Grasgrün, aber kein Grasfresser: Das Heupferd ernährt sich vor allem von Insekten, frisst aber auch krautige Pflanzen. Foto: Michael Eick

Obwohl das Grüne Heupferd (Tettigonia viridissima) zu den größten bei uns lebenden Insekten zählt, knabbert es keine Wiesen kahl. Meistens läuft es andersherum – die Schrecke hat das Nachsehen. Vom Gras will sie ohnehin nichts wissen.

Fellbach - Kein Zweifel: ein ausgewachsenes Heupferd zählt zu den größten Insekten bei uns. Mit einer Körperlänge von drei bis vier Zentimetern, den überlangen Sprungbeinen und den großen Flügeln ist es ein größerer Brocken als die meisten Grashüpfer. Doch genau genommen ist das Heupferd mit Grashüpfern nur entfernt verwandt. Während die Kurzfühlerschrecken sind, gehört das Tier mit den körperlangen Fühlern eindeutig zu den Langfühler- oder auch Laubheuschrecken.

Manche dieser meist ziemlich grün gefärbten Arten bleiben zeitlebens auf Bäumen, man bekommt sie also eher selten zu Gesicht. Dafür hört man ihre zwitschernden Gesänge sehr weit. Das Grüne Heupferd ist aber öfter bodennah unterwegs. Es hält sich gerne in Wiesen, auf Trockenrasen oder in den Gärten auf. An Wegrändern sieht man es beim Spazierengang flüchten. Teils wagt es sich sogar in Getreidefelder vor. So kann man ihnen in Fellbach überall begegnen – auf Trockenrasen des Kappelbergs, den Streuobstwiesen Oeffingens oder dem Schmidener Feld.

Wo Wiesen zu oft gemäht werden, hat das Heupferd keine Chance

Einen Haken gibt es allerdings: Wo Wiesen zu oft gemäht werden und Gärten akkurat gepflegt sind, hat das Heupferd keine Chance. Schwäbische Sauberkeit und Kreiselmäher machen der Schrecke das Leben schwer. Für die Entwicklung der Eier ist ein Zeitraum von eineinhalb bis fünf Jahren nötig. Die frisch geschlüpfte Larve sieht fast genau so aus wie das erwachsene Tier, ist aber winzig. Bis sie groß wird, vergehen ein Sommer und ein halbes Dutzend Häutungen. Je öfter der Rasenmäher kommt, desto unwahrscheinlicher ist es, dass sie auch erwachsen wird.

Das ausgewachsene Weibchen ist an einem langen Legesäbel zu erkennen, der geradlinig nach hinten absteht und bis zur Flügelspitze reicht. Mit diesem Bohrer versenkt es befruchtete Eier in den Boden. Zuvor hat es in einer langen Paarung vom kopfüber festgeklammerten Männchen ein Samenpaket übernommen. Die Männchen werden ab Mittag munter und machen mit ausgedehntem Gesang auf sich aufmerksam. Dabei reiben sie die Flügel aneinander. Dieses wohlklingende Zirpen ist oft bis weit in die Nacht hörbar. Meist wird es von erhöhter Warte aus vorgetragen und übertönt in jeder Hinsicht den Gesang der anderen Heuschrecken.

Die Entwicklung der Tiere dauert lang; man findet erwachsene Heupferde erst spät im Jahr

Da die Entwicklung der Tiere lange dauert, findet man erwachsene Heupferde erst spät im Jahr. Sie haben keine Berge von Heu verspeist, sondern sich meist von anderen Insekten ernährt. Das können Fliegen, Raupen oder sogar Kartoffelkäfer sein, womit sie sich bei der Bekämpfung wenig erwünschter Insekten nützlich machen. Ein bisschen Grünzeug knabbern sie zwischendurch auch, bevorzugt krautige Pflanzen. Aber wer weiß, vielleicht machen sie das auch nur aus Alibigründen . . .

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