Vater und Bruder sind tot, jetzt muss sich Wolfram Labaule (Uwe Ochsenknecht, Mitte) als Verleger beweisen. Foto: SWR - Südwestrundfunk

Zeitungskrise, Fake News, vorlaute Mitarbeiter: Uwe Ochsenknecht bläst in der Rolle eines Verlagserben der Wind voll ins Gesicht. Lästige Kollegen kennt er auch als Schauspieler – und hat eine ganz eigene Lösung.

Stuttgart - Am Donnerstag, 10. Januar, startet im SWR die von Harald Schmidt konzipierte Satire-Serie „Labaule & Erben“. Uwe Ochsenknecht spielt darin Wolfram Labaule, der durch den Tod seines Vaters und seines älteren Bruders unerwartet einen Zeitungsverlag erbt – ohne eine Ahnung davon zu haben, wie ein Medienunternehmen oder überhaupt Journalismus funktioniert. Dabei gerät er wider Willen in die absurdesten Situationen – mit Angestellten, die ihn wie einen Praktikanten behandeln, mit Konkurrenten, die nur auf sein Scheitern warten, und mit einer intriganten Mutter, die den Verlag selbst übernehmen will.

Herr Ochsenknecht, mussten Sie schon einmal für etwas Verantwortung übernehmen, von dem Sie keine Ahnung hatten?

Nein. Aber wissen Sie, ich habe vier Kinder. Wenn man Kinder kriegt, weiß man meistens auch nicht wie es geht. Es gibt kein Rezept dafür. Klar, man weiß, wie man Windeln wechselt, aber jedes Kind ist unterschiedlich. Jedes Kind muss man anders behandeln.

Ein Verleger, wie Sie ihn gerade spielen, muss auch lernen, mit den unterschiedlichen Angestellten umzugehen.

Das ist natürlich eine andere Nummer. So jemand braucht eine Ausbildung, er muss journalistisch geschult sein.

Haben Sie Zeitungsredaktionen besucht, um sich auf Ihre Rolle vorzubereiten?

Nein. Ich habe ja keinen Typen gespielt, der sich mit Zeitungen auskennt, sondern genau das Gegenteil – einen, der sich damit nicht auskennt. Insofern musste ich gar nicht groß recherchieren.

Irgendwie haben Sie sich aber bestimmt vorbereitet?

Wolfram Labaule ist ja keine historische Person, die man im Internet, bei Wikipedia oder so, recherchieren kann. Ich habe mich viel mit dem Regisseur und den Autoren unterhalten. Die Figur müssen Sie sich wie ein Puzzlebild vorstellen, in dem viele Stückchen zusammenkommen.

Wen soll die Serie ansprechen? Medienleute?

Nicht nur. Ich denke, Medienleute werden da viele Dinge erkennen, aber es ist für den ganz normalen Zuschauer gedacht. Es ist nicht nur eine Serie über das Verlagswesen an sich. Der Zuschauer soll erstmal die Familie kennenlernen. Es geht darum, was diesem Menschen, Wolfram Labaule, in seinem Leben passiert. Im Moment gehört der Verlag dazu.

Haben Sie dabei Ähnlichkeiten zu realen Figuren in der deutschen Medienlandschaft entdeckt?

Nicht unbedingt. Aber klar, es ist auch ein bisschen Kritik am Verlagswesen generell dabei.

In der Serie muss sich Labaule bereits in seiner ersten Redaktionssitzung mit gefälschten Fotos auseinandersetzen. Vor kurzem wurden massive Fälschungen in den Texten des ehemaligen Spiegel-Journalisten Claas Relotius entdeckt. Die Szenen sind aktueller als gedacht, oder?

Naja gut, seit wann sagt denn die Presse immer die Wahrheit?

Ist das Ihre allgemeine Einstellung zu Medien?

Nein, es kommt auf die Zeitung an. Es gibt Zeitungen, Magazine, Zeitschriften, bei denen man davon ausgehen kann, dass sie gut recherchieren und keinen Quatsch schreiben. Spiegel und Focus zum Beispiel gehören zu den seriöseren Zeitschriften. Aber es gibt auch andere, die einfach Schlagzeilen schreiben, egal ob da jetzt alles stimmt oder nicht. Da muss man vorsichtig sein.

Wie informieren Sie sich?

Was heißt informieren? Bewusst schaue ich überhaupt gar keine Nachrichten mehr. Ich lese mal irgendwo im Internet etwas nach. Aber wie Sie ja wissen: Nachrichten sind meistens nicht sehr positiv. Und ich muss mir nicht schon morgens am Frühstückstisch – anstatt mich mit meiner bezaubernden Frau zu unterhalten – die schlechten Nachrichten reinziehen, und abends dann, nach den Tagesthemen, nochmal mit einer Dosis schlechter Nachrichten ins Bett gehen. Das brauche ich nicht.

Hat sich Ihre Einstellung zu Medien durch die Rolle geändert?

Nein. Es ist ja klar, dass es in jeder Firma, in der viele Menschen zusammenkommen, oft nicht leicht ist, alle zufrieden zu stellen – auch in Verlagen. Man kann sich nicht immer die Leute aussuchen, mit denen man arbeitet. Der Mensch ist nun mal immer noch seinen Urinstinkten verhaftet, wie Neid, Eifersucht, Ehrgeiz – wobei Ehrgeiz auch etwas Positives sein kann. Es ist eigentlich ein Glücksfall, wenn es in einer Firma keine Probleme gibt. Eigentlich unwahrscheinlich.

Sie haben bestimmt auch Kollegen im Fernsehen, die Sie nicht so toll finden.

Ja, klar. Es gibt auch Filme, die ich absage, wenn ich höre, der und der spielt mit.

Die sechs Folgen von „Labaule & Erben“ sind donnerstags ab 10. Januar, 22 Uhr, im SWR zu sehen – und in der ARD-Mediathek abrufbar.

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