Abba-Musiker und Pferdezüchter: Benny Anderson (links mit Strauß) gratuliert einem Jockey aus seinem Reitstall „Chess Racing“. Foto: Nationaldagsgaloppen

Musical-Film, neue Songs, Hologramm-Tour: Das Comeback von Schwedens berühmtestem Musikexport ist im vollen Gange. Womit sich Abba-Songschreiber und Pianist Benny Andersson (71) darüber hinaus noch die Zeit vertreibt, erzählt er im Interview.

Stuttgart - Das Comeback von Abba, Schwedens berühmtestem Musikexport, ist im vollen Gange: Der zweite Teil des Musical-Films „Mamma Mia!“ läuft derzeit im Kino – bald soll es zwei neue Abba-Lieder und eine Tour mit Hologrammen statt den echten Musikern geben. Womit sich Abba-Songschreiber und Pianist Benny Andersson (71) darüber hinaus noch die Zeit vertreibt, erzählt er im Interview. Nebenher schaut er im Livestream zu, wie eines seiner Pferde namens Sagarit im dänischen St.Leger ein Rennen läuft.

Herr Andersson, dass Sie im Pferderennsport aktiv sind, haben Sie bisher nicht an die große Glocke gehängt, oder?

Nein. Aber es ist mehr als ein Hobby für mich. Ich züchte schon seit 25 Jahren Rennpferde und gucke mir regelmäßig die Rennen an. Ich bin allerdings nur ein kleiner Züchter und überstrapaziere das Ganze nicht. Menschen in Schweden, die an Pferderennen interessiert sind, wissen es, aber nicht die Allgemeinheit. Es ist eh ein Nischensport in meiner Heimat.

Umso erstaunlicher, dass Sie darauf gekommen sind. Hat es mit den Frauen in Ihrem Leben zu tun?

Eigentlich hat es mit dem früheren Ehemann meiner Frau Mona zu tun. Er hat nach ihr eine Rennpferd-Trainerin geheiratet. Mona hat mit ihm ein Kind – wobei, Johan ist kein Kind mehr, er wird dieses Jahr 50. Aber als ich Mona, meine zweite Frau, kennenlernte und sie das erste Mal besuchte, lebte sie im Süden von Schweden nahe Malmö. Es war schön dort. Und ich dachte, wenn ich mir selbst ein Rennpferd zulege, mit der jetzigen Frau vom Ex-Mann meiner Frau, dann haben Johan und ich eine Gemeinsamkeit, über die wir reden können. Dann wäre es als neuer Mann an der Seite seiner Mutter nicht ganz so unangenehm, auf ihn zu treffen, weil wir immer etwas hätten, über das wir uns austauschen könnten. So fing es also an.

Und das hat sich dann im Laufe der Zeit verselbstständigt?

Absolut. Das erste Pferd im Jahr 1982 hieß Secret Amy und war richtig gut. Ich habe seitdem mehr als Hundert Pferde besessen. Momentan sind es 18 Pferde, dazu noch einige Fohlen. Mein Stall heißt übrigens „Chess Racing“.

Wie das Musical, für das Sie und Abba-Kollege Björn Ulvaeus Anfang der Achtziger die Musik geschrieben haben.

Genau. Unser Rennstall-Logo ist passend dazu in Schachbrett-Optik. Ich hatte mal ein Pferd namens Steinway. Und einen Bechstein hatte ich auch mal. Wenn es in den letzten 20 Jahren schon mal ein Pferd mit dem Namen gab, ist es leider nicht gestattet, ein anderes Pferd genauso zu nennen.

Reiten Sie auch selbst?

Nein. Ich nahm einige Jahre Reitunterricht, um zu wissen, wie man mit einem Pferd umgeht. Ich war gar nicht schlecht in der Dressur, aber habe damit aufgehört. Ich will nicht herunterfallen. Ich habe Angst, dass ich mir was breche.

Sie wollen den Rücken des Pferdes schonen.

Ach, Pferde sind stark, das wäre kein Problem für sie. (Benny fummelt an seinem Laptop herum.) Gleich geht es los, und der Stream funktioniert nicht. Ich hasse es, wenn ich vor dem Bildschirm sitze, und das Wi-fi zusammen bricht. Ah, jetzt geht’s. Schauen Sie, das braune Pferd ist Sagarit. Sie könnte heute gewinnen. Vielleicht.

Ist Ihre ganze Familie in die Pferdezucht eingebunden?

Nicht wirklich. Es klingt etwas kompliziert: Aber meine jetzige Pferdetrainerin Jessica ist die Tochter der Frau, die der Ex-Mann meiner Frau geheiratet hat. Das letzte Jahr war nicht gut für Jessica. Ehrlich gesagt, weiß ich nicht mal, ob dieses Pferd eine Chance hat zu gewinnen. Aber ich hoffe es natürlich. Das ist sowieso das Tollste am Pferdesport: die Hoffnung! Speziell, wenn du sie auch züchtest.

Ist der Mann mit den leisen Tönen am Klavier im Privaten eher ein Geschwindigkeits-Junkie?

Nein, aber es ist tatsächlich schon zwei Mal vorgekommen, dass man meinen Führerschein einkassiert hat. Es ist einfach immer verlockend, wenn ich mit meinem Porsche Macan unterwegs bin. Aber ich bemühe mich, jetzt immer ganz entspannt hinterm Steuer zu sein, denn ich will den Führerschein nicht noch einmal abgeben müssen.

Müssen Sie mit dem Pferderennsport im Abba-Jahr kürzer treten?

Ach, nein. Die anstehende Abba-Tour wird zwar riesig, aber man sieht ja nur die digitalen Versionen von uns Vieren. Die Technik erlaubt uns, auf der Bühne zu stehen, ohne wirklich da zu sein. Da kommen die Pferde nicht zu kurz. Und mit dem Hund gehe ich auch noch Gassi.

Das Rennen ist aus. Sagarit ist auf dem fünften Platz. Ihre gesetzten hundert Euro sind futsch.

Ja, aber du kriegst auch für den fünften Platz etwas. Die Plätze eins bis fünf bekommen etwas ausgezahlt. Deswegen will niemand Sechster werden.

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