In der Klemme: Kommissar Blochin (Jürgen Vogel) wird wegen dringenden Mordverdachts verhaftet und von seinen Kollegen abgeführt Foto: ZDF/Stephan Rabold

Er ist einer der gefragtesten Filmstars in Deutschland. In der fünfteiligen Krimiserie „Blochin – Die Lebenden und die Toten“ spielt nun Jürgen Vogel einen Ermittler mit dunkler Vergangenheit.

Berlin - Herr Vogel, in „Blochin “ spielen Sie wieder mal einen ziemlich kaputten Typen. Was fasziniert Sie an solchen Figuren?
Weil das oft Grenzgänger sind. Mich fasziniert, dass diese Figuren oft in einem Leben gefangen sind, das ich selber nicht kenne – und da werde ich gerne mitgenommen, einfach aus reiner Neugierde. Film schafft ja die Möglichkeit, eine Welt zu sehen, die du vorher nicht kanntest, und das gilt eben nicht nur für den Zuschauer, sondern auch für den Schauspieler.
Haben Sie den Eindruck, dass solche Rollen Sie verändern?
Auf jeden Fall, es kann das Bild, das du von Menschen hattest, komplett ändern. Einfach weil man Einblicke bekommt, die man zuvor nicht hatte. Davon abgesehen muss eine Hauptfigur ja kein unbefleckter Held sein, sondern darf Macken und Fehler haben. Genau das macht sie ja oft so sympathisch, dass du mit ihr mitleidest – und das ist bei Blochin auch so, denke ich.
Solche Rollen haben Ihnen auch das Image des coolen Typen eingebracht. Ist es schwer, dieser Erwartung immer gerecht zu werden?
Nö, ich spüre keinerlei Druck, irgendwas beweisen zu müssen. Ich mache schon das, was ich gerne mache und wovon ich überzeugt bin. Und zum Image des coolen Typen nur so viel: Auch ich habe Macken und bin manchmal sehr einfältig und langweilig (lacht). Oder anders ausgedrückt: Ich bin sehr ­normal.
Was für Macken haben Sie denn?
Na, zum Beispiel, dass ich ein Hausmeister-Typ bin.
Das müssen Sie erklären.
Ich bin einer, der ordentlich ist, gerne putzt, ein ganz guter Hausmann, würde ich sagen. Ich bin außerdem immer pünktlich und gut vorbereitet, was man vielleicht auch nicht unbedingt erwarten würde.
Also doch kein cooler Typ?
Das müssen andere beurteilen. Mir geht das jedenfalls nicht über die Lippen (lacht).
Werden Sie häufig angequatscht?
Ja, schon, und das freut mich auch ungemein. Besonders, weil das Leute aus allen Generationen sind. Junge Leute haben mich in „Die Welle“ oder „Emil und die Detektive“ gesehen, etwas ältere erinnern sich vielleicht an „Kleine Haie“, das ist schon toll. Oft kommen auch in der Fußgängerzone oder an der Bushaltestelle Leute auf mich zu, die mich noch aus ganz alten Krimis ­kennen oder von den Wiederholungen, die nachts im ZDF laufen. Das finde ich auch ganz schön. Wenn mir so eine alte Omi sagt, dass sie mich als Bösewicht gut fand, geht mir das Herz auf, ganz ehrlich.
Wie ist das, wenn Sie in einer Kneipe oder einem Club auftauchen?
Da gehe ich eigentlich gar nicht mehr hin, das ist schon eine absolute Seltenheit, wenn man mich da sieht. Ich trinke ja auch kaum Alkohol. Kann schon sein, dass ich bei irgendeinem Filmfest mal für eine Stunde in einem Club lande, aber das kommt wirklich selten vor. Mit 47 hast du es irgendwann auch hinter dir, wer geht denn in diesem Alter noch in irgendwelche Clubs. Das habe ich ­alles gehabt, als ich jünger war.
