Der Göppinger Sprudel war schon seit längerem in Schieflage. 2019 ist er vollends „umgekippt“. Foto: Pflüger/Archiv

Es gibt Schlagzeilen, die nur ein einziges Mal oder nur für kurze Zeit aufploppen. Es gibt aber auch Themen, die das ganze Jahr über wichtig waren – und die mutmaßlich auch das Jahr 2020 beherrschen werden.

Kreis Göppingen -

Geduldsspiel um den Albaufstieg der A 8 Das Geld ist da, die Pläne ebenfalls und mittlerweile hat sogar das Verfahren begonnen, in dessen Verlauf die Entwürfe endgültig festgeklopft werden sollen, um – irgendwann einmal – wirklich bauen zu können. Bis die ersten Fahrzeuge den neuen Albaufstieg der Autobahn 8 benutzen werden, werden allerdings noch etliche Jahre ins Land ziehen. Anders als immer wieder angekündigt hat das Stuttgarter Regierungspräsidium (RP) den Planfeststellungsbeschluss in diesem Jahr nicht mehr gefasst. Für den abermaligen zeitlichen Verzug gibt es eine Reihe von Gründen: So sind 3000 Einwendungen gegen das Vorhaben eingegangen, die im September bei einem Erörterungstermin in Gruibingen – zumindest ansatzweise – besprochen wurden. Auch dabei zeigte sich, dass die vorgesehene Streckenführung der größte Zankapfel bleibt. Denn während die Planer nach wie vor ihre E-Trasse mit zwei Tunnels und zwei Brücken favorisieren, macht sich die Bürgerinitiative A 8 Drackensteiner Hang (Drackis) weiterhin für ihre K-Trasse mit einer Brücke und einem Tunnel stark. Ein Kompromiss ist nicht in Sicht. Die Drackis haben bereits angekündigt, den Klageweg anzutreten, sollte die Planfeststellung mit der E-Trasse erfolgen. Dass der neue Alb­aufstieg bis zum Ende des nächsten Jahrzehnts fertig sein wird, darf also bezweifelt werden.

Entlassungen, Umstrukturierungen, Schließungen Die Hiobsbotschaften aus der Industrie im Filstal seit dem Frühsommer schienen kein Ende mehr nehmen zu wollen: Accuride und Hang, Saurer Spring Solution und WMF, Schuler, Allgaier und etliche weitere Unternehmen haben in diesem Jahr angekündigt, Stellen abzubauen, ganze Abteilungen zu schließen oder ihren Laden gleich komplett dicht zu machen. Mehr als 2000 Arbeitsplätze, so hatte es die IG Metall hochgerechnet, könnten allein in ihrer Branche dem sich abzeichnenden wirtschaftlichen Abschwung zum Opfer fallen. Doch klag- und widerstandslos wollten die Beschäftigten diese Ankündigungen nicht hinnehmen. Überall wurde und wird noch protestiert. Mit Erfolg: Bei WMF standen zunächst rund 400 Stellen zur Disposition, später war dann zumeist von 150 Leuten die Rede, die gehen müssten. Und auch beim Pressenhersteller Schuler konnte die Komplettschließung der Produktion fürs Erste verhindert werden. Dass es im nächsten Jahr weitere schlechte Nachrichten geben wird, dass andere Firmen aus dem Stauferkreis ebenfalls über einen erheblichen Personalabbau nachdenken, ist jedoch alles andere als unwahrscheinlich.

Baustress auf den Straßen Bei ungefähr 1 : 15 Millionen stehen die Chancen auf einen gewöhnlichen Lotto-Sechser. Ähnlich hoch war 2019 die Wahrscheinlichkeit, durch den Kreis Göppingen zu kommen und dabei keiner Straßenbaustelle zu begegnen. Ob im Voralbgebiet oder im Schurwald, ob mitten in der Stadt oder auf dem freien Feld: es wurde gebuddelt und gebaggert, gefräst und geteert. Ob Bundes- oder Gemeindestraße: Umleitungen waren an der Tagesordnung. Besonders heftig erwischte es den Göppinger Stadtbezirk Faurndau. Die Durchfahrt auf der B 297 bleibt bis mindestens Ende 2020 gesperrt. Hinzu kamen Baustellen in Richtung Wangen, Rechberghausen und Sparwiesen. Damit mutierten drei weitere Verbindungsachsen zum Nadelöhr. Dass zeitgleich auch noch in Göppingen monatelang an der Jebenhäuser Brücke gewerkelt wurde, machte die Sache nicht besser. Ein Bewohner, der im Faurndauer Ortskern lebt, brachte es im Herbst auf den Punkt: „Wenn sie jetzt auch noch die alte B 10 in Richtung Uhingen sperren, müssen wir per Hubschrauber versorgt werden.“

Es sprudelt nicht mehr Kaum vorstellbar, aber wahr: Die jahrhundertelange Mineralwasser-Zeit im Stauferkreis ist Geschichte. Nachdem die Firma Aqua Römer bereits im Sommer bekannt gegeben hatte, ihren Standort in Göppingen-Jebenhausen zu schließen, trudelte nur wenig später die Überkinger-Abfüllung im gleichnamigen Kurort sogar in die Insolvenz. Alle noch so gut gemeinten Rettungsversuche scheiterten – hier wie dort. Und so sprudeln die scheinbar so beliebten Brunnen, zumindest im großen Stil, nicht mehr weiter. Im kleinen Rahmen soll dem gesunden Wasser aber weiterhin gehuldigt werden. In der Hohenstaufenstadt gibt es Pläne, dem Göppinger Sprudel so etwas wie ein blubberndes Denkmal zu setzen. Was daraus letztlich wird, bleibt abzuwarten.

Der ewig währende Ausbau der B 10 So ziemlich genau vor vier Jahren hätte die B 10 um Geislingen herum fertig sein sollen. Oder sagen wir mal so, es gab 2003 die entsprechenden Ankündigungen seitens des Bundes. Zurück in die jüngere Vergangenheit: Vor gut einem Jahr hieß es, dass der sogenannte Gesehen-Vermerk aus Berlin „demnächst“ erteilt werde. Jetzt, im Dezember 2020, trudelte das ersehnte Papier beim RP in Stuttgart tatsächlich ein. Klar ist allerdings inzwischen, dass bis zum Beginn des Planfeststellungsverfahrens, unter anderem wegen Fledermäusen in einem alten Bergwerksstollen, noch weitere Untersuchungen erforderlich sind. Zudem gibt es eine neue Bürgerinitiative, die den Weiterbau von Gingen bis Geislingen-Ost zwar ausdrücklich begrüßt, die allerdings eine Reihe von Verbesserungen an der geplanten Ausführung fordert. Anders als beim Albaufstieg der A 8 ist der Karren bei der B 10 aber noch nicht völlig verfahren. Ein offenes Rennen ist es aber trotzdem, welche der beiden Hauptverkehrsadern – wenn denn überhaupt irgendwann einmal – als Erstes fertig wird.

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