Haustierhalter haben eine höhere Lebenszufriedenheit, sie bewegen sich mehr – allein schon wegen des Gassi-Gehens und Kümmerns – und sie haben auch mehr soziale Kontakte. Foto: dpa

In Deutschland ist die Gefahr relativ gering, sich über ein Haustier eine Infektion zu holen. Experten sind sich einig: Knuddeln, Kuscheln und Schmusen mit Hund und Katze sind erlaubt, aber es muss auf die Hygiene geachtet werden.

Hannover/Stuttgart - Für die meisten Menschen sind Haustiere vollwertige Familienmitglieder: Kuscheln mit ihnen gehört dazu. Und häufig sitzt der Hund auf dem Sofa oder die Katze schläft mit im Bett.

Jedoch sollten besonders Schwangere, kleine Kinder und Menschen mit geschwächtem Immunsystem es bei den Zärtlichkeiten mit ihren vierbeinigen Lieblingen nicht übertreiben, um kein gesundheitliches Risiko einzugehen.

Aus Expertensicht ist Küssen verboten. Und auf Streicheleinheiten sollte stets sorgfältiges Händewaschen folgen.

Tod nach Schmusen mit dem Hund

In einem medizinischen Ausnahmefall ist ein Mann in Bremen nach dem Schmusen mit seinem Hund sogar an einer Infektion gestorben. Bei dem 63-jährigen Patienten sei das Bakterium Capnocytophaga canimorsus nachgewiesen worden, das im Hundespeichel vorkommt, berichten die behandelnden Ärzte vom Rotes-Kreuz-Krankenhaus RKK in der Hansestadt.

Der Mann kam im August 2018 mit Anzeichen einer schweren Blutvergiftung ins Krankenhaus. Er starb trotz Behandlung mit Antibiotika rund zwei Wochen später an multiplem Organversagen, schreiben die Ärzte im „European Journal of Case Reports in Internal Medicine“. Der Mann sei zwar zuvor von seinem Hund abgeleckt, aber nicht gebissen worden.

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Haustiere und Gesundheit

„Das enge Zusammenleben von Mensch und Tier erfordert eine strenge gesundheitliche Überwachung der Tiere, damit Erreger, die vom Tier auf den Menschen übertragen werden können (Zoonose-Erreger), erfolgreich bekämpft werden können“, erklärt Lisa Sprague, Mitarbeiterin am Institut für bakterielle Infektionen und Zoonosen des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI, Bundesforschungsforschungsinstitut für Tiergesundheit). Die Tierärztin ist Expertin für bakterielle Erkrankungen wie Francisellen, Brucellen und Yersinien bei Hunden und Katzen.

Zwar gibt es in Deutschland ein Meldesystem für Infektionskrankheiten, jedoch wird nicht in jedem Fall die Quelle entdeckt. Meist bleibe unklar, ob sich ein Patient bei einem anderen Menschen, einem Tier oder durch ein Lebensmittel angesteckt habe, sagt Hendrik Wilking. Der Tierarzt forscht am Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin zum Thema Zoonosen und berät Institutionen.

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Erreger Toxoplasma gondii

In Deutschland sei im Zusammenhang mit Heimtieren der Erreger „Toxoplasma gondii“ wohl am gefährlichsten, erläutert Wilking. „Bei Menschen, deren Immunsystem supprimiert ist, kann eine solche Infektion unter Umständen sehr schwer verlaufen.“ Die Katze ist der Wirt dieses Parasiten. Menschen können sich direkt bei den Katzen anstecken oder wenn sie mit dem Erreger kontaminiertes Fleisch essen.

Problematisch ist eine Neuerkrankung mit „Toxoplasma gondii“ während der Schwangerschaft. Nach einer RKI-Studie machen jährlich etwas mehr als 4000 schwangere Frauen eine Toxoplasmose durch, über 300 Neugeborene kommen mit klinischen Symptomen der Krankheit zur Welt. „Dazu zählen Schäden im neurologischen Bereich“, so Wilking. „Schwangere sollten auf einen hygienischen Umgang mit Katzen achten.“

Borreliose-Infektion

Zudem erhöhten Katzen einer anderen RKI-Studie zufolge mehr noch als Hunde das Risiko für eine Borreliose-Infektion. Wilking: „Die Katzen nehmen die Zecken draußen auf, und sie übertragen sich zum Beispiel beim Schmusen.“

Sollte man wegen der Infektionsgefahren Haustiere komplett abschaffen? „Auf gar keinen Fall“, betont der Experte. Untersuchungen hätten den gesundheitlichen Nutzen für die Besitzer belegt. Haustierhalter haben demnach eine höhere Lebenszufriedenheit, sie bewegen sich mehr – allein schon wegen des Gassigehens und des Kümmerns – und sie haben auch mehr soziale Kontakte.

Meerschweinchen & Co.

Nach Aussage von Maximilian Reuschel von der Tierärztlichen Hochschule Hannover sind schlimme Krankheitsbilder bei der Haltung von kleineren Haustieren wie Meerschweinchen, Hamstern oder Kaninchen nicht zu erwarten. Allenfalls könne etwa ein Kaninchenschnupfen übertragen werden.

Hamster sind häufig von tropischen Rattenmilben befallen. Deren Bisse könnten beim Menschen leichte, rötliche Pusteln hervorrufen. „Bei Wildtieren ist das Risiko einer Zoonose deutlich höher“, erklärt Reuschel. So könnten Igel beispielsweise Hautpilze übertragen. In den USA seien Waschbär-Spulwürmer bei Kindern nachgewiesen worden, die im Sandkasten gespielt hatten.

Info: Was ist Zoonose?

Verursacher: Zoonosen (altgriechisch: „zōon“/Tier und „nósos“/Krankheit) sind von Tier zu Mensch und von Mensch zu Tier übertragbare Infektionskrankheiten, die bei Wirbeltieren natürlicherweise vorkommen. Laut Weltgesundheitsorganisation WHO können die Infektionen durch Viren, Bakterien, Pilze, Protozoen und andere Parasiten (vor allem Würmer) verursacht werden.

Formen: Unterschieden wird in Zooanthroponosen (Wirbeltierkrankheiten, die auf den Menschen übertragen werden) und Anthropozoonosen (Humanerkrankungen, die auf ein Wirbeltier übertragen werden).

Erreger: Beispiele für virale Zoonosen sind: Noroviren, Tollwut, Vogelgrippe, SARS, Schweinegrippe, Ebolafieber, Herpes B. Beispiele für bakterielle Zoonosen sind: Borreliose, Milzbrand, Pest, Salmonellose, Tuberkulose.

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