Gabriele Straßburger versucht auf dem New-New-Festival Partnerschaften für Kärcher zu schließen. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko Foto:  

Das New-New-Festival in Stuttgart soll vor allem eine Bühne für junge Firmen mit frischen Ideen sein. Aber auch Unternehmen wie Daimler, Kärcher und ZF sind dort vertreten. Sie versprechen sich davon vor allem Kontakte.

Stuttgart - Autonome Staubsaugroboter spielen Fußball gegeneinander, Menschen mit Virtual-Reality-Brillen am Kopf tippen wild in der Luft herum, und Roboter bieten sich zum Händeschütteln an: In der Stuttgarter Schleyerhalle wurde in dieser Woche jede Menge technologischer Geist versprüht. Auf dem New-New-Festival trafen sich bis zum Mittwoch Gründer, die Technik als Mittel für ein komfortableres Leben oder als die nächste große Geschäftsidee ansehen. Dabei waren aber auch Unternehmen wie Daimler, Kärcher und ZF. Firmen, die etwas Handfestes wie Autos oder Reinigungsmaschinen herstellen, die seit Jahrzehnten in Baden-Württemberg verwurzelt sind und Tausende Mitarbeiter beschäftigen. Mit anderen Worten: Unternehmen, die man nicht unbedingt mit dem Thema Start-up in Verbindung bringt. Was wollen sie auf dem Festival? Die Absichten der etablierten Unternehmen lassen sich kurz zusammenfassen: Mitarbeiter werben, Präsenz zeigen und dem Unternehmen etwas Gründergeist einhauchen. Aber sie zeigen auch, dass sie auf dem Gebiet der Innovationen voranschreiten.

Moderne Welt des Bodenwischens heißt „connected cleaning“

Kärcher aus Winnenden, bekannt für seine Reinigungsgeräte, hat die Festivalgäste mit einer Virtual-Reality-Brille zu seinem Stand gelockt. Sie nimmt den Kunden in die moderne Welt des Bodenwischens mit, die bei Kärcher „connected cleaning“ heißt, also vernetztes Reinigen. Setzt man die Brille auf, verschwindet die Schleyerhalle komplett aus der Wahrnehmung und wird in der 360-Grad-Rundum-Perspektive zum virtuellen Supermarkt. Darin wird gemessen, wie viele Leute den Markt betreten, ob es gerade regnet und der Boden daher schmutziger sein müsste als üblich. Auf Grundlage dieser Daten wird berechnet, wann die autonom fahrenden Scheuermaschinen und weitere Reinigungskräfte losgeschickt werden müssen.

Es geht dem Unternehmen aber nicht nur darum, sich zu präsentieren. Am Ende stehen Kontakte im Mittelpunkt, egal ob zu potenziellen Mitarbeitern oder zu Start-ups als möglichen Partnern. Dazu biete das Festival eine gute Plattform, denn Partnerschaften einzugehen sei ein längerer Prozess. „Man lernt sich kennen und muss auch schauen, ob es persönlich passt“, sagt Gabriele Straßburger, die bei Kärcher für „New Ventures“, also neue Unternehmensteile und Kooperationen, zuständig ist.

ZF will Anlaufstelle für junge Unternehmen sein

Kontakte stehen auch bei ZF im Mittelpunkt. Start-ups und ihre Ideen kennenzulernen und gleichzeitig auch Anlaufstelle für diese jungen Unternehmen zu sein, ist das Ziel des Zulieferers aus Friedrichshafen. ZF selbst hat Start-up-Erfahrung: Aus einem firmeneigenen Projekt entstand das Start-up Car E-Wallet. Es soll ermöglichen, alle Autokosten – vom Parken über Leihautos bis zur Versicherung – über ein Konto zu verwalten. Dazu arbeite man intensiv an Lösungen zur autonomen Mobilität, etwa mit dem Ziel, dass Lastwagen auf einem Betriebsgelände selbstständig unterwegs sein können, wie die ZF-Vertreterin Corina Tews schildert. Mit diesen Konzepten wolle man auch Mitarbeiter und Partner locken. Tews’ Resümee: Bei einem Start-up-Festival wie dem New-New ist man das erste Mal dabei, aber „das Gefühl ist gut“.

Daimler belegt allein vier Stände auf dem Festival, einen davon mit seinem Lab 1886. „Wir sind hier mehr zu Hause als etwa auf der Automesse IAA in Frankfurt“, sagt Ralf Glaser vom Lab. Vor elf Jahren ging es aus dem Autokonzern hervor, dazu gehört auch der Carsharing-Anbieter Car2go. Mit Chark.me wird gerade eine weitere Lab-1886-Idee in Deutschland ausgerollt, mit der man sich etwa eine Pizza ins geparkte Auto liefern lassen kann. Noch stärker als bei anderen stehe aber das Mitarbeiter-Werben im Mittelpunkt: Die Konkurrenz um die Techniktalente sei enorm, sagt Glaser, „man muss die Leute direkt vor Ort abgreifen. Die Menschen sind das Alleinstellungsmerkmal eines Start-ups.“

Was nehmen die Firmen vom Festival mit? „Die Qualität der Start-ups ist wirklich ausgezeichnet“, sagt Glaser. „Das Gefühl nach dem ersten Mal auf dem New-New-Festival ist sehr gut“, sagt Corina Tews von ZF. Man habe viele interessante Gespräche geführt, heißt es bei Kärcher. Konkretes will aber niemand verraten.

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