So soll es sein: Hundehaufen in eine Tüte packen und in den Müll werfen. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Sage und schreibe fünf Millionen Kunststofftüten stellt die Stadt Hundehaltern pro Jahr zur Verfügung. Viele nutzen sie auch für den Kot ihrer Vierbeiner – und werfen sie dann auf Grünflächen.

Stuttgart - Die Zahl ist schier unvorstellbar. 20 Millionen Kunststofftüten hat die Stadt Stuttgart im derzeit gültigen Rahmenvertrag bestellt. Der umfasst vier Jahre zwischen Anfang 2019 und Ende 2022. Mit den Beuteln werden in dieser Zeit die 380 Tütenspender für Hundekot bestückt, die überall im Stadtgebiet stehen. Hundehalter können sie kostenlos nutzen, um die Hinterlassenschaften ihrer Lieblinge einzusammeln und im nächsten Mülleimer zu entsorgen, falls sie nicht selbst etwas dabei haben. So zumindest die Theorie.

Genutzt werden die städtischen Tüten tatsächlich rege. Das zeigt allein schon die hohe Bestellung. Doch dann folgt etwas, was viele Spaziergänger, Anwohner und auch Hundebesitzer nicht verstehen: Der Haufen wird säuberlich verpackt – und die Tüte dann einfach in die Gegend geworfen. Damit liegt nicht nur der Hundekot auf der Wiese oder im Gebüsch, sondern die Kunststofftüte gleich mit. „Bei uns bilden sich manchmal richtige Ablagestellen“, kritisiert der Anwohner einer Grünanlage auf den Fildern. „Das ist eine Riesensauerei.“

Regelmäßig gibt es Ärger in der Stadt wegen Hundehaufen am Straßenrand, auf Wiesen oder in Parks. Und immer häufiger wundern sich Augenzeugen und auch die Zuständigen bei der Stadt über Kot, der zwar eingepackt, aber dann ebenfalls auf dem Boden zurückgelassen wird. Die Tüten gehören in den öffentlichen Mülleimer oder in den Restmüllbehälter, denn Hundekot kann Keime enthalten und krank machen. Besonders auf Weiden und Futterwiesen ist er deshalb kritisch. Dass nicht immer ein öffentlicher Abfallbehälter direkt daneben steht, zieht als Ausrede nur bedingt: Bei mehr als 6000 im Stadtgebiet ist der Weg zum nächsten in der Regel nicht allzu weit.

380 Spender an typischen Ausführstrecken

„Grundsätzlich gilt, dass in Stuttgart die Hundehalter für die Beseitigung des Hundekots verantwortlich sind“, sagt Stadtsprecherin Anna Sendler. Geeignete Tüten dafür gebe es überall für wenig Geld. Die 380 städtischen Spender, deren Kauf und Aufbau jeweils mehrere Hundert Euro kosten, seien eine freiwillige Leistung zur Unterstützung. Sie stehen flächendeckend im gesamten Stadtgebiet, meist im Bereich von Grünanlagen. Manche davon werden ehrenamtlich von Paten betreut und befüllt.

Am Stadtrand, etwa in Wäldern oder an Feldwegen, verzichtet die Stadt meist darauf. Es gibt aber Ausnahmen an bekannten Hundeausführstrecken mit entsprechender Frequenz. Der Eigenbetrieb Abfallwirtschaft (AWS), der sich den Betrieb der Spender mit dem Garten-, Friedhofs- und Forstamt teilt, testet derzeit, ob zusätzliche Spender in den Weinbergen etwas nutzen.

Fünf Millionen Beutel pro Jahr

Das alles hilft freilich wenig, wenn die Beutel wild entsorgt werden. Zumal die Tüten zwar aus recyceltem Kunststoff gefertigt, aber nicht kompostierbar sind. Die fünf Millionen Beutel im Jahr tragen also zum Müllberg bei, was manchen daran zweifeln lässt, ob sie überhaupt sinnvoll sind. Auf dem Markt gibt es inzwischen zwar vereinzelt Alternativen wie etwa Pappschachteln, doch die sind relativ teuer und selten in Gebrauch. Fast immer kommt Plastik zum Einsatz.

Die Stadt will jetzt zumindest verhindern, dass Haufen und Tüte gemeinsam im Grünen landen und die Stadt gleich doppelt verschmutzen. Dafür hat sie sich eine simple Methode ausgedacht, die in manchen anderen Städten schon zur Anwendung kommt. Seit Mai ersetzt sie die bisher schwarzen Tüten nach und nach durch rote. „Durch die auffälligere Farbe soll dem achtlosen Wegwerfen entgegen gewirkt werden“, sagt Anna Sendler. Die Hoffnung lautet: Wer solche Tüten in die Pampa schmeißt, fällt dabei entweder mehr auf oder kommt angesichts des Anblicks vielleicht selbst auf die Idee, dass er da gerade etwas ziemlich Schräges tut.

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