also zum erneuten Kampf zwischen Bond und Blofeld? Wer 2015 „Spectre“ gesehen hat, erinnert sich mit Sicherheit: Bond verschont zum Schluss das Terror- und Folter-Scheusal, das wehrlos vor ihm auf der Straße liegt. Er hat zwar die Lizenz zum Töten, und er hätte sehr nachvollziehbaren Grund, sie hier auch auszuüben. Aber er überlässt Blofeld den Organen des demokratischen Rechtsstaates. Das war am Ende eines großen Films eine große Botschaft. Soll und kann es an dieser Stelle jetzt einfach weitergehen?

Regisseur Mendes könnte Filmgeschichte schreiben

Da kann man nur hoffen, dass es in zwei Jahren auch an der dritten wichtigen Position des Produktionszettels zu einem Wiedersehen kommt: Dass nämlich der Bond-Regisseur nach „Skyfall“ (2012) und „Spectre“ auch bei „Bond 25“ Sam Mendes heißen wird. Der Brite ist einer der schlauesten Köpfe des jüngeren Kinos („American Beauty“, „Road to Perdition“), hat sich nach eigenen Angaben mit den beiden 007-Filmen aber völlig verausgabt und eigentlich schon abgewunken. Aber vielleicht kann Produzentin Barbara Broccoli ein bisschen zaubern und Mendes sieht doch noch die Chance? Ähnlich wie Christopher Nolan mit seiner „Batman“-Trilogie könnte es Mendes schaffen, mit dann drei Bond-Thrillern dem derzeit laufenden Jahrzehnt einen künstlerischen Spiegel vorzuhalten. Es könnte ein Stück Filmgeschichte werden.

Aber nur nochmal fürs Protokoll: So wichtig wie die Autokrise oder Donald Trump ist das natürlich nicht. Das Kino ist einfach nur ein Ort, der uns helfen kann, all die neuen Nachrichten zu Krisen und Präsidenten in einem anderen Licht zu sehen. Wir brauchen das.

Tim.Schleider@stzn.de

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