In der Kindertagesstätte Sportnest werden Kinder von null bis sechs Jahren betreut. Bettina Weinmann (links) und ein Teil ihres Teams: Mechthild Rothfuchs, Susanne Haßmann und die Aushilfe Antonia Kitzelmann. Foto: factum/Granville

In Korntal-Münchingen soll das erste Kinder- und Familienzentrum entstehen. Der Initiator ist der Sportverein Sportplatz, der seit Jahren die Kindertagesstätte Sportnest betreibt. Die Macherin Bettina Weinmann steckt all ihr Herzblut in ihre Visionen.

Korntal-Münchingen - Bettina Weinmann lebt ihren Traum. Mit Herzblut und Engagement und mitunter wenig Schlaf. Und einem Ehemann, der sie erdet. Manchmal, sagt die 59-Jährige, wundere sie sich, wie ihr Team und sie es geschafft haben, eine Sportkita im Stadtteil Münchingen von Korntal-Münchingen zu öffnen, betrieben von einem Träger, der Sport- wie Familienverein ist. Weinmann leitet beides, im Vereinsvorstand sitzen unter anderem ihr Mann und ihre Schwiegertochter. Im Strohgäu ist das Konzept einzigartig, kreisweit zumindest ungewöhnlich. Der MTV Ludwigsburg etwa führt einen Sportkindergarten.

Eigentlich könnte sich die Korntal-Münchingerin zurücklehnen, durchatmen, den Erfolg genießen. Der Sportverein Sportplatz – gegründet 2011 – hat rund 100 Mitglieder. Die Kita Sportnest auf dem Gelände der Flattichschule ist in der Bedarfsplanung der Stadt und hat seit Januar 2014 zwei Gruppen mit 32 Kindern. 2020 sollen es doppelt so viele sein. „Die Einrichtung ist Kita und Turnhalle in einem“, sagt Weinmann. Aus ihrer Sicht sollen sich Kinder so viel wie möglich bewegen.

Im November startet das erste Angebot

Innehalten? Kaum ein Gedanke liegt Bettina Weinmann ferner. Längst hat sie ein weiteres Projekt angestoßen, sie will ein Kinder- und Familienzentrum etablieren. Die Finanzierung ist seit Juni gesichert, im November wird das erste konkrete Angebot in die Tat umgesetzt: ein Elterncafé.

„Das Familienzentrum ist ein ergänzendes Angebot, mit dem wir den Blickwinkel auf Familien legen. Wir wollen Eltern früh in den Bildungsprozess ihrer Kinder einbeziehen“, sagt Bettina Weinmann. Für sie war klar, der Ausschreibung des Regierungspräsidiums zu folgen. Demnach sollen sich Kitas weiterentwickeln. Die Zusage garantiert eine Finanzspritze über vier Jahre. Im ersten Jahr sind es 10 000 Euro.

Ein bisschen wie in Schweden

Die Erweiterung der Kita sei eine „logische Fortführung der Elternarbeit“: Die Kita lege großen Wert auf einen engen Austausch mit den Müttern und Vätern. Viele duze man, sagt Weinmann. Künftig sollen alle Eltern in der Stadt das Familienzentrum nutzen, zumal Korntal-Münchingen bislang keines hat. Die Angebote sollen von Begegnung und Begleitung über Beratung bis hin zu Betreuung und Bildung reichen. „Wir haben viele Ideen“, sagt Susanne Haßmann – eine Elternbibliothek oder Vorträge. „Wir sind noch im Findungsprozess und möchten auch wissen, was die Eltern wollen“, meint die zweite Vereinsvorsitzende, eine Realschullehrerin. Doch es gibt ein Problem: „Uns fehlen die Räume“, sagt Bettina Weinmann, „wir wollen die Eltern empfangen – bloß wo?“ Sie hofft, dass sich in der neuen Mensa Möglichkeiten bieten. Das erste Elterncafé im November ist vorerst im Café am Rathaus.

Neben Räumen braucht das Zentrum auch Personal. Das dürfte aber das kleinste Problem werden. „Wir haben in der Kita noch nie Personalmangel gehabt und einen großen Pool an Aushilfen“, sagt Bettina Weinmann. Die Kita bilde aus, qualifiziere Quereinsteiger und halte den Kontakt etwa zu ehemaligen Praktikanten. Wertschätzung gegenüber Mitarbeitern sei dabei das A und O, findet Bettina Weinmann. Natürlich sei auch der Verein als Basis von Vorteil: Er sei auf vielen Festen und in Schulen präsent, das Netzwerk entsprechend riesig. Ihr Ehemann Bernd Weinmann formuliert es augenzwinkernd so: „Wir sind wie eine Krake. Wir stecken unsere Nase überall hinein.“ Seine Frau schaffe es zudem, andere mit ihrer Leidenschaft für ihre Arbeit anzustecken: So sei eine fast 70-jährige Kinderkrankenschwester aus dem Verein über Monate als Vertretung für die schwanger gewordene Kita-Hausleitung eingesprungen – trotz geplanter Urlaube.

Der Ehemann ist der Bedenkenträger

25 Jahre lang arbeitete Bettina Weinmann in einer städtischen Kita mit 140 Kindern, bevor sie ihren Job kündigte und sich selbstständig machte. „Mein Wunsch war eine kleine, familiäre Einheit mit Sportprofil.“ Fast genauso lange war Weinmann Trainerin im TSV Münchingen. Als feststand, dass mit ihm die Idee einer Sportkita nicht klappt, ging sie. Eine Trainerin folgte ihr. Ihr Mann sei skeptisch gewesen angesichts ihrer Pläne. „Ich komme aus dem Personalbereich und weiß, wie schwer es ist, Personal zu gewinnen – und zu halten“, sagt Bernd Weinmann. Der 61-Jährige arbeitet in seinem Unternehmen inzwischen Teilzeit. Also holte sich Bettina Weinmann Mechthild Rothfuchs ins Boot. Sie ist für Coaching und Teamentwicklung zuständig und schulte das Kita-Team auch im richtigen Umgang mit Eltern.

Mit dem Familienzentrum sind Weinmanns Pläne nicht erschöpft. Sie träumt noch von einem Sporthort. Damit käme sie ihrer Vision von der lebenslangen Bewegung einen weiteren Schritt näher.

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