Nicht nur bei Neubauwohnungen, auch bei älteren Wohnungen sind die Preise gestiegen. Foto: dpa/Marijan Murat

Steigende Nachfrage trifft auf äußerst knappes Angebot – und die Zahl der Baugenehmigungen in Stuttgart sei weiter auf erschreckend niedrigem Niveau, klagt das Marktforschungsinstitut des Immobilienverbandes IVD. Die Probleme gebe es nicht nur in der Landeshauptstadt.

Stuttgart - Der Immobilienverband IVD Süd hat in den letzten sechs Monaten des vergangenen Jahres in Stuttgart wie auch in Freiburg, Karlsruhe und Mannheim „teilweise sehr hohe Kaufpreiszuwächse gemessen“. Bei einer Pressekonferenz am Montag wurde das auf eine hohe Nachfrage in Stuttgart durch einen Bevölkerungszuwachs und den Trend zur „Singularisierung“, nämlich zu Ein-Personen-Haushalten, zurückgeführt. Gleichzeitig sei das Angebot sehr knapp.

Für Baden-Württemberg insgesamt müsse man feststellen, dass „der Wohnungsproduktion die Puste ausgegangen ist“, vor allem, wenn man die Entwicklung mit der Situation zu Beginn der 1990er Jahre vergleiche, als besonders hohe Zahlen bei den Baugenehmigungen und den fertiggestellten Wohnungen erreicht worden seien, sagte Professor Stephan Kippes, der Leiter des IVD-Marktforschungsinstituts. Die Lage in Stuttgart sei „genauso traurig“. Die Zahl der Baugenehmigungen bewege sich auf erschreckend niedrigem Niveau. Im Jahr 2018 sei die Menge immerhin noch solide gewesen, im vergangenen Jahr aber schlecht. Die Stuttgarter Stadtverwaltung erklärte dazu, eine genaue Zahl werde man erst im Frühjahr wissen. Allerdings rechne man für 2019 mit weniger Baugenehmigungen als 2018. Ein Blick auf die Genehmigungen sei nicht ausreichend für fundierte Schlüsse über die Entwicklung des Stuttgarter Wohnungsmarktes. Festzuhalten bleibe, dass die die Stadt ihre Anstrengungen im Wohnungsbau konsequent verstärke.

Kaufpreise steigen stärker als Mietpreise

Dem IVD zufolge legten die Kaufpreise in Stuttgart von Frühjahr bis Herbst 2019 in der Kategorie freistehende Einfamilienhäuser um durchschnittlich 5,6 Prozent zu, bei den Eigentumswohnungen um durchschnittlich 5,3 Prozent auf 4950 Euro pro Quadratmeter.

Die Schere zwischen Kauf- und Mietpreisen gehe in Stuttgart weiter auseinander. Während die Mieten seit Jahren gleichmäßig um etwa fünf Prozent jährlich gestiegen seien, habe man bei Verkaufsobjekten eine deutlich ausgeprägtere Zunahme beobachtet. Bei der Erstvermietung von neuen Wohnungen sei im vergangenen Jahr, was den Quadratmeterpreis angeht, „in Stuttgart die 16-Euro-Grenze gesprengt“ worden, sagte Kippes.

Bei den Mieten sieht das IVD-Institut München weiter vorn

Gleichwohl äußerte er – wie zuvor unsere Zeitung in einem Bericht zu diesem Thema – Skepsis bezüglich der Botschaft des Hamburger Forschungs- und Beratungsunternehmens F+B, dass Stuttgart jetzt noch vor München die für Mieter teuerste Großstadt in Deutschland sein soll und die zweitteuerste Stadt nach Karlsfeld in Bayern. Für diese Untersuchung waren die Mietspiegelpreise von 351 Orten in Deutschland worden, doch die Mietspiegel unterlägen „politischen Einflüssen“, sagte Kippes mit Verweis auf den besonders umstrittenen Mietspiegel in München. Er sieht, was das Mietpreisniveau angeht, die bayerische Landeshauptstadt immer noch vor der baden-württembergischen.

Der IVD ist ein Verband von Immobilienberatern, Maklern, Hausverwaltern und Sachverständigen. Der IVD Region Süd mit Geschäftsstellen in München und Stuttgart legt regelmäßig Preisspiegel vor, jährlich auch für Baden-Württemberg. Aus dem Preisspiegel 2019 geht unter anderem auch hervor, dass auf dem Mietwohnungsmarkt sich besonders Ulm und Reutlingen speziell bei Bestandsimmobilien von den ansonsten „moderaten Preissteigerungen“ nach oben abgesetzt hätten. Insgesamt sei 2019 die Angebotsdauer, bis die Wohnungen vermietet wurden, noch einmal kürzer geworden.

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