Was machen Sie denn abends so?
Da sind wir wieder beim Stichwort Langweiler (lacht): Ich gucke fern, bereite irgendwas vor, gehe vielleicht essen, ganz normale Sachen eben. Mein Leben ist nicht spannender als das von anderen auch.
Wären Sie gerne wieder jünger?
Nö, jünger war ich ja schon. Aber im Ernst: Das würde mir echt Bauchschmerzen bereiten, das fände ich zu anstrengend. Ich bin gerne 47 und bin auch froh, bestimmte Dinge schon erreicht zu haben. Ich kann Dinge jetzt auch ganz anders genießen als früher, das ist schon ein geiles Gefühl.
Für jemand, der auf die 50 zugeht, sind Sie in sehr guter Form. Wie machen Sie das?
Viel Sport und gesund leben. Ich betreibe seit Jahren Jiu-Jitsu, gehe aber auch viel laufen und mache mein eigenes Fitnessprogramm – völlig ohne Gewichte übrigens. Ich glaube, ich könnte schon meine eigene Fitness-DVD rausgeben. Vielleicht mache ich das ja, wenn es mal nicht mehr so gut bei mir läuft (lacht).
Blochin weiß nicht, wer er ist. Wissen Sie hundertprozentig, wer Jürgen Vogel ist?
Nee, ich finde immer wieder neue Seiten an mir. Meine Neugierde und meine Energie bringen mich auch immer wieder dazu, ­etwas Neues zu entdecken. Ich bekomme manchmal einen regelrechten Energieschub, und der bringt mich dann wohin, wo ich echt nicht gedacht habe, dass ich da lande. Dann denke ich: Schau mal, jetzt gucke ich mir das mal an, ist ja auch ganz interessant. Klar, dass ich mit meiner energetischen Art anderen manchmal auf die Nerven gehe (lacht).
Haben Sie viele Kumpels?
Nö, nicht viele, aber ein paar schon. Ein kleiner, aber feiner Kreis, der über die Jahre gewachsen ist. Der Regisseur von „Blochin“, Matthias Glasner, zählt zum Beispiel dazu.
Lässt man sich von einem engen Freund bei den Dreharbeiten denn überhaupt was sagen?
Unbedingt, zwischen uns gibt es ein großes Urvertrauen, das die Zusammenarbeit ungemein erleichtert. Wir haben es über die Jahre geschafft, eine ganz gute Streitkultur zu entwickeln. Das war auch schon anders, wir haben ja schon einige Sachen zusammen gemacht und sind beide ganz schön sture Stänkerfritzen. Aber mittlerweile läuft das gut, und wir können es hinnehmen, wenn es der andere auch mal nicht so gut findet, was man macht. Dazu kommt, dass ich großen Respekt vor dem Beruf des Regisseurs habe.
Möchten Sie irgendwann auch mal selber Regie führen?
Nicht unbedingt. Wir haben doch gute Regisseure in Deutschland, da brauchen die mich nicht auch noch.

„Blochin – Die Lebenden und die Toten“, ab Freitag, 20.15 Uhr, ZDF Zur Person: Jürgen Vogel

Jürgen Vogel wurde am 29. April 1968 in Hamburg geboren. Nach der mittleren Reife meldete er sich 1986 bei der Münchner Schauspielschule an, brach die Ausbildung aber nach einem Tag wieder ab und zog nach Berlin, wo er zwei Jahre lang in einer Wohngemeinschaft mit dem Schauspieler Richy Müller lebte.

Seinen Durchbruch feierte Vogel 1992 mit Sönke Wortmanns Kultfilm „Kleine Haie“. Inzwischen zählt er zu den gefragtesten Schauspielern Deutschlands und brillierte in Filmen wie „Der freie Wille“ (2006) oder „Die Welle“ (2008).

Vogel ist sechsfacher Vater und lebt in Berlin. (mw)

